Nachdem Corona den Tourismus im ersten Quartal 2021 lahm gelegt und fast 13 Millionen Euro Umsatz gekostet hat, sind die Butjadinger Urlauberquartiere nun voll belegt. Was das bedeutet und wie groß die Sorge vor einem neuen Lockdown ist, erklärt Robert Kowitz, Geschäftsführer der Butjadinger Tourismusgesellschaften, im Interview.
Herr Kowitz, wie läuft es aktuell in Butjadingen?
Robert KowitzEs läuft erfreulich gut. Nach dem Lockdown waren die Buchungen schon im Juni sehr gut angelaufen. Der Juli und der August sind sowieso immer stark gebucht, so dass wir jetzt die Leute bereits in den September leiten. Wenn kein Lockdown dazwischen kommt, werden wir im letzten Quartal 2021 vieles von dem aufholen können, was wir im ersten Quartal verloren haben.
Vieles, aber nicht alles?
Robert KowitzAlles wieder rein zu holen, wird sehr sportlich werden. Aus dem ersten Quartal fehlen zirka 230 000 Übernachtungen. Aber wir trauen uns zu, mindestens 100 000 Übernachtungen im Herbst wieder gutzumachen. Der Oktober wird sehr gut gebucht sein und der November ebenfalls. Die Menschen wollen definitiv Urlaub machen. Wer nicht auf die Ferien angewiesen ist, ist zeitlich meistens sehr flexibel. Und die Nordsee steht weiter hoch im Kurs – zumal die Möglichkeiten, im europäischen Ausland Urlaub zu machen, ja zurzeit wieder von Tag zu Tag weniger werden.
Robert Kowitz ist seit Dezember 2009 Geschäftsführer der drei Butjadinger Tourismusgesellschaften. Es sind die Tourismus-Service Butjadingen GmbH & Co.KG, bei der das operative Geschäft angesiedelt ist, die Butjadingen Kur und Touristik GmbH, die als Muttergesellschaft fungiert und der die Immobilien und Grundstücke gehören, sowie die TSB-Geschäftsführungs GmbH, bei der das Personal angestellt ist.
Der 49-Jährige stammt aus Husum. Er ist staatlich geprüfter Betriebswirt. Er hat ein duales Studium an der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein in Lübeck mit betrieblicher Ausbildung bei der Kurverwaltung in Büsum absolviert.
Wenn es so gut läuft wie erhofft, welche Zahl an Übernachtungen würde dann am Jahresende unter dem Strich stehen?
Robert Kowitz2019 hatten wir gut 1,2 Millionen Übernachtungen. Im vergangenen Jahr sind wir unter 1,1 Millionen geblieben. Es fehlten rund 160 000 Übernachtungen. In diesem Jahr möchten wir trotz Corona auf jeden Fall wieder über 1,1 Millionen Übernachtungen kommen.
Wie viel sind die bislang noch aus dem ersten Quartal fehlenden 230 000 Übernachtungen in Geld?
Robert KowitzAn Gästebeiträgen fehlen rund 400 000 Euro. Wenn wir vom touristischen Gesamtumsatz reden, dann sind es 11 bis 13 Millionen Euro, die im ersten Quartal nicht generiert werden konnten.
Wie läuft es in den touristischen Einrichtungen wie der Spielscheune und Nordseelagune oder auch auf der Adventure-Golf-Anlage? Man hat den Eindruck, dass sie teils sehr voll sind.
Robert KowitzDie Wahrnehmung ist richtig. Die Nachfrage ist da, und zwar bei allen Einrichtungen. Die Nordseelagune ist witterungsbedingt noch nicht ganz so gut besucht, wie wir uns das wünschen würden. Dafür waren wir mit der Spielscheune schon zwei Mal ganz dicht an der Maximalgrenze von 300 Besuchern, die wir zurzeit gleichzeitig einlassen dürfen.
Kann man aus den starken Besucherzahlen schließen, dass die Leute keine Angst mehr vor Corona haben?
Robert KowitzIch glaube, dass es eher daran liegt, dass wir und auch die anderen touristischen Leistungsträger sehr viel dafür getan haben, dass alle Corona-Auflagen eingehalten werden können. Wir hatten ja schon im vergangenen Jahr viel gemacht. Und dieses Jahr haben wir und die anderen Anbieter sogar noch nachgelegt, weil wir am Anfang der Saison nicht wussten, was aus uns zukommen würde. Die Gäste honorieren das.
Die Veranstaltungen scheinen auch sehr gut nachgefragt zu sein.
Robert KowitzDie Veranstaltungen und auch unsere Animationsangebote sind teilweise schon Wochen im Voraus ausgebucht. Wenn wir zusätzliche Termine nachlegen, gibt es auch dafür schon nach kürzester Zeit keine Karten mehr. Nicht zuletzt die gastronomischen Angebote wie das Watt’n Frühstück und die Picknicks mit Live-Musik kommen hervorragend an.
Man soll ja den Teufel nicht an die Wand malen, aber was würde es bedeuten, wenn im Herbst ein weiterer Lockdown käme?
Robert KowitzWenn nochmal einen Monat lang alles geschlossen werden müsste, dann könnten wir das vermutlich aushalten. Aber es darf auf keinen Fall wieder ein Lockdown kommen, der sich über Monate hinzieht. Das wäre für viele touristische Anbieter wirtschaftlich absolut existenzgefährdend. Die Verluste vom Jahresanfang können wir nur aufholen, wenn wir jetzt den Herbst und den Winter dazubekommen. Wenn nicht, wird es für alle schwer werden, zu überleben.
