Vor zwei Jahren jubelten deutschlandweit Tausende Schülerinnen und Schüler. Es wurde verkündet, dass die Schulen wegen Corona ab dem 16. März geschlossen bleiben. Heutzutage würden Schulschließungen wohl nicht mehr so bejubelt werden. Wir haben bei Philipp Gärtner, Schulleiter der Deichschule Schweiburg, nachgefragt, was in den vergangenen zwei Jahren passiert ist.
Herr Gärtner, am 16. März 2020 startete coronabedingt der harte Lockdown an allen deutschen Schulen. Was hat sich an der Deichschule Schweiburg in den vergangenen zwei Jahren alles getan?
GärtnerVor den Osterferien 2020 gab es den ersten schulischen Lockdown. Wir sammelten erste Erfahrungen mit Distanzunterricht und Notbetreuung, hauptsächlich wurden Arbeitsblätter oder Buchseiten verteilt. Nach den Osterferien verteilten wir die Aufgaben digital, auch die Korrektur erfolgte digital, was die Organisation deutlich leichter machte. Anschließend nahmen die Kinder sukzessive wieder am Unterricht teil. Die Klassen waren geteilt, wir bereiteten eine praktikable Umsetzung der Hygienemaßnahmen vor. Nach den Sommerferien fing die Schule fast normal an, jedoch Richtung Winter mussten wir wieder kurzzeitig schließen und danach in den Wechselunterricht. Zum Glück haben wir bereits sehr früh die Digitalisierung weiterentwickelt, sodass nun ein relativ unkomplizierter Umgang mit digitalen Aufgabenformaten, Videokonferenzen und Lernvideos stattfinden konnte. Im Frühjahr durften dann wieder alle Kinder in die Schule und es gab diverse Anpassungen im Rahmen der Hygiene. Aktuell sieht es nach deutlichen Lockerungen aus, ich bin mir aber nicht sicher, ob das Kapitel der Pandemie nun beendet ist
Herr Gärtner, wie hat sich der Unterricht in dieser Corona-Zeit verändert?
GärtnerDer Unterricht wurde stark frontal ausgerichtet. Offene und vor allem gemeinsame Arbeitsformen werden erst jetzt wieder praktiziert und müssen oft völlig neu erlernt werden. Der Einsatz digitaler Endgeräte bekam einen höheren Stellenwert, wovon Schüler und Kolleginnen profitieren.
Was haben die Schülerinnen und Schüler in diesen beiden Jahren fürs Leben gelernt?
GärtnerWie wichtig und wertvoll gemeinsame, echte Zeit mit den Mitschülern ist, wie sinnvoll gewisse Hygienestandards sind – und wie man Poolnudel-Ticker spielt.
Wie belastend war die Situation für die Unterrichtenden?
GärtnerZeitweise tatsächlich sehr belastend. Der Anspruch, den Schülern gerecht zu werden, Inhalte und Persönlichkeiten weiterzuentwickeln war zu jeder Zeit hoch. Die Vorgaben wurden jedoch sehr oft angepasst. Und jede neue Vorgabe musste allen verständlich gemacht und organisatorisch umgesetzt werden, was zu erheblicher Mehrarbeit geführt hat und immer noch führt. Zumal von allen Kolleginnen zeitgleich die Großprojekte Inklusion sowie Entwicklung des Ganztags vorbereitet und weiterentwickelt werden müssen
Konnten die Eltern diese Zeit bewältigen?
GärtnerDer Kontakt zu den Eltern war stets gut. Es war bestimmt für viele Eltern nicht leicht, sich auf die besonderen Umstände einzustellen. Trotzdem ist die Zusammenarbeit mit der Elternschaft sehr gut, und es gab viel positiven Austausch und Unterstützung.
Gibt es Kinder, die gestärkt aus dieser Zeit hervorgehen werden?
GärtnerDie Zeit im Wechselunterricht hat aufgrund der halbierten Klassenstärke den Kindern mehr individuelle Hilfestellung durch Lehrkräfte ermöglicht, wovon viele profitieren konnten. Die jetzige Gemeinschaft der kompletten Klasse ist jedoch für eine große Mehrheit – inklusive der Lehrkräfte – deutlich profitabler. Es können andere Unterrichtsformate umgesetzt werden und das soziale Lernen nimmt wieder einen größeren Stellenwert ein.
Welche Lehren ziehen Sie als junger Schulleiter aus den beiden bisherigen Pandemie-Jahren?
GärtnerIch freue mich sehr auf die Zeit, wenn die Schule wieder „normal“ weiterlaufen kann. Das Hauptaugenmerk liegt auf dem Unterricht aber neben den pandemiebedingten, erschwerten Bedingungen stehen Großprojekte wie Digitalisierung, Inklusion und Ganztag an, welche einen bedeutenden Wandel der Schullandschaft mit sich bringen. Mein Kollegium und ich haben großes Interesse, diese Projekte erfolgreich weiterzuentwickeln.
