Mentzhausen/Sehestedt/Hannover - 18 Uhr in der Mehrzweckhalle Mentzhausen: In seiner gefütterten Winterjacke eröffnet der Jader Ratsvorsitzende Michael Rettberg die 6. Sitzung für die Wahlperiode 2021 bis 2026. Die Stimmung in der Mehrzweckhalle entspricht der Raumtemperatur – persönlich gefühlt von kühl bis arktisch. Die ersten drei Protokollpunkte werden einstimmig abgesegnet.
Jader Ratssitzung in der Mehrzweckhalle Mentzhausen
Hans-Carl Bokelmann
Jader Ratssitzung in der Mehrzweckhalle Mentzhausen
Hans-Carl Bokelmann
Der Aufbau für die Saison 2023 wird im April beginnen.
Hans-Carl Bokelmann
Sehestedt verfügt über eine eigene Stromversorgung.
Hans-Carl Bokelmann
Die Platzwarte von Sehestedt: Tim Schaper (links) und Marcel Sakowitz, freuen sich schon auf die neue Saison.
Hans-Carl Bokelmann
Eine Sommer-Springflut in Sehestedt
Wolfgang Böning
Das Watterlebnis Sehestedt mit der Nationalpark-Erlebnisstation liegt direkt am Jadebusen.
Hans-Carl BokelmannBrandbrief nach Hannover
Es folgt unter TOP 4 der Bericht des Bürgermeisters über wichtige Angelegenheiten. Spätestens jetzt gefriert die Luft, denn Henning Kaars (UWG) hat den Kaffee auf. Schon vor Wochen hat der dienstälteste Bürgermeister der Wesermarsch einen Brandbrief an die Kultusministerin geschrieben, in dem er auf die riesigen Probleme zur Umsetzung des Angebots der Ganztagsschule in den kleinen Landgemeinden hinweist und eindringlich um Unterstützung bittet, weil gerade die kleinen Kommunen bei der Umsetzung des Ganztagshumangebots vor schier unlösbaren Problemen stehen.
Kein Fahrplan
Die Antwort aus Hannover macht Henning Kaars fassungslos. Im Brief heiße es, dass man an einer Verwaltungsvorlage arbeite. „Es gibt keinen Fahrplan, es gibt keine Hilfsangebote. Wir werden allein gelassen. Es ist eine Katastrophe“, fasst Henning Kaars die Lage zusammen. Knut Brammer, CDU-Fraktionsvorsitzender im Jader Gemeinderat, schlägt in dieselbe Kerbe. „Es ist absolut traurig. Die Herrschaften in Berlin und Hannover leben an der Wirklichkeit vorbei. Sie haben jetzt schon nicht genug Lehrer und wollen dann noch eine Ganztagsschule starten, das passt doch vorne und hinten nicht“, moniert das kommunalpolitische Urgestein. Und Handwerker zum Bau der Schulmensen gebe es im Übrigen derzeit auch nicht.
Fettes Minus
Die Vorgaben aus Berlin und Hannover haben unterdessen den Haushalt der Gemeinde in titanic-ähnliche Zustände versetzt. Der Ergebnishaushalt weise derzeit ein Minus von knapp 500 000 Euro aus, betont der Vorsitzende des Finanzausschusses Klaus Decker. Der Beschluss zum Haushaltssicherungskonzept wird aus diesem Grund verschoben, ein Arbeitskreis ist bereits eingerichtet, die Teilnahme ist wohl nicht vergnügungssteuerpflichtig.
Dilemma
In der Einwohnerfragestunde wird das finanzielle Dilemma der Gemeinde so richtig deutlich und an einem Leuchtturm-Projekt der Gemeinde greifbar. Der Traum vom großen und modernen Watterlebnis Sehestedt ist ausgeträumt. Die Pläne der großen Lösung wurden bereits mächtig abgespeckt, doch jetzt ist der gastronomische Bereich auf dem Prüfstand. Es gebe derzeit noch keine Beschlusslage zur Ausschreibung. Alle Bälle seien in der Luft. Diese Nachricht sorgt beim von Arbeitskreis Sehestedt, der über Jahre auch an einem tragfähigen Gastronomie-Konzept gearbeitet und gefeilt hat, für eine riesige Enttäuschung und Verdruss. Wie soll es jetzt weitergehen?
Offene Fragen
Mit einem Neuanfang in Sehestedt in Sachen Gastronomie ist nach dem Stand der Dinge also frühestens in der Saison 2024 zu rechnen. Und auch da sind noch viele Fragen offen. Die in der Vergangenheit anfallenden Müllberge aus der Gastronomie, seien mit einer leistungsfähigen Geschirrspülmaschine zwar einzudämmen, aber ob die Stromversorgung zum Watterlebnis dafür überhaupt ausreiche, das sei noch fraglich. Sehestedt ist und bleibt ein Verlustgeschäft, das Jahr für Jahr nur mit einem Zuschuss von 90 000 Euro gestemmt werden könne. Die Erhöhung der Standplatzgebühren um 30 Prozent und der Parkgebühren sollen die finanzielle Situation zumindest ein bisschen verbessern helfen.
