Brake - Die Worte von Walter Erfmann hatten Gewicht. Wann immer der langjährige Kommunalpolitiker einmal den Satz „Ich gebe zu Bedenken...“ äußerte, dann hätten die Menschen auch tatsächlich nachgedacht, erinnert sich Erfmanns einstiger Weggefährte Reiner Gollenstede. Nun haben die Stadt Brake und der gesamte Landkreis Wesermarsch einen vielseitig engagierten Bürger verloren – Erfmann verstarb am Samstag, 13. Mai, im Alter von 86 Jahren.
Prägende Figur
„Er hat uns geprägt. Wir sind sehr traurig, aber auch dankbar, dass wir ihn gehabt haben“, sagte Gollenstede. Der Braker Unabhängigen-Politiker spricht bewusst von „wir“, weil Erfmann 2001 die Wählergemeinschaft Brake (WGB) und 2006 die Unabhängige Wählergemeinschaft (UW) Wesermarsch mitgegründet hatte. Sowohl auf Landkreis- als auch auf Stadtebene setzte sich Erfmann über viele Jahre für die Interessen der Wähler ein. „Ein Rat ohne Walter Erfmann war zwar möglich, aber irgendwie nicht vorstellbar“, sagt Gollenstede.
Zu Erfmanns inhaltlichen Schwerpunkten zählte unter anderem die Erweiterung der Beteiligungsrechte der Bürger bei Planungs- und Entscheidungsprozessen. Außerdem standen die Themen Stadtentwicklung, Haushaltskonsolidierung und Schuldenabbau ganz oben auf seiner Agenda.
Kulturelles Engagement
Wenige Tage vor seinem Tod war Erfmann noch eine große Ehre zuteil geworden: Ausgerechnet am 86. Geburtstag überreichte ihm Landrat Stephan Siefken im Namen des Bundespräsidenten das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland – besser bekannt als Bundesverdienstkreuz. Erfmann erhielt die Auszeichnung nicht nur wegen seines herausragenden Engagements in der Kommunalpolitik, sondern auch für seinen Einsatz für die Kultur in der Wesermarsch seit der Jahrtausendwende.
Aus seiner Passion für die Kultur hatte Erfmann im Jahr 2000 den Verein Kulturförderung Wesermarsch sowie 2002 den Verein Literaturplus Wesermarsch gegründet. Zudem war Erfmann als Mitbegründer des Freundeskreises Zwiesel einer der Initiatoren der seit 2006 bestehenden Städtepartnerschaft zwischen Brake und Zwiesel im Bayrischen Wald. Er rief außerdem den Förderverein St. Bernhard-Hospital ins Leben.
Klare Handschrift
„Ich war mit Walter Erfmann freundschaftlich verbunden und er war mir gerade zu Beginn meiner Amtszeit ein guter Ratgeber“, sagte Brakes Bürgermeister Michael Kurz. Die Stadt verliere eine bedeutende Persönlichkeit, die „die Entwicklung der Stadt maßgeblich mitgestaltet und viele Akzente gesetzt hat, die nachhaltig in Erinnerung bleiben“.
Auch Landrat Stephan Siefken würdigte Erfmann: „Er hat sich über Jahrzehnte mit Leidenschaft und aus tiefer Überzeugung für die Menschen in unserer Wesermarsch eingesetzt.“ Erfmann sei verbindlich gewesen, habe zuhören können und sich stets an dem orientiert, was in der Sache richtig sei. „Er hat in vielen politischen und gesellschaftlichen Bereichen eine klare Handschrift hinterlassen“, sagte Siefken.
