Stollhamm - Dass das Thema nicht in ein paar Minuten abzuhaken sein würde, war absehbar gewesen, dass die Debatte gleich mit einem Knalleffekt beginnen würde dagegen nicht. Karin und Hans Hellwig haben am Mittwochabend im Planungsausschuss des Gemeinderats ihr Interesse an der alten Stollhammer Schule frustriert zurückgezogen – ihre Idee eines generationenübergreifenden Wohnens wollen sie umsetzen, jedoch nicht in Butjadingen.
Heißer Favorit für die Schule ist daher nach dem bisherigen Stand der Dinge Thorsten Memenga. Frei ist der Weg für den Feldhauser indes noch nicht. Denn bei der Sitzung am Mittwoch stand überraschend noch ein dritter Interessent zur Debatte.
Lange Vorgeschichte
Die Vorgeschichte ist inzwischen lang: 2012 besiegelte die Gemeinde das Ende der Stollhammer Grundschule und bot noch im selben Jahr das Gebäude zum Kauf an. Jahrelang passierte nichts – bis vor rund einem halben Jahr Karin und Hans Hellwig aus Eckwarden auf der Bildfläche erschienen und 75 000 Euro für die Schule boten. Ihre Idee war, in dem alten Schulgebäude ein generationsübergreifendes Wohnen, das sogenannte Cohousing, zu realisieren.
Kaum waren diese Pläne bekannt, beantragte die aus CDU, FDP und Unabhängigen bestehende Mehrheitsgruppe im Gemeinderat, die Schule abzureißen und die Fläche für eine Weiterentwicklung des Ortskerns von Stollhamm zu nutzen. Diesen Antrag wiederum stellte die Gruppe ruhend, als Thorsten Memenga seinen Hut in den Ring warf. Er bietet 100 000 Euro und will das Schulgebäude nutzen, um günstigen Wohnraum zu schaffen.
Nun beschloss der Gemeinderat, die Schule noch einmal ausdrücklich zum Verkauf anzubieten, für Gebote eine Frist bis zum 30. April zu setzen, den gebotenen Preis und das Nutzungskonzept jedes Interessentin in die Waagschale zu werfen und bei einer Sitzung des Planungsausschusses eine Entscheidung zu treffen. Diese Sitzung fand Mittwochabend im Rathaussaal statt. Und sie bot zwei Überraschungen.
Die erste war, das Karin und Hans Hellwigs erklärten, dass sie von ihrem Kaufinteresse zurücktreten. Sie hatten ihr Gebot zuletzt noch auf 87 500 Euro erhöht. Doch inzwischen hat sich so viel Frust aufgestaut, dass sie ihr soziales Wohnprojekt andernorts realisieren möchten. „Wir hatten gedacht, dass unser Projekt die Gemeinde anspricht, stattdessen gab es einen Shitstorm“, sagte Karin Hellwig. Es sei nur über sie geredet worden, aber nicht mit ihnen. Von Anfang seien ihnen Steine in den Weg gelegt worden. „Wir fühlen uns vom Gemeinderat schlecht behandelt“, sprach Karin Hellwig Klartext.
Die zweite Überraschung des Abends hatte Bürgermeisterin Ina Korter parat. Sie berichtete, dass sich ein Interessent aus dem Raum Hannover gemeldet und das Schulgebäude am Pfingstmontag unter ihrer Führung auch schon besichtigt habe. Der Interessent habe sich aber Bedenkzeit ausgebeten, um klären zu können, was für ihn auf der Fläche in Stollhamm möglich ist und was nicht, so die Bürgermeisterin.
Entscheidung vertagt
Auf der Grundlage dieser Information diskutierte der Ausschuss das mögliche weitere Vorgehen. CDU-Chef Johann Evers sah keinen Grund darin, noch auf einen weiteren potenziellen Investor zu warten. Die Frist sei am 30. April abgelaufen. Zwei Interessen hätten Gebote abgegeben, davon sei einer wieder abgesprungen. Warum also nicht eine Entscheidung treffen?
Während sich CDU-Ratsherr Ralf Töllner der Meinung seines Fraktionskollegen anschloss und dafür plädierte, dem verbliebenen Bieter den Zuschlag zu erteilen, statt auf Luftschlösser zu hoffen, vertrat Jochen Kiebitz (FDP) eine andere Auffassung. Das Nutzungskonzept von Thorsten Memenga „überzeugend und schlüssig“, so Jochen Kiebitz. Die Entscheidung sollte aber dennoch vertagt werden, damit die Gemeinde sich nicht eine womöglich große Chance verbaut. Dafür plädierte auch Felix Frerich von der SPD und stellte einen entsprechenden Antrag, dem der Planungsausschuss mit knapper Mehrheit folgte.
Indes hätte sich der Ausschuss diese Extrarunde wohl sparen können, denn schon am Donnerstagvormittag zog der neue potenzielle Investor sein Interesse zurück. Ob die Gemeinde doch wieder mit ihm ins Gespräch kommt, das bleibt abzuwarten.
Vorerst ist als einziger konkreter Interessent Thorsten Memenga übrig. Er möchte elf Wohnungen in der alten Schule ausbauen und sie zu günstigen Preisen vermieten. Sogar kleine Gärten könnten für die Mieter entstehen. Einen genauen Zeitplan konnte Thorsten Memenga nicht nennen. Und auch zum Zuschnitt der Wohnungen konnte er noch nichts sagen, weil er sich zunächst über die Statik des Gebäudes informieren müsse. Derweil bleibt es bei einem Gebot von 100 000 Euro.
Thorsten Memenga könnte sich sogar vorstellen, den der Kirchengemeinde Stollhamm gehörenden angrenzenden Bürgerpark zu erwerben und ihn dann auch zu pflegen. Daraus wird aber nichts werden, denn die Kirche will gar nicht verkaufen.
Die endgültige Entscheidung über das alte Schulgebäude könnte nun am 25. Juni im Gemeinderat fallen.
