Wesermarsch/Huntorf - Ist Wasserstoff der Energieträger der Zukunft? Beim EWE Gasspeicher Huntorf sind die Mitarbeiter davon felsenfest überzeugt. „Wenn eine grüne Wasserstoffwirtschaft in Europa entstehen sollte, dann hier bei uns“, sagte der EWE-Wasserstoffbotschafter Paul Schneider beim Besuch einer japanischen Delegation. Die Gäste aus Fernost erfuhren, dass die Voraussetzungen zur Herstellung und Lagerung von Wasserstoff in Huntorf optimal seien.
Niedersachsens Wirtschaftsminister Dr. Bernd Althusmann (CDU) ließ es sich nicht nehmen, den japanischen Wissenschaftlern die deutsche Wasserstoff-Strategie zu erläutern. „Das ist keine Zukunftsmusik, sondern sehr konkret“, sagte er in Bezug auf den Standort Huntorf. Niedersachsen werde ein Kernland der Energiewende sein und eine zentrale Rolle einnehmen, betonte der Minister zuversichtlich.
Fossile Brennstoffen
Es ist ein Umbruch: Als Ersatz für Erdgas, Öl und Kohle spielt Wasserstoff eine entscheidende Rolle. Wasserstoff hat das Potenzial, entscheidend zur Energiewende beizutragen. Er ist ein flexibel einsetzbarer und leicht zu transportierender Energieträger. Wenn Wasserstoff mit erneuerbaren Energien hergestellt wird, ist er zudem klimafreundlich. Grüner Wasserstoff wird durch Elektrolyse von Wasser hergestellt: Dabei wird das Wasser mithilfe erneuerbaren Stroms in Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt. Dadurch sind der eingesetzte Strom und somit auch die Produktion von Wasserstoff CO
Energie-Knotenpunkt
In Huntorf soll ein Wasserstoff-Knotenpunkt, ein sogenannter Wasserstoffhub, entstehen. Das Energieunternehmen EWE und Uniper – einer der größten Stromerzeuger Europas – kooperieren. Die Unternehmen planen, den in Huntorf erzeugten Wasserstoff dort zu speichern und Transportmöglichkeiten zu schaffen.
Voraussetzungen
Uniper betreibt am Standort Huntorf ein Druckluft-Speicherkraftwerk. EWE verfügt in unmittelbarer Nähe über sieben Kavernen zur Erdgasspeicherung. Das sind beste Voraussetzungen für die Herstellung und den Vertrieb von Wasserstoff. Die Kavernen können nach den Worten von Paul Schneider für die Wasserstoffspeicherung genutzt werden. Die vorhandenen Erdgasleitungen könnten dem Transport von Wasserstoff dienen. Die Leitungsinfrastruktur sei sehr gut ausgebaut und geeignet, Wasserstoff zu transportieren, sagte er.
Gut gefüllte Kavernen
Der EWE-Wasserstoffbotschafter bemängelte die langwierigen Genehmigungsprozesse. „Wir müssen schneller werden“, betonte Paul Schneider. Wasserstofftankstellen, es gibt davon rund 100 in Deutschland, sollten gebaut und ans Netz angebunden werden. Vor allem im Lkw- und Busbetrieb sei es sinnvoll, Wasserstoff zu nutzen. Es fehlten Kunden. Auch in der Industrie werde die Stahlproduktion mit Wasserstoff favorisiert. So könne etwa das Stahlwerk in Bremen, das umgerüstet werden.
Einige Wasserstoffprojekte stellte Dr. Tim Husmann (H2-Region Emsland) vor. Wasserstoff werde bereits in Lingen (Raffinerie) genutzt. Unternehmen mit Sitz in Salzbergen haben unlängst mit einem Gasnetzbetreiber eine Absichtserklärung zum Bau einer Wasserstoff-Pipeline unterzeichnet.
Eine gute Nachricht zur aktuellen Lage gab es auch noch: Die 37 EWE-Gasspeicher sind zu 85 Prozent gefüllt.
