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Zum Abschied fließen Tränen Theatergruppe der Seefelder Mühle feiert letzte Premiere  

Zum Abschied fließen Tränen: die Theatergruppe der Seefelder Mühle und ihre Regisseurin Heike Scharf (im Vordergrund)

Zum Abschied fließen Tränen: die Theatergruppe der Seefelder Mühle und ihre Regisseurin Heike Scharf (im Vordergrund)

Henning Bielefeld

Seefeld - Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. Dieser Satz gilt auch dann, wenn die Summe der Teile auf den ersten Blick gar kein Ganzes ergibt. Das ist die zentrale Botschaft des letzten Stücks der Theatergruppe der Seefelder Mühle, das am Donnerstagabend im voll besetzten Dorfgemeinschaftshaus Premiere feierte.

„Was bleibt?“, lautet der Titel, der auch ein Memento Mori ist, ein „Gedenke deines Todes, wann auch immer er kommen mag“. Was soll dann von dir bleiben, was wünschst du dir getan zu haben?

Die liebste Rolle

Vordergründig geht es darum, was von der Theatergruppe bleibt, die seit 20 Jahren Bestand hat. Welche Rolle aus welchem Stück ist den zehn Frauen und vier Männern die liebste gewesen? Die Spielleiterin Heike Scharf hat das notiert und diese Rollen zu einem neuen Stück zusammengeschrieben, eben: „Was bleibt?“ Klar, dass dieses Stück nur ein Kaleidoskop werden konnte, ein Puzzle.

Und zwar ein Puzzle, das, wenn es zusammengelegt ist, wieder ein Puzzle zeigt: unsere Gesellschaft. „So etwas wie Gesellschaft gibt es gar nicht, es gibt nur einzelne Menschen“, hatte die britische Premierministerin Margaret Thatcher einst gesagt. Und wer einigen Akteuren auf der Bühne zuschaut, glaubt spontan, dass es so ist. Almuth (Anja Thümler aus „Achtung an Bahngleis 14“, 2012) irrt in der Bahnhofsmission umher und drängt anderen die immer gleichen Fotos von ihrer Familie auf, die, wie sich herausstellt, nichts mehr von ihr wissen will. Ähnlich Frida (Meike Peschke aus „Spätlese“, 2007): Sie hält eine Puppe wie ein Baby in der Hand. Die Puppe soll ihr helfen, einen Schicksalsschlag von geradezu epischem Ausmaß zu verarbeiten, der ihr im Wortsinn die Sprache verschlagen hat: Sie spricht nicht, sie summt nur Kinderlieder.

Der einfache Gregor (Heike Barre aus „Achtung am Bahngleis 14“) mit seinem slawischen Akzent sammelt Pfandflaschen, damit er nicht betteln muss, der Trenchcoatmann (Wolfgang Szyslo aus dem gleichen Stück) erträgt sein Leben nur im Suff, und der Motorradfahrer Kuddel (Dittmar Sprekelmann, ebenfalls „Bahngleis 14“) hat erst seinen Job und dann alles andere verloren und flüchtet sich in eine Traumwelt. Im richtigen Leben kümmert sich die mütterliche Heide (Roswitha Barre) von der Bahnhofsmission um sie.


Nicole Baumann (Conny Jürgens aus „SEX“, 2017) ist nicht arm, lebt aber in einem goldenen Käfig. Zuckersüß ist die wimpernklimpernde und handyfuchtelnde Moni (Karin Rebmann aus „Soviel du brauchst“, 2018). Schick und leer kommt sie daher. Sie ist nicht dumm: Corona, Krieg und Klimakrise bleiben ihr nicht verborgen, prallen aber an ihrem fast schon aufreizend gepflegten Äußeren ab. Gerti (Anneliese Kling aus „Landschönheiten“, 2006) hat den Schönheitswahn schon hinter sich. Sie ist in einer Filmaufnahme zu sehen, in der sie Gurken von ihrer Gesichtsmaske verspeist.

Aus der Welt gefallen wirken Bürgermeister Wilhelm Hellmann (Klaus Janßen aus „Das geht auf keine Kuhhaut“, 2014), der nur Politikerkauderwelsch redet, und seine von jeder Realität losgelöste Frau Hanna Helene (Anke Kloppenburg). Ihren Reim darauf machen sich Gesa (Irmgard Rüthemann) und Alfons Merkle (Gerhard Knoth) aus „Poesie des Lebens“ (2020). Und lustig ist es auch: bei der Pfanni-Performance aus „Sehnsucht der Herzen oder Live-TV“ (2009) mit Klaus Janßen, Karin Rebmann und Roswitha Barre.

Ein alter Kalender

Mal ehrlich: Was bleibt? Darum geht es im zweiten Teil, und jeder der 14 Akteure gibt eine Antwort: Familie, Freunde, Zuversicht. Zuversicht und Gottvertrauen zeigt ausgerechnet die gestörte Frida mit der Puppe, die statt einer Antwort summt: Bonhoeffers „Von guten Mächten wunderbar geborgen“. Und eine 15. Antwort steht unausgesprochen über allem: Überwinde Furcht und Lähmung, traue dich. So wie die Schauspieler sich getraut haben und über sich hinausgewachsen sind.

Wer’s immer noch nicht glauben wollte, fand einen weiteren Beweis am Eingang des Dorfgemeinschaftshauses: einen Kalender von 2006, in dem sich Darsteller und Darstellerinnen sehr freizügig zeigen. Und das auf dem Land! Kaum zu glauben, dass das bald vorbei sein soll.

Henning Bielefeld
Henning Bielefeld Redaktion Nordenham (Stv. Leitung), Redaktion Stadland
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