Frau Entrich, Herr Timmermann, wie hart triff Corona die TSG Burhave?
Gert TimmermannNa ja, wir können im Prinzip seit einem dreiviertel Jahr keinen Sport mehr anbieten. Das ist natürlich hart. Mit den Seniorengruppen hatten wir gerade wieder angefangen, da kam der nächste Lockdown. Und gerade die älteren Mitglieder sind wegen Corona inzwischen auch sehr vorsichtig geworden. Als es nach dem ersten Lockdown wieder losging, sind viele lieber auf Nummer sicher gegangen und zuhause geblieben, satt zu den Übungsstunden zu kommen.
Wen trifft der erzwungene Stillstand am meisten?
Gerd TimmermannDas sind tatsächlich vor allem die Senioren, für die ja ganz wichtige sozialen Kontakte, die sie sonst beim Sport pflegen können, wegfallen.
Barbara EntrichAber auch die Kinder leider darunter. Für sie läuft ja schon seit dem ersten Lockdown nichts mehr. Als es die ersten Lockerungen gab, folgten die Ferien, und dann gab es nach ein paar Wochen gleich die nächsten Zwangspause.
Hat die TSG durch Corona Mitglieder verloren?
Barbara EntrichZum Glück nicht, wir mussten bislang noch keinen einzigen Austritt verbuchen.
Der Vorstand setzt für die Monate Oktober, November und Dezember den Einzug der Mitgliederbeiträge aus. Ist das eine Art Dankeschön für die Treue?
Barbara EntrichWir haben alle Mitglieder angeschrieben und ihnen mitgeteilt, dass wir den Einzug der Beiträge fürs letzte Quartal 2020 aussetzen. Wir wollen den Leuten damit vor allem zeigen, dass wir an sie denken und dass wir ihnen in diesen Zeiten auch entgegenkommen. Wir haben auf dieses Schreiben viel positive Resonanz bekommen. Manche Mitglieder haben sogar angekündigt, dass sie die nicht eingezogenen Beiträge dennoch an den Verein überweisen werden – als Spende.
Selbst wenn ein Teil des Geldes durch Spenden doch noch in die TSG-Kasse fließt – wie finanziert der Verein den Verzicht auf jeweils drei Monatsbeiträge von mehr als tausend Mitgliedern?
Gerd TimmermannWir haben Rücklagen gebildet, aus denen wir das finanzieren können. Und wir haben ja auch viel weniger Ausgaben. Mit den Kindern wollten wir eine Fahrt auf der „Wega II“ unternehmen, mit den Jugendlichen in den Klettergarten gehen, das Seniorenfrühstück, das Sommerfest, die Ehrung langjähriger Mitglieder dazu der ganze Liga-Betrieb, der hohe Kosten verursacht – das ist ja alles ausgefallen. Einen Teil der eingesparten Kosten geben wir an die Mitgliedern nun weiter.
Rücklagen, die einen Verzicht auf Beiträge ermöglichen, keine Austritte: Bei allem Bedauern über den ausgesetzten Sportbetrieb – bislang scheint die TSG die Krise gut gemeistert zu haben?
Gerd TimmermannDas kann man sagen, ja. Aber ich schätze, dass, wenn das noch bis Ostern so weitergeht, wir auch betroffen sein werden. Zum Beispiel wird die Motivation der Übungsleiter nachlassen. Es ist schon in normalen Zeiten schwer, Übungsleiter zu finden. In Corona-Zeiten ist es noch schwieriger – weil alle die Sorge haben, dass, sobald sie etwas aufgebaut haben, die nächste Zwangspause kommt, und sie danach wieder bei Null anfangen.
Barbara EntrichWir hatten es gerade geschafft, Übungsleiter für zwei neue Angebote zu finden, darunter Yoga, was sehr gut angenommen worden ist. Drei Gruppen sind gestartet und mussten sofort wieder aufhören.
Gerd TimmermannWir könnten noch viel mehr rausholen aus dem Verein. Aber im Moment ist alles so unsicher, dass das eben sehr schwierig ist.
Wie halten sich der Vereinsvorsitzende und die Finanzchefin der TSG in Corona-Zeiten selber fit?
Barbara EntrichIch bin unter anderem bei der Stuhlgymnastik. Da gibt es einige Übungen, die man auch gut zuhause machen kann
Gert TimmermannUnd ich fahre morgens vor dem Frühstück meine Zehn-Kilometer-Runde mit dem Rad und gehe viel spazieren. Einrosten ist auch in Corona-Zeiten nicht angesagt.
