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Petersdenkmal in Tossens „Kein Deich, kein Land, kein Leben!“


Das Petersdenkmal in Tossens.
Rolf Bultmann

Das Petersdenkmal in Tossens.

Rolf Bultmann

Tossens - Oberdeichgräfe Hans Christoph Peters ist es zu verdanken, dass der Jadedeich zwischen Eckwarderhörne und Tossens bis heute erhalten geblieben ist. Er entwickelte zwischen 1839 und 1847 nämlich eine neue Methode, den Deich zu verstärken. An den Mann, der dem Leitspruch „Kein Deich, kein Land, kein Leben!“ folgte, erinnert nun Denkmal. Das steht auf dem Grundstück der Familie Hillers an der Tossenser Nordseeallee.

Vorland fortgespült

Der Hobbyhistoriker Meinhard Wefer aus Bockhorn hat die Daten und das Lebenswerk von Hans Christoph Peters zusammengetragen. Jahrhundertelang knabberte der täglich ein- und ausfließende Jadestrom unaufhörlich an Butjadingens westlichen Deichen. Manche Sturmfluten zerstörten immer wieder die neu erbauten und manchmal auch zurückgesetzten Jadedeiche. Er sollte auch 1836 wieder zurückgelegt werden, weil das Vorland fortgespült worden war.

Neue Methode

Der am 2. August 1797 in Wiefels (Jeverland) geborene Hans Christoph Peters wollte sich damit aber nicht abfinden. Ihm kam eine Idee, wie der dem Untergang geweihte Deich gerettet werden konnte. Bis dahin war es üblich, nur das untere Ende des Deichfußes mit einer Steinpackung gegen Erosionen zu schützen. Die häufig über die kleine Steinböschung schwappenden Fluten zerstörten die Grasnarbe, so dass derartige geschädigte Deiche den Sturmfluten weniger Widerstand boten. Peters Maßnahme war, die Außenbermen der Deiche und auch deren Grodenkanten um einen Meter, mindestens jedoch bis zur Springfluthöhe, zu erhöhen. So konnten normale Fluten die Grasnarbe am Deichfuß nicht mehr erreichen und machten sie widerstandsfähiger.

Die Einweihung

Initiiert wurde die Aufstellung und Rekonstruktion des Ehrenmals mit Teilen jenes Peters-Denkmal, das von 1901 bis 1940 auf dem Tossenser Deich stand, von der Familie Hillers. Sie hatte zur Einweihung am Freitagnachmittag eingeladen. Rund 80 Gäste waren dazu zur Konzertmuschel gekommen, die gemeinsam mit der Villa Küstenwind und dem Denkmal ein dreiteiliges Ensemble bildet.

Nachdem die Familie Hillers Haus und Grundstück der heutigen Villa Küstenwind erworben hatte, fand sie im Garten unter Laubbäumen eine verwilderte Grotte mit geformten Steinen. Aufgrund eines Reliefs im Haus kam Vater Jens Hillers auf den Gedanken, dass es sich um Teile der Spitze eines Denkmals handeln könnte. Er bat seinen Onkel Meinhard Wefer, der Sache auf den Grund zu gehen. Die Ergebnisse seiner Recherchen trug der in Burhave gebürtige Heimatforscher aus Bockhorn während der Einweihung vor.

Die Zusammensetzung der Steine und die Rekonstruktion der fehlenden Teile der früheren Denkmalspitze erfolgten durch den Nordenhamer Steinmetzbetrieb Berner, den Sockel des jetzigen Denkmals habe ihr Vater gebaut, berichtete Juniorchefin Selina Hillers. Ihr Dank galt dem Bürgerverein Tossens, dem Rüstringer Heimatbund, der Kunst- und Kulturstiftung Wesermarsch, der Tourismus-Servicegesellschaft Butjadingen (TSB) und dem II. Oldenburgischen Deichband für die finanzielle Unterstützung.

„Ruhig, besonnen, zielgerecht und qualitätvoll, das ist die hillersche Art, mit der auch das Peters-Denkmal wiedererrichtet wurde“, lobt Axel Linneweber die Initiative der Familie. Für Butjadingens Bürgermeister ist das Denkmal ein bedeutsames Dokument, denn der Deichschutz sei für die Gemeinde stets ein wichtiges Thema. „Ohne die Deiche bekämen wir zweimal am Tag nasse Füße“, machte das Gemeindeoberhaupt die Lage der Nordsee-Halbinsel deutlich.

Mit Herz und Seele sowie viel Heimatverbundenheit sorge die Familie Hillers dafür, dass Tossens ein Stück attraktiver werde. Das habe sich nach dem Bau der Konzert-Muschel, die bei Künstlern und Besuchern sehr gut angenommen werde, nun auch bei der Errichtung des Peters-Denkmal bewiesen, dankte Heike Geils, stellvertretende TSB-Leiterin, dem Gastgeber.

Peter Diekelmann nahm die Denkmal-Einweihung zum Anlass, ein von ihm schon vor ein paar Jahren verfasstes Gedicht vorzutragen. Die vier Verse mit dem Titel „Der Deich“ beinhalten den Sinn und Zweck des Küstenschutzes in einer Region, den man hegen und pflege müsse. Er wolle damit ich zum Nachdenken anregen, verriet der Radiomann aus Stollhamm.

Mit maritimen Liedern unterhielt der Shantychor Butjenter Blinkfüer die Gäste. Butjadingens „älteste Boygroup“ unter Leitung von Heinz Goretzki lockte damit auch einige auf der Nordseeallee flanierende Urlauber an. Sie bekamen auch einen kurzen Film über Sturmfluten an der Butjadinger Küste zu sehen. Das Bildmaterial von Lars Lammers hatte Selina Hillers zu einem Video zusammengeschnitten.

Zudem wurden die Uferböschungen von der erhöhten Außenberme der Deiche bis zur Wattoberfläche mit einer mindestens neun Meter breiten Steinbank (Ziegelsteinpflasterung) versehen. Diese neue Deichbaumethode war zwar wesentlich aufwendiger und teurer, aber immer noch günstiger als eine erneute Zurückverlegung des Deiches.

Viertes Denkmal

Da sich Peters’ Vorschlag als sehr erfolgreich erwies, wurden immer mehr Deiche auf diese Weise befestigt. Hans Christoph Peters fand für seine Leistungen viel Anerkennung. 1847 wurde er in die Residenzstadt Oldenburg versetzt, stieg zum Deichgräfen, Oberdeichgräfen und zum Oberstaatsrat auf. 1855 wirkte er maßgeblich an einer neuen Deichordnung mit. Hans Christoph Peters starb am 8. November 1868 in Oldenburg.

Das neue Denkmal ist aber nicht das erste Peters-Denkmal, sondern bereits das vierte. Das erste aus Sandstein in Form einer gotischen Pyramide stand von 1870 bis 1900 in Tossens auf dem Deich. Es wurde durch Blitzschäden völlig zerstört. Ein Nachbau wurde 1901 errichtet, musste aber 1940 entfernt werden, weil es in der Schusslinie einer Flugabwehr stand. Teile dieses Nachbaus wurden bei der jetzigen Rekonstruktion der Denkmalspitze eingebaut.

Ein Steinkoloss

Das dritte Peters-Denkmal, nur noch ein rechteckiger Steinkoloss mit schlichter Gedenktafel, wurde 1957 neben der alten Tossenser Strandhalle errichtet, musste aber dem Bau der neuen Strandhalle weichen, weil die alte der Sturmflut 1962 zum Opfer gefallen war. Nach Abschluss der Deichbauarbeiten (1970/77) wurde das zwischenzeitlich eingelagerte Denkmal an jener Stelle wieder aufgebaut, wo sich bis 1966 das „Schloss am Meer“ in Tossens befand. Dort musste es 2007 der Neugestaltung des Strandaufganges über den Deich weichen. Auftraggeber war jeweils der II. Oldenburgische Deichband, der sich auch an der Finanzierung des jetzigen vierten Denkmals beteiligt hat.

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