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Theater Fatale in Nordenham Verwirrspiel am Rande des Wahnsinns

Jens Milde
Turbulent geht’s zu im neuen Fatale-Stück: In dieser Szene sind (von links) Birgit Glückselig, Hans-Gerd Hansing, Olaf de Grave und Rolf Wilkens zu sehen.

Turbulent geht’s zu im neuen Fatale-Stück: In dieser Szene sind (von links) Birgit Glückselig, Hans-Gerd Hansing, Olaf de Grave und Rolf Wilkens zu sehen.

Jens Milde

Nordenham - Wer ist hier eigentlich wer? Wer ist Lofty? Wer ist Muschi? Was macht die Putzfrau hinter der Tür? Wer ist dieser nervige Kartoffelbauer aus Gatway? Am Ende wanken die Figuren im neuen Stück von Theater Fatale wie personifizierte Fragezeichen über die Bühne. Auch viele der rund 100 Besucher sind verwirrt. So richtig Bescheid weiß eigentlich nur einer: John Smith, Taxifahrer in London, mit zwei Frauen gleichzeitig verheiratet. Mit der einen lebt er in Wimbledon, mit der anderen viereinhalb Autominuten entfernt in Streatham. Wie das geht? Mit einem ausgeklügelten Stundenplan.

Bewährtes Rezept

So gut wie ausverkauft ist der Güterschuppen des Theaters Fatale am Donnerstagabend bei der Premiere von „Doppelt leben hält besser“. Die Fatalen setzen auf ein bewährtes Erfolgsrezept: Ulf Goerges führt Regie, das Stück stammt von Ray Cooney. Und der liebt es bekanntlich, seine Figuren an den Rande des Wahnsinns zu treiben. Der Bigamist (Olaf de Grave) droht aufzufliegen, als er in einen Unfall verwickelt wird. Die Ehefrauen (Birgit Glückselig und Elke Wilhaus) melden ihren geliebten Gatten bei verschiedenen Polizeirevieren als vermisst. Keiner ahnt was von seinem Doppelleben.

Damit das so bleibt, lügt der Taxifahrer, dass sich die Balken biegen. Nur Kumpel Stanley (Hans-Gerd Hansing) weiht er in sein Geheimnis ein. Was zur Folge hat, dass auch der arbeitslose Nichtsnutz immer tiefer hineingezogen wird in das Labyrinth aus faulen und superfaulen Ausreden, aus hanebüchenen Geschichten, die den ermittelnden Inspektoren (Rolf Wilkens und Hergen Schellstede) von Anfang an reichlich suspekt vorkommen.

Karten bei NMT

20 mal wird die Komödie „Doppelt leben hält besser“ im Güterschuppen aufgeführt. Die weiteren Termine: 11. März, 20 Uhr; 17. März, 20 Uhr; 18. März, 20 Uhr; 19. März, 17 Uhr; 24. März, 20 Uhr; 25. März, 20 Uhr; 26. März, 17 Uhr; 30. März, 19 Uhr; 31. März, 20 Uhr; 1. April, 20 Uhr; 13. April, 19 Uhr; 14. April, 20 Uhr; 15. April, 20 Uhr; 21. April, 20 Uhr; 22. April, 20 Uhr; 23. April, 17 Uhr; 27. April, 19 Uhr; 28. April, 20 Uhr und 29. April, 20 Uhr. Karten gibt es für 15 Euro in der Geschäftsstelle von Nordenham Marketing und Touristik (NMT) am Marktplatz 7.

Hinter den Kulissen: Ulf Goerges (Regie), Uschi Wilkens (Regieassistenz), Sabine Müller (Souffleuse), Rita Lüddecke (Kostüme), Ralf Hartmann (Technik), Axel de Grave, Thomas Habbe, Joshua Krems, Thomas Völker und Gordon Behrens (Bühnenbau).

Das Besondere an der Komödie: Ganz oft spielt sich die Handlung an zwei Orten gleichzeitig ab. Links die Wohnung in Wimbledon, rechts die in Streatham. Mal klingelt das Telefon hier, mal dort. Wie eine „sexhungrige Hummel“ wieselt der Bigamist zwischen den Liebesnestern und reitet sich immer rein ins Unheil. John und Stanley tischen den anderen fortwährend wieder neue Lügen auf, sodass sich für jeden Einzelnen in diesem turbulenten Hin und Her eine andere Wahrnehmung ergibt. Daraus entwickeln sich ganz viele großartige Pointen. Das Spiel mit den unterschiedlichen Perspektiven und Identitäten der Figuren trägt das Stück sehr lange, wird im zweiten Teil allerdings ein wenig überstrapaziert.

Tolle Leistung

Die Leistung der Schauspieler ist einmal mehr fantastisch. Es ist immer wieder beeindruckend, wie professionell beim Theater Fatale gearbeitet wird. Allein dem Minenspiel von Hans-Gerd Hansing zuzuschauen, ist das reinste Vergnügen. Das Ensemble ist insgesamt klasse. Auch die kleineren Rollen – Frank Meyer als schwuler Nachbar und Laura Thewes als Zeitungsreporterin – sind großartig besetzt. Den langanhaltenden Applaus des Publikums haben sich die Darsteller redlich verdient.

Die Darstellung von Homosexualität in dem Stück kommt möglicherweise nicht bei allen Besuchern gut an. Die Rolle des schwulen Nachbarn im Hawaiihemd ist arg tuntenhaft angelegt. Und die Vehemenz, mit der John und Stanley am Ende bestreiten, „andersrum“ zu sein, wirkt sogar ein wenig homophob.

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