Rodenkirchen - Für die 23 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Stahl- und Metallbau Hemme bekommt das Wort Freitag jetzt eine ganz neue Bedeutung: Sie haben am fünften Tag der Woche tatsächlich frei – garantiert. Denn die beiden Inhaber Heiko Hemme und Frerk Riesebieter haben die Vier-Tage-Woche eingeführt.
Ein echter Mehrwert
Dieser Schritt ist nicht nur für einen Handwerksbetrieb wie diesen ungewöhnlich – zumal es dem Rodenkircher Unternehmen keineswegs an Aufträgen mangelt, wie die beiden Chefs betonen. Ihnen geht es darum, den jetzigen und zukünftigen Beschäftigten ein attraktives Arbeitszeitmodell anzubieten, das mit den Jobs in der Industrie nicht nur mithalten kann, sondern einen echten Mehrwert bietet.
Und dieser Mehrwert heißt „Freizeit“. Er wird nicht mit geringerer Bezahlung erkauft, im Gegenteil: Das Unternehmen senkt die Arbeitszeit von 40 auf 38 Stunden, und das bei vollem Lohnausgleich. So haben sich die Mitarbeiter Fynn Lameyer, Tjarke Janßen und Helmut Eilers und ihre Kollegen auch nicht gesträubt, als die beiden Chefs sie vor etwa sechs Wochen in einer Betriebsversammlung über die beabsichtigte Neuerung informierten. Drei Tage Freizeit pro Woche ohne Lohnverzicht: Das lässt man sich gern gefallen, auch wenn es auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheint.
Über Tarif
Heiko Hemme und Frerk Riesebieter wissen genau, was sie tun. Denn der Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskräfte wird immer schärfer, und auch ein kleiner Handwerksbetrieb in Rodenkirchen muss sich ihm stellen und guten Leuten etwas bieten. Geld allein reicht offensichtlich nicht, wie Heiko Hemme sagt: „Obwohl wir schon seit mehreren Jahren alle Mitarbeiter übertariflich bezahlen, mangelt es auch uns an neuen Fachkräften.“ Besonders schwer sei es, neue Lehrlinge zu finden. Dabei bezahlt das Unternehmen den Auszubildenden – derzeit wieder drei – schon den Anhängerführerschein und überweist zusätzlich 50 Euro im Monat auf eine Spend-it-Card. Damit nicht genug: Mitarbeiter müssen an ihrem Geburtstag nur einen halben Tag arbeiten – was bei der Belegschaft gut ankommt.
Angesichts der guten Auftragslage – vor allem Industriebetriebe und das Baugewerbe in der Wesermarsch und umzu bestellen – will der Betrieb mindestens seinen Mitarbeiterstand halten, ihn am besten sogar noch ausbauen. Aber das sei den herkömmlichen Methoden auf dem Arbeitsmarkt der Wesermarsch kaum möglich. Deshalb müsse sich das Handwerk weiter wandeln und noch innovativer werden. Und so sind Heiko Hemme und Frerk Riesebieter auf die Vier-Tage-Woche gekommen.
Denn Freizeit gewinne eine immer größere Bedeutung, sagt Heiko Hemme. Jetzt arbeiten die Beschäftigten montags bis donnerstags von 6.30 bis 16.45 Uhr; das sind, 15 Minuten Frühstückspause und 30 Minuten Mittagspause abgerechnet, neuneinhalb Stunden. Der sechswöchige Urlaub bleibt ebenso unangetastet wie die Vergütung von Mehrarbeit, wie die beiden Chefs betonen: „Jede einzelne Minute wird bezahlt.“
Ein Vorbild?
Frerk Riesebieter hält es für gut möglich, dass dieser Schritt Schule macht: „Ich weiß von einigen Betriebsleitern, die sich darüber Gedanken machen.“
In der eigenen Belegschaft freuen sich vor allem die jungen Väter über die Vier-Tage-Woche, sagt Heiko Hemme. Aber als Erster habe sich nach der Betriebsversammlung der älteste Mitarbeiter positiv geäußert: Für ihn ist der Freitag ab sofort Opa-Tag.
