Stadland - Sollen die beiden Dorfgemeinschaftshäuser in Stadland auch für private Feiern geöffnet werden? Die Grünen meinen ja, Bürgermeister Klaus Rübesamen (SPD) und alle anderen Fraktionen sagen nein. Dennoch erteilte der Finanzausschuss des Rates dem Antrag der Grünen keine Abfuhr, denn die Grünen zogen ihn zurück, um ihn zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal vorlegen zu können.
Das Seefelder Schaart
Dieser spätere Zeitpunkt könnte dann gekommen sein, wenn es für die Landgaststätte Seefelder Schaart tatsächlich keinen neuen Wirt geben sollte. Es war der Seefelder CDU-Ratsherr Wolfgang Fritz, der sich dafür aussprach, „uns diese Tür offen zu halten“.
Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Elke Kuik-Janssen argumentierte, die beiden Dorfgemeinschaftshäuser in Seefeld und Kleinensiel seien teure Einrichtungen der Gemeinde, die immer wieder von der Kommunalaufsicht der Kreisverwaltung kritisiert würden. Wenn sie für private Feiern geöffnet würden, könnten sie auch Einnahmen erwirtschaften, die die Kosten senken.
Ein Kostenfaktor
Zudem seien Feiern in Gasthäusern ein Kostenfaktor: „Viele können sich so etwas nicht leisten“, sagte Elke Kuik-Janssen, „da gibt es auch eine soziale Komponente.“ Nicht wenige wichen mit ihren Feiern in Gemeindehäuser aus. Mit anderen Worten: Den Gastwirten würde nichts verloren gehen.
Wirte geben Contra
Das sehen die Gastwirte selbst aber völlig anders, wie Bürgermeister Klaus Rübesamen berichtete. Kaum hatte die Meldung über diesen Antrag in der NWZ gestanden, bekam der Bürgermeister mehrere Anrufe von Stadlander Gastronomen mit der Aufforderung, eine solche Öffnung auf jeden Fall zu verhindern.
Klaus Rübesamen fügte noch ein weiteres Argument hinzu: die Mehrwertsteuerpflicht, die auf die Kommunen zukomme. „Niemand weiß, wie sie sich auf die Dorfgemeinschaftshäuser auswirkt“, sagte der Verwaltungschef, „vielleicht müssen wir sie abgeben.“
Das wollte auch Torben Hafeneger von der SPD nicht ausschließen: Die Trägerschaft könne auf Vereine übergehen, sagte der Ratsherr. Generell zeigte er sich erstaunt darüber, dass die Grünen dieses Thema ausgerechnet während der Pandemie auf die Tagesordnung setzen, in der alle Feiern verboten sind. „Wir können uns mit diesem Antrag nicht anfreunden“, sagte Torben Hafeneger im Namen der Mehrheitsgruppe.
WPS-Fraktionschef Hans Schwedt machte auf ein weiteres Problem aufmerksam: „Wenn bei privaten Feiern größere Schäden angerichtet werden, dann ist es hinterher keiner gewesen, und die Gemeinde bleibt darauf sitzen.“
Glück mit dem Pächter
Auch CDU-Fraktionschef Günter Busch konnte sich vor den Vorschlag der Grünen nicht erwärmen: „Das Dorfgemeinschaftshaus Kleinensiel ist auch eine Sporthalle; diese Sporthalle wiederum ist als Bewegungsraum Bestandteil der Betriebsgenehmigung für den Kindergarten. Wenn in der Woche abends darin gefeiert wird, muss am nächsten Morgen alles wieder sauber sein, wenn die Kinder kommen.“
Günter Busch erinnerte noch an eine andere Besonderheit: Das Dorfgemeinschaftshaus Kleinensiel habe, anders als das in Seefeld, einen Pächter. „Wenn der kündigt, können wir das Haus dichtmachen.“
CDU-Ratsherr Wolfgang Fritz erinnerte an die offene Nachfolge-Frage in der Landgaststätte Seefelder Schaart, die die Eigentümerin Renate Schröder zum Jahresende schließen will. Sollte sich kein Wirt als Käufer finden, könne die Zulassung privater Feiern im Dorfgemeinschaftshaus Seefeld doch eine Option sein. Sollte sich aber, was alle hofften, ein neuer Wirt finden, sei die Sache selbstverständlich vom Tisch.
