Sehestedt - Die Badesaison 2021 in Sehestedt ist Geschichte, der Abbau der Nationalpark-Erlebnisstation (NEST), der Umkleidecontainer und der Gastronomie laufen auf vollen Touren. Das Gelände direkt am Jadebusen wird klar gemacht für die kommenden Herbststürme. Doch vorab hat sich das vierköpfige Team um Rüdiger von Lemm, Leiter der NEST, Nadine Kellner, Umweltpraktikantin, sowie die beiden Platzwarte Marcel Sakowitz und Tim Schaper für das Saison-Abschlussfoto noch einmal auf dem Dach der NEST zusammengefunden, um Bilanz zu ziehen und vorauszublicken.

Neue Konzeption

Eines mal gleich vorweg: Das altbekannte Sehestedt wird es so nicht wieder geben. In der Saison 2022 steht ein absoluter Umbruch und ein Neuanfang auf dem Programm. Die Nationalpark-Erlebnisstation rückt in die erste Reihe an den Jadebusen und bildet mit Gastronomie und Watterlebnis-Einrichtungen eine Einheit. „Es gibt ein neues Konzept mit neuen Containern. Die Ausstellung der NEST wird einige Elemente übernehmen, andere kommen hinzu. Die Themen Müllproblematik, Klimawandel und Artenvielfalt werden zu einem absolut nachhaltigen Konzept zusammengefasst“, erläutert der Diplom-Biologe Rüdiger von Lemm im Gespräch mit unserer Redaktion. Und wie war die Saison 2021? „Das Wetter hier in Sehestedt war definitiv besser als im Binnenland. Wir hatten für den Sommer oft Hochwasser mit Überflutungen, und wir hatten vorwiegend deutsche Gäste, vermutlich eben auch corona-bedingt“, fasst Marcel Sakowitz die Saison zusammen, die zugleich seine 5. Saison als Platzwart war.

Faszination Wattenmeer

Absolutes Neuland hatte dagegen die Umweltpraktikantin Nadine Kellner aus München am Jadebusen betreten. Und ihre Bilanz fällt umwerfend aus: „Der Sommer war unglaublich reich, die Erfahrungen tiefgründig und das Umfeld liebevoll, fördernd, voller Akzeptanz und Vertrauen in meine Fähigkeiten“, sagt sie im Gespräch mit unserer Redaktion. „Ich konnte mich vor allem in der eigenständigen Konzeption des Ferienpasses ausleben und verwirklichen und Kindern eine Chance geben, ins Handeln zu kommen, bezogen auf all die Sachen, von denen sie schon wissen, in denen sie sich aber machtlos fühlen, vor allem in Sachen Plastik-Verschmutzung und Klimakrise“, bilanziert die Studentin weiter. „Ehrlich gesagt fühlte es sich an, als hätte ich Jahre in Sehestedt verbracht, statt Monate“, sagt sie. Sie gehe nach diesem Praktikum gefestigt in ihren Idealen nach Hause und blicke hoffnungsvoller nach vorn. „Jeden Tag erkennen mehr Menschen, dass es jetzt um die Existenz von Zukunft geht. Nicht Umweltschutz oder Klimaschutz oder Blauer Planet. Es geht jetzt um die Lebensgrundlage aller Menschen“, betont sie. „Jeder Schritt ist ein Schritt, und jeder Tag eine Chance. Ich hoffe, ich habe es geschafft, das zu vermitteln und den Menschen Mut, Zuversicht und Handlungsdrang mitzugeben – vielleicht Hand in Hand mit einer neu erweckten Faszination für unser einzigartiges Weltnaturerbe direkt vor der Haustür“, betont Nadine Kellner, die sicherlich nicht das letzte Mal in Sehestedt gewesen ist.

Hans-Carl Bokelmann
Hans-Carl Bokelmann Redaktion Brake, Redaktion Jade, Redaktion Ovelgönne