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Regio-S-Bahn Bremen/Niedersachsen Videoreisezentrum mit vielen Vorteilen – aber einem Nachteil

Nicht barrierefrei: Eckhardt Ritter vom Fahrgastbeirat im VBN hat Probleme, mit seinem Elektro-Skooter ins Videoreisezentrum am Bahnhof Brake zu kommen.

Nicht barrierefrei: Eckhardt Ritter vom Fahrgastbeirat im VBN hat Probleme, mit seinem Elektro-Skooter ins Videoreisezentrum am Bahnhof Brake zu kommen.

Ulrich Schlüter

Brake - Eckhardt Ritter kann seinen Elektro-Skooter so oft wenden, wie er will. An den Fahrkartenautomaten und an die Taste für die Video-Beratung im Videoreisezentrum (VRZ) am Braker Bahnhof kommt er nicht heran. Wenn er überhaupt mit seinem Gefährt hineinkommt in die Box. Denn die Glastür lässt sich nur manuell öffnen. Eine Schiebetür oder eine Taste, mit der sich die Tür aufschwingen ließe, gibt es nicht. „Barrierefrei ist das hier nicht gerade“, kommentiert der 76-Jährige die schlechte Erreichbarkeit der Servicestation für Menschen, die in ihrer Bewegung eingeschränkt sind.

Kundencenter anrufen

Das ist schade. Denn der Container bietet den Reisenden, die sich ungezwungener bewegen können, viele Möglichkeiten. Das Videoreisezentrum wird von einem Vertriebsdienstleister der Nordwestbahn, der Transdev Vertrieb, betrieben. Beim Videoreisezentrum handelt es sich um einen erweiterten Fahrscheinautomaten mit zwei Bildschirmen. Über den zweiten Bildschirm kann der Kunde eine Videoverbindung mit dem Kundencenter aufrufen und sich darüber beraten lassen und beim Fahrscheinkauf unterstützen lassen. Das funktioniert gut, wovon sich Eckhardt Ritter unter Mithilfe selbst überzeugen konnte. Eine freundliche Dame erschien nach einer kurzen Wartezeit im Display und führte souverän durchs Programm.

Elektronisches Schloss

Es gibt sechs Videoreisezentren im Netz der Regio-S-Bahn Bremen/Niedersachsen. Die weiteren VRZ stehen in Nordenham, Twistringen, Stubben, Bremen-Mahndorf und Langwedel. Das Videoreisezentrum kann auch wie ein normaler Fahrscheinautomat ohne Dritte benutzt werden, um einen Fahrschein zu erwerben. Es sind dort alle Verbindungen des Nah- und Fernverkehrs erhältlich.

Der Verkaufsraum, in dem der Videoautomat steht, wird mit einem elektronischen Schloss zu den Öffnungszeiten geöffnet und zum Ende der Öffnungszeiten auch wieder verschlossen, nachdem der letzte Kunde gegangen ist. Die Wartung der Automaten erfolgt über Techniker, die Verkaufsräume werden über einen Dienstleister gepflegt.

Das alles spricht für das neue Angebot und für den Service, der vor allem älteren Reisenden hilfreich sein kann. Eckhardt Ritter hingegen hilft das System nicht wirklich. So ist er weiterhin auf den Fahrkartenautomaten auf dem Bahnsteig angewiesen – oder löst sein Ticket im Reisebüro.


Ehrenamtlich engagiert

Das Thema Videoreisezentrum war beim jüngsten Treffen des Beirats für Senioren und Menschen mit Behinderung in Brake aufgekommen. Es war bis dahin den meisten Mitgliedern unbekannt. Als Mitglied des Fahrgastbeirats im VBN nahm sich Eckhardt Ritter des Themas an. Er stammt aus Kasel, seit 1975 lebt er in der Wesermarsch und war bis 2011 Lehrer am Berufsbildungszentrum (BBZ) in Brake.

In diese Zeit fällt auch der Beginn seines ehrenamtlichen Engagements. Über Jahre war Eckhardt Ritter Vorsitzender des gemeinnützigen Fahrgastverbands Pro Bahn (Regionalverband Oldenburger Land/Bremen). Man habe viel erreicht, sagt er. Alle Bahnsteige in der Wesermarsch seien mittlerweile barrierefrei, merkt der 76-Jährige an. Über das neue Videoreisezentrum, dass nicht barrierefrei ist, schüttelt er allerdings verwundert den Kopf.

Kritik an Öffnungszeiten

Er fragt sich, wie man so etwas in der heutigen Zeit noch anschaffen konnte. Kritik rufen zudem die Öffnungszeiten hervor: montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr sowie samstags von 9 bis 14 Uhr. Video-Beratung ab 18 Uhr sowie an Sonntagen sei dann nicht möglich. Zu den Kosten machte die Nordwest-Bahn indes keine Angaben.

Ulrich Schlüter
Ulrich Schlüter Redaktion Brake
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