Wulffs Rede ist eine Verneigung vor der

Wesermarsch, er streichelt die Seele seines

Publikums

von wolfgang bednarz

MOORHAUSEN - Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff mag das Bad in der Menge. Am Montagabend hatte er reichlich Gelegenheit dazu. Gut 1000 Gäste zählte der CDU-Kreisverband Wesermarsch bei seinem großen Sommerfest in der Deichschäferei in Moorhausen, zu dem Wulff als Gast und Redner eingeladen worden war. Tische und Bänke für 400 Personen waren in dem Winterstall der Deichschäferei aufgebaut, im vorderen Teil der Halle, vor der aus einem umfunktionieretn Traktorengespann bestehenden Rednertribüne, Stehtische. Menschen, wohin man blickt, mitnichten alles CDU-Parteigänger, in Gespräche vertieft, oder durch die Halle flanierend zum Sehen und Gesehenwerden. So auch Karl-Heinz Funke. In einem Gastronomiezelt vor der Halle gab es Lammspezialitäten, Getränke zum Vorzugspreis von einem Euro, die Moorriemer Jagdhornbläser sorgten für musikalische Einlagen, Feuerwehrleute für Ordnung und einen geregelten Verkehr auf der Parkplatz-Weide. Ein Autokran mit CDU-Beflaggung

kündete schon von weitem den Wahlkampf-Event an.


Von einem Auftritt in Bremen kommend, traf der Ministerpräsident später als angekündigt ein. Deichband-Vorsitzender Leenert Cornelius begrüßte als Hausherr offiziell die Gäste, es folgte eine Rede von Bundestagskandidat Volker Pickart. Forsch und laut fordert er „Runter mit den Sozialabgaben“ und „weg mit der aufgeblähten Bürokratie“. Nachdem sich Landratskandidat Wolfgang Röttger den Gästen vorgestellt hat, steht ein Fototermin an: Wulff überreicht Luzie Hölter von der Kanupoloabteilung des TuS Warfleth, Mitglied der U-21-Nationalmannschaft, die am Wochenende in Madrid Europamester wurde, einen Blumenstrauß. Blumen vom Ministerpräsidenten gibt es auch für das Deichschäfer-Ehepaar Kerstin und Fred Wachsmuth, für die der Abend erst gegen 2.30 Uhr vorbei war.

Wulffs Rede ist eine Verneigung vor der Wesermarsch, er streichelt die Seele seines Publikums, lebend in dem von Landwirtschaft, aber auch Hochtechnologie geprägten Landstrich mit dem effektivsten Atomkraftwerk Deutschlands mittendrin. Wulff trifft den Ton besser als Pickart, wirkt sympathisch. Es ist egal, dass der Ministerpräsident im Allgemeinen verharrt, vom gelingenden Schuldenabbau spricht und von den großen bundespolitischen Herausforderungen, die mit Angela Merkel bewältigt würden. Eine Absage, wie sie klarer nicht sein kann, erteilt Wulff einer großen Koalition, „die SPD braucht die Regeneration in der Opposition“.

Welche Wünsche die Landwirte an die Politik haben, kann Wulff später nachlesen – in einem Brief, überreicht von Markus Neunaber vom Landvolk Altenhuntorf.