Nordenham - Die Weser-Tidenrallye ist eine der anspruchsvollsten Wettfahrten auf dem Wasser: Wind, Wellengang und Begegnungen mit großen Seeschiffen fordern die Teilnehmer – an diesem Sonnabend mehr als sonst. Dennoch erreichten alle Starter ihr Ziel. Die ersten trafen nach drei Stunden am Bootshaus von Tura Bremen ein, die letzten brauchten fünfeinhalb Stunden.
Gekentert
Vor allem der Wind blies bei dieser 30. Auflage besonders heftig; mehrere Kanuten kenterten auf dem Weg nach Bremen, aber aufgeben musste niemand. Insgesamt hatten sich mehr als 400 Kanuten und Ruderer zu dieser Veranstaltung des Landeskanuverbandes Bremen angemeldet, die jetzt alle zwei Jahre stattfindet und erstmals nach der Corona-Pause wieder ausgetragen wurde.
Wie attraktiv dieRallye ist, stellte Koni Buff unter Beweis: Der 73-Jährige war aus der Schweiz angereist – mehr als 1000 Kilometer weit. Ein anderer Teilnehmer kam aus Schweden.
44 Kilometer
Die Weser-Tidenrallye, die ein Angebot für Breitensportler ist, hat ihren eigenen Charme. Denn hier müssen die Teilnehmer mit dem Gezeitenstrom paddeln. Die Strecke führt von Nordenham aus weseraufwärts bis zum KC Rönnebeck bei Blumenthal. Hier erreichen die Sportler nach 33 Kilometern das Silber-Ziel. Wer mehr will, fährt über Vegesack und die Lesum bis zum Bootshaus von Tura Bremen, wo nach insgesamt 44 Kilometern das End- und Gold-Ziel liegt. Aus Sicherheitsgründen begleiten Boote der Wassersportvereine von der Weser, der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) und der Wasserschutzpolizei die Sportler.
Das Rahmenprogramm zur Rallye war diesmal besonders umfangreich. Nicht nur fand die Wettfahrt zum 30. Mal statt, auch der „Museumshaven“ in Vegesack feiert sein 400-jähriges Bestehen.
Zwei Vorträge ergänzten in Nordenham das Programm: Der ehemalige Mathematiklehrer Bernd Bultmann informierte am Freitagabend über Ebbe und Flut und führte Interessierte durch die Volkssternwarte auf dem Dach des Gymnasiums; Inge Voigt-Köhler berichtete anhand von Bildern aus dem Jahr 1920 über das Paddeln im ersten Bremer Kanu-Club vor 100 Jahren.
Die Anschlussfahrt führte ab dem frühen Sonntagnachmittag ins Teufelsmoor und zum Künstlerdorf Worpswede; sie endet am Dienstag.
Der Startschuss für diese Rallye fiel am Sonnabend gegen halb zehn, nachdem alle Kajak- und Kanufahrer im Sportboothafen Großensiel vom Veranstalter und vom Schirmherrn und Bürgermeister begrüßt worden waren. Nils Siemen überlegt, bei der nächsten Weser-Tidenrallye selbst mitzufahren, wie er verriet. Anders als für die Kanufahrer – einige hatten ihren Booten witzige Namen wie „Stradivari“, „Flotter Zweier“ oder „Chaos“ gegeben – begann für die Ruderer der Wettkampf am Union-Pier.
Heftige Schauer
Mit dem Wetter hatten die Sportler weitgehend Glück. Ein heftiger Schauer ging kurz vor Beginn nieder, als die Boote zu Wasser gelassen wurden, ein anderer erwischte sie auf dem Wasser. Windig bis stürmisch blieb es den ganzen Tag lang; alle Teilnehmer kämpften mit dem Wind und den Böen.
In den fast 50 Jahren seit 1973, in denen es die Weser-Tidenrallye gibt, haben mehr als 25 000 Wassersportfreunde die Herausforderung angenommen. Die Rallye verlief nicht immer wie geplant. 1978 verhinderte der starke Wellengang den Massenstart, 1984 musste die Veranstaltung aufgrund des starken Windes abgebrochen werden. Pünktlich zum 25-jährigen Jubiläum 1998 sorgte dann der Schiebewind für die bisher schnellste Tidenrallye überhaupt.
