Fedderwardersiel - Eine Tragödie hat sich in der Nacht zu Sonntag auf der sturmgepeitschten Nordsee vor Fedderwardersiel ereignet: Eine 24-Jährige Matrosin des Containerfrachters „Santa Clara“ ist bei Arbeiten an Deck über Bord gegangen. Trotz einer umfangreichen Suchaktion ist die junge Philippinin nicht wieder aufgefunden worden.
Keine Hoffnung mehr
Am späten Vormittag stellten die Rettungskräfte die Suche ein. Das tun sie nur, wenn sie keine Hoffnung mehr haben, ein Seenotopfer noch lebend bergen zu können. Am Nachmittag begann ein Hubschrauber der Deutschen Marine bei Niedrigwasser eine Nachsuche. Auch sie blieb ohne Erfolg, teilte Antke Reemts, Sprecherin der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) in Bremen, am Abend mit. Jetzt werde die Suche nicht mehr fortgesetzt.
Das Unglück geschah in stockfinsterer Nacht. Ein Sturm orgelte mit Böen von zehn Beaufort – mehr als 100 Stundenkilometer – bei einer Lufttemperatur von minus 8 Grad und einer Wassertemperatur von nur noch zwei Grad.
Um 3.44 Uhr alarmierte die Leitung des 300 Meter langen, unter dänischer Flagge fahrenden Schiffes die Seenotleitung Bremen der DGzRS. Das Unglück war aus noch ungeklärter Ursache bei der Anfahrt nach Bremerhaven in Höhe der Tonne 39 geschehen. Die Seenotleitung alarmierte den Seenotrettungskreuzer „Hermann Rudolf Meyer“ von der der Station Bremerhaven, das Seenotrettungsboot „Emil Zimmermann“ von der Freiwilligenstation Fedderwardersiel, zwei Lotsenversetzboote und das Polizeiboot „Wisura“.
In die Suchaktion waren auch weitere Fahrzeuge eingebunden – etwa der unter dänischer Flagge fahrende kleine Schlepper „Svitzer Heindal“.
Helikopter ohne Seil
Als Erster traf ein Hubschrauber des Unternehmens Northern Helicopter im Suchgebiet ein; die Firma versorgt Offshore-Einrichtungen – etwa Bohrinseln – und greift auch bei Suchaktionen ein. Das Fluggerät hat zwar keine Seilwinde zur Rettung von Verunglückten an Bord, wohl aber einen Suchscheinwerfer.
Der Helikopter zog wieder ab, als ein auf Borkum stationierter Seaking-Hubschrauber der SAR-Rettungsleitstelle Glücksburg der Bundeswehr eintraf. Der Seaking flog das gesamte Wattenmeer ab.
Die seeseitige Suche im Wattengebiet der Wesermündung gestaltete sich dagegen deutlich schwieriger: Wegen des Sturms waren die Wasserstände extrem niedrig. So konnte das Seenotrettungsboot „Emil Zimmermann“ erst um 6.30 Uhr, drei Stunden nach den Unglück, den Kutterhafen Fedderwardersiel verlassen. Die vierköpfige Besatzung stand unter der Leitung von Bootsführer Hartmut Diercks.
Schluss am Mittelpriel
Trotz ihres geringen Tiefgangs konnte die „Emil Zimmermann“ bei Hochwasser nicht den Mittelpriel in Richtung Weserfahrwasser queren. Das Hochwasser war nur zwei Meter unter dem normalen Wasserstand aufgelaufen.
Am späten Vormittag erreichte die „Santa Clara“ Bremerhaven. Beamte der Wasserschutzpolizei Bremerhaven kommen an Bord, um den Hergang des Unfalls zu klären. „Experten werden dann den Unfall rekonstruieren“, sagt Nils Matthiesen von der Pressestelle der Polizei Bremen.
