Wesermarsch/Ahrtal - Kurt Eßmann ist für seine – vorsichtig ausgedrückt – ungewöhnlichen Vorhaben bekannt. Dass er dabei hin und wieder auch von Mitmenschen belächelt oder von Behörden behindert wird, kann den 82-Jährigen aus Berne nicht in seinem Tatendrang bremsen. Nun will Eßmann erneut eine besondere Idee in die Tat umsetzen – und es dürfte abermals ein steiniger Weg werden.
Der Berner möchte nämlich eine sogenannte „Rentner-Eingreiftruppe“ auf die Beine stellen. Das sollen Handwerker aus der Wesermarsch im Ruhestand sein, die im Ahrtal beim Wiederaufbau helfen. Dort hatte die Jahrhundertflut im vergangenen Jahr extreme Schäden angerichtet, die längst noch nicht behoben sind. Eßmann machte sich in der vergangenen Woche selbst ein Bild von der Situation vor Ort und sammelte dabei auch unschöne Erfahrungen.
Ablehnung
Erschrocken war Eßmann vor allem von der Ablehnung, die ihm die Stadtverwaltung gegenüber seiner Idee gezeigt haben soll. Die Behörde habe ihm mitgeteilt, dass keine Personen seine Hilfe benötigen und alles in Ordnung sei. „Das fand ich abartig“, berichtet Eßmann. Die Gebäude hatten ihm schließlich ein ganz anderes Bild vermittelt, auch die vielen Hilfsgruppen vor Ort seien dankbar gewesen.
Mitstreiter
An die will sich Eßmann deshalb nun hauptsächlich wenden, um mit seinen rüstigen Rentnern aktiv zu werden. Wobei: Obwohl auch seine Bekannten Hartmut Logemann und Dagmar Nelles von der Idee überzeugt sind, existiert die Gruppe ja noch gar nicht. Der „schwerste Akt“ an der gesamten Aktion ist laut Eßmann, die freiwilligen Ruheständler erst einmal zu finden. Sobald sich genügend Personen bereit erklärt haben, davon ist Eßmann überzeugt, werde er auch das benötigte Startkapital über Spenden zusammenbekommen. Seine Prognose: 20 000 Euro.
Organisation
Eßmann muss nämlich einen Bus für neun Personen (so groß soll die Eingreiftruppe sein) mieten und sich um eine Unterkunft kümmern. Unbezahlt soll die Arbeit der Rentner auch nicht bleiben – angedacht ist eine Beschäftigung auf Minijob-Basis. Da die unterstützten Menschen im Ahrtal für die Hilfe außerdem einen unter dem üblichen Marktpreis liegenden Betrag zahlen müssen, sollen Spenden irgendwann überflüssig werden.
Mit dem Finanzamt habe er jedenfalls schon alles abgeklärt, sagt Eßmann. Und die Gründung eines gemeinnützigen Vereins stehe auch unmittelbar bevor.
Deshalb wünscht sich der 82-Jährige, dass der erste Bus mit Helfern schon im September ins Ahrtal fährt. Eßmann stellt sich wöchentliche Touren vor, ähnlich wie auf Montage. „Ich weiß, dass es eine außergewöhnliche Aktion ist.“ Recht hat er.
Wer sich an der Aktion finanziell oder mit helfenden Händen beteiligen möchte, kann mit Kurt Eßmann Kontakt aufnehmen. Möglich ist das per Mail an kurt.essmann40@googlemail.com oder unter der Telefonnummer 0171/6998540.
