Brake - Als Antje Müller (Name geändert) vor 23 Jahren einen Knoten in ihrer Brust ertastete, blieb sie eigenen Angaben zufolge vollkommen entspannt. „Das kann noch nichts Schlimmes sein“, sagte sie sich in diesem Augenblick. Ein halbes Jahr zuvor hatte die Mammographie schließlich keine verdächtigen Ergebnisse gebracht – und genau dieser Umstand habe sie nach der zufälligen Entdeckung des Knotens sehr beruhigt, sagt Müller heute.
Auch deshalb rät die Brakerin allen Frauen, das Thema Brustkrebsvorsorge ernst zu nehmen. Die blanken und in den meisten Fällen zum Glück erfreulichen Ergebnisse seien nämlich gesundheitlich das eine, das dadurch entstehende Sicherheitsgefühl das andere. In der Regel übernehmen die Krankenkassen für Frauen zwischen 50 und 70 Jahren die Kosten für eine Mammographie, die dann alle zwei Jahre möglich ist.
Chemotherapie
Bei Antje Müller machte sich übrigens erst eine gewisse Verunsicherung breit, nachdem Spezialisten in einer Oldenburger Tagesklinik das betroffene Gewebe entfernt und zur Untersuchung in ein Labor geschickt hatten. Und tatsächlich: Von den fünf entnommenen Lymphknoten waren drei entzündet und zwei von einem bösartigen Tumor befallen. Brustkrebs! Das war dann auch für die Brakerin eine Schockdiagnose.
Am Anfang habe sie ein bisschen neben sich gestanden, erinnert sich die Mutter eines damals achtjährigen Sohnes. Eines Tages erwischte sie sich am Schreibtisch allerdings, wie sie eine fröhliche Melodie pfiff – in diesem Moment legte Müller komplett den Schalter um. „Da müssen wir nun zwar durch, wir werden es aber schaffen“, sagte sie ihrem besorgten Ehemann.
Möglicherweise überstand die Frau die folgenden Behandlungen auch aufgrund ihrer positiven Einstellung verhältnismäßig gut: Noch bevor sie sich die Brüste hatte verkleinern lassen, um die Menge an potenziell angreifbarem Drüsengewebe zu verringern, wurden ihr im Oldenburger Pius-Hospital weitere vom Krebs befallene Lymphknoten entfernt. Zudem folgten vier harte und sechs leichtere Chemotherapien. Eine Bestrahlung war zum Glück nicht nötig, am 16. Juli 2000 war die akute Nachbehandlung abgeschlossen.
Screening
Das Datum hat sich bei Müller aber nicht deshalb fest eingebrannt, sondern weil an diesem Tag eine Freundin ihren Geburtstag feierte und eine Reise nach Italien startete. Auch heute spielt die Diagnose von damals im Alltag nur selten eine Rolle; viele ihre Freunde und Bekannten wissen nicht einmal von der Krebserkrankung.
Das bedeutet freilich nicht, dass Müller die Vorsorge vernachlässigt. Ganz im Gegenteil: Sie setzt auf engmaschige Kontrollen, die ihren Ärzten zufolge in dieser Konsequenz gar nicht nötig wären. „Damit fühle ich mich aber einfach sicherer“, erklärt die Brakerin.
Kurz nach der Jahrtausendwende war sie für Ultraschalluntersuchungen alle drei bis vier Monate zum Frauenarzt gegangen. Bei diesen Terminen, die mittlerweile nur noch zweimal jährlich erfolgen, tastet der Mediziner auch die Brüste nach Knoten ab. Begleitend besteht Antje Müller auf ein umfassendes Screening alle zwölf bis 18 Monate.
Lebensfreude
Bislang blieben alle Kon-trollen und Untersuchungen unauffällig. Der Krebsdiagnose vor fast einem Vierteljahrhundert kann die Brakerin sogar etwas Gutes abgewinnen, denn sie sagt: „Ich sehe mittlerweile nicht mehr alles so eng und genieße das Leben nun noch mehr als zuvor.“
