Rodenkirchen - So etwas gibt es in Niedersachsen kein zweites Mal, sagt Marco Trips, und er muss es wissen. Kein anderes Ratsmitglied in unserem Bundesland ist so lange dabei wie Günter Busch, weiß der Präsident des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes. Seit 55 Jahren gehört der Kleinensieler einem Kommunalparlament an: Zunächst sechs Jahre lang dem Rat der Gemeinde Esenshamm und seit 49 Jahren dem Rat der Gemeinde Stadland.
Medaille und Nadel
Das feierten Günter Busch und die Gemeinde Stadland am Donnerstagabend in der Markthalle mit mehr als 200 Gästen. Die Gemeindeverwaltung hatte die Feier organisiert, die Zeche zahlte der Jubilar.
Bürgermeister Harald Stindt (links) überreichte Günter Busch die Ehrennadel der Gemeinde Stadland.
Henning Bielefeld
Marco Trips (links) vom Niedersächsischen Städte- und Gemeindebund übergab Ehrenmedaille und Urkunde.
Henning Bielefeld
Der frühere Bürgermeister Boris Schierhold dankte Günter Busch.
Henning Bielefeld
Der frühere Bürgermeister Klaus Rübesamen (links) übergab Günter Busch Naschwerk und einen HSV-Schal.
Henning Bielefeld
Der CDU-Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Björn Thümler (links) überreichte die CDU-Ehrenmedaille.
Henning Bielefeld
Bürgermeister Harald Stindt dankte Günter Buschs Ehefrau Margret Bielert mit einem Blumenstrauß.
Henning BielefeldMarco Trips würdigte das lang andauernde Engagement des CDU-Politikers mit der höchsten Auszeichnung seiner Organisation, der Ehrenmedaille. Eine Ehrennadel bekam der 83-Jährige von seiner Gemeinde. Bürgermeister Harald Stindt (parteilos) überreichte sie ihm zusammen mit einer Urkunde und einem Präsentkorb. Möglich gemacht hatte das die erst vor wenigen Tagen vom Rat beschlossene neue Ehrenordnung der Gemeinde.
Legendäre Kompetenz
„Ihr Wort gilt etwas in der Gemeinde, Sie sind eine verlässliche Größe“, würdigte Stindt den CDU-Fraktionsvorsitzenden.
Deutlicher konnten Stindts Vorgänger Boris Schierhold (ebenfalls parteilos) und Klaus Rübesamen (SPD) werden. Schierhold, von 1999 bis 2014 erster hauptamtlicher Bürgermeister der Gemeinde, unterstrich in seiner mit vielen persönlichen Erinnerungen gespickten Rede die geradezu legendäre Kompetenz von Günter Busch. Ihre Grundlage ist ein fast lexikalisches Wissen, das sich zum Teil aus gutem Gedächtnis, vor allem aber aus einem riesigen Archiv mit Unterlagen aus mehr als einem halben Jahrhundert speist, das Busch bei sich zu Hause pflegt. „Mit Günter Buschs Wissen kann so mancher in der Verwaltung nicht mithalten“, sagte Schierhold.
Teil dieses Wissens seien alle relevanten Zahlen der Finanzlage der Gemeinde – nicht nur der jetzigen, sondern auch der künftigen. So habe Busch mit Hinweis auf die Folgekosten 1981 verhindert, dass Stadland ein Schwimmbad baut, „obwohl wir im Geld schwammen.“ Schon damals zeigte dieser herausragende Kommunalpolitiker, „dass man auch in der Opposition gestalten kann“, sagte Schierhold. Und zwar so: Die Opposition müsse die Mehrheit dazu bringen, sich mit sich selbst zu beschäftigen, dann könne sie Erfolg haben. Eine weitere Gabe von Günter Busch: Er könne Bürgern mit einfachen Worten erklären, was gemacht werden müsse – und er sei nicht unbedingt auf Applaus aus.
Klaus Rübesamen verriet, dass er und Busch sich „vor einem Jahr ausgetauscht“ hätten. Seinen Wahlsieg 2014 habe Busch als seine größte Niederlage bezeichnet, sagte Rübesamen. Die Revanche kam 2016, als Busch mit sehr attraktiven Kandidaten dem SPD-Bürgermeister fast die Mehrheit im Rat genommen hätte. Ein weiteres Markenzeichen von Busch sei die Abstimmungsdisziplin in der CDU-Fraktion. Gemeinsam sei beiden die Liebe zum Hamburger Sportverein, weshalb Rübesamen Busch einen HSV-Schal umhängte.
Die Ehrenmedaille der CDU überreichte ihm der Landtagsabgeordnete Björn Thümler. Er bezeichnete Busch als „Charaktermenschen“. Busch sei „zugewandt, zuhörend, meinungsstark, gelegentlich aufbrausend, aber häufig sanft.“
Sorge um Demokratie
Günter Busch selbst kritisierte, dass die Politik zu stark auf Logos und Glanzpapier setze. Entscheidend sei aber, Sachargumente statt großer Versprechen zu bringen und sich um die Anliegen der Bürger zu kümmern. Der Politiker äußerte große Sorgen um die Demokratie: „Wir gehen in eine Entwicklung wie in den 30er Jahren.“
Zu den Gästen gehörte auch seine Familie, darunter seine Frau Margret Bielert, mit der er seit 33 Jahren zusammenlebt und seit 10 Jahren verheiratet ist. Begleitet wurde der Abend von einer Bilderschau aus dem Leben des Geehrten; es spielte das Blasorchester Rodenkirchen, und es sang der Shantychor Rodenkirchen.
