Atens - Manchmal gehen Wünsche in Erfüllung. Nicht nur im Märchen. Auch in der Nordenhamer Wirklichkeit. Dort hat sich eine Frau ein Storchenpaar im Garten gewünscht. Nun ist es da. In Atens. Und brütet. In wenigen Wochen wird Nachwuchs da sein.
Bevor der Wunsch in Erfüllung gehen konnte, hatte Sven Kolwitz allerdings einiges zu erledigen. Er lebt mit seiner Frau Elke Susanne an der Straße Am Hechtgraben in Atens. Der Hechtgraben geht vom Heetweg ab, kurz bevor das Dorf Atens endet und die freie Landschaft beginnt.
Korb und Mast
Zum zehnjährigen Bestehen ihrer Beziehung am 18. Juni 2023 überraschte Sven Kolwitz seine Frau mit einer Brutunterlage für Störche, zwei fachmännisch miteinander zu einem Korb verbundenen Ringen aus Metall und einem Boden. Der gelernte Schlosser hat das mit seinem Kumpel Daven Buddelmann aus Rodenkirchen selbst gebaut.
Die nächste Herausforderung kam danach. Ein Storchennest braucht einen Mast. Auch den hat Sven Kolwitz selbst gebaut und in einem Betonfundament verankert. Drei Holzpfähle und einen Stahlträger hat er zusammengefügt. Das hält. Da kann es noch so viel stürmen. Im Februar dieses Jahres war alles fertig. Den Nistkorb hat Sven Kolwitz ausgefüllt mit geflochtenen Weidenzweigen, Hackschnitzeln und Heu.
Nun gibt es inzwischen viele Storchennester in der Wesermarsch, doch längst nicht auf jedem ein Storchenpaar. Am Hechtgraben in Atens allerdings schaute bereits wenige Wochen, nachdem der Mast im Garten platziert war, der erste Storch vorbei. Das ist stets das Männchen. Die männlichen Vögel kehren zuerst aus dem Überwinterungsgebiet zurück. Und wenige Wochen später gesellte sich ein Weibchen dazu. Es wurde Storchenhochzeit gefeiert.
Storchenglück in Atens – und eine glückliche Familie Kolwitz. Der Storchenhorst steht nur wenige Meter von der Terrasse entfernt. Von dort haben Elke Susanne und Sven Kolwitz und ihre Tochter Rosa einen Premium-Logenblick auf das Geschehen im Horst.
Beim Bau des Nistkorbs und der Auswahl des Standortes hat sich Sven Kolwitz eng abgestimmt mit Udo Hilfers, dem Leiter der Storchenstation in Berne. Mit Erfolg. Die beiden Störche haben sich einen Standort mitten in einer Wohnstraße ausgesucht. Aber nur wenige Flügelschläge weiter beginnt die freie Marschenlandschaft. Und dort gibt es Futter: Regenwürmer, Mäuse, Frösche – was Störchen eben so schmeckt. Die beiden Störche wechseln sich beim Brüten und der Futtersuche ab.
Steigende Zahlen
Seit einigen Jahren steigt die Zahl der Störche in Nordenham kontinuierlich an. So wie in der gesamten Wesermarsch. 248 Paare waren es im vergangenen Jahr im Landkreis. 402 Jungvögel sind ausgeflogen. Diese Zahlen hat Storchenbetreuer Udo Hilfers zusammengetragen. In Nordenham sind inzwischen acht Brutstandorte bekannt: gleich zwei in Moorsee sowie in der Wisch zwischen Esenshamm und Abbehausen. Hinzu kommen Storchenpaare in Esenshamm, Hoffe und Schweewarden und nun in Atens. Diese Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Manchmal kommt eben ganz schnell ein Paar hinzu, wenn ein gutes Nest und die passende Storchenumgebung da sind. So wie jetzt in Atens.
Sven Kolwitz plant, für die nächste Brutsaison eine Kamera in Nähe des Horstes zu installieren und die Bilder auf einer Internetseite zu veröffentlichen. Dann können alle, die es wollen, das Geschehen in dem Atenser Storchenhorst verfolgen.
Die beiden Atenser Störche beim Anflug auf ihr Nest Bild: Kolwitz
Sven und Elke Susanne Kolwitz Bild: Privat
