Stollhamm - Noch vor zwei Wochen waren nicht mehr als ein paar flauschige Köpfchen kurz über der Nestkante zu erahnen. Jetzt hocken dort vier Jungstörche, von denen man das Gefühl hat, ihnen beim Wachsen zusehen zu können. Die in Stollhamm spielende Familiensaga von Therese und Balthasar, sie ist auch im vierten Jahr eine Erfolgsstory - auch wenn es erneut schon ein ziemlich dramatisches Kapitel gab.
Balthasar hatte das Nest, das im Garten der Butjadinger Lehrerin Beate Hermenau auf einem acht Meter hohen und 600 Kilogramm schweren Lärchenstamm thront, bereits am 24. Februar bezogen. Therese folgte knapp drei Wochen später. Den Winter verbringen die beiden Störche offenbar nicht zusammen. Beate Hermenau geht davon aus, dass Therese weiter nach Süden fliegt als Balthasar, vermutlich bis nach Afrika. Davon zeugt ihr Federkleid, das bei der Rückkehr gelblicher ist als das des Männchens; es könnte von Wüstensand herrühren. Entscheidend ist letztlich, dass das Storchenpaar im Frühjahr in Stollhamm wieder zueinanderfindet. Störche gelten als besonders nesttreu; Therese und Balthasar liefern Jahr für Jahr den Beweis, dass da etwas dran ist.
Traum erfüllt
Beate Hermenau begeistert sich seit Kindertagen für Störche. „Für mich waren sie immer schon magisch“, sagt die Stollhammerin, die in Tossens an der Zinzendorfschule als Lehrerin tätig ist. Im Frühjahr 2018 erfüllte sie sich einen Traum und stellte mit viel Mühe in ihrem Garten ein Storchennest auf. Schon kurz darauf, nämlich zu Ostern, begann die Liebesgeschichte von Therese und Balthasar. So taufte Beate Hermenau das Storchenpaar, das sich in dem Nest niederließ und kurz darauf zu brüten begann. Drei Jungstörche waren das Ergebnis.
2019 schlüpften sogar vier Jungstörche. In diesem besonderen Jahr waren die Temperaturen so hoch und das Nahrungsangebot so groß, dass sich viele Störche den Weg in den Süden sparten – auch das Stollhammer Paar. Im Frühjahr 2020 mussten Beate Hermenau und ihr Lebensgefährte Uwe Hänßler nicht nach Therese und Balthasar Ausschau halten; sie waren den gesamten Winter über in Butjadingen geblieben und brüteten schließlich erneut Nachwuchs aus.
Zu sechst im Nest
In diesem Jahr ist die Schar der Jungstörche erneut vierköpfig. Ein fünftes Junges hatten die Altstörche am 19. Mai aus dem Nest geschmissen. Das mutet brutal an, ist jedoch ein normaler Prozess, wenn die Eltern merken, dass sie nicht alle Küken werden durchfüttern können.
Bis die vier verbliebenen Jungstörche, die im Gegensatz zu ihren Eltern noch einen schwarzen Schnabel haben (er verfärbt sich erst später rot), flügge werden, wird es noch eine Weile dauern. Die ersten Flugversuche werden Beate Hermenau und Uwe Hänßler vermutlich gegen Ende Juli beobachten können. Vorerst sind die Jungstörche auch noch darauf angewiesen, von ihren Eltern gefüttert zu werden. Therese und Balthasar haben also viel zu tun.
