Wesermarsch - In den Boßel-Kreisligen gibt es ab der Saison 2021/22 eine neue Klasseneinteilung. Unsere Redaktion hat bei den Verantwortlichen der Kreisverbände nachgefragt, wie sie die Umstrukturierung bewerten und welche Auswirkungen das auf ihre Teams haben könnte.
Heiner Janßen, Jeverland
„Die gesamte Aufrechterhaltung des Punktspielbetriebes mit 16er-Mannschaften der drei Kreisverbände in dem Bezirk Nord/West wäre in Zukunft gefährdet gewesen, wenn dieser Schritt nicht gekommen wäre. Der Punktspielbetrieb wird für eine Zeitspanne von fünf bis zehn Jahren wieder auf ein solideres Fundament gestellt. Langfristig werden noch weiterführende Reformen unumgänglich sein, da der Nachwuchsbereich eklatant vernachlässigt wird und viel zu wenig aktive Friesensportler nachrücken. Der Fokus muss von den Vereinen, den Landesverbänden und dem FKV fast ausschließlich auf die Förderung des Nachwuchses ausgerichtet werden.“
Axel Kasper, Ammerland
„Die Vereine warten erst mal ab, wo sie in welcher Liga nächste Saison werfen müssen. Die Teams halten sich vor, entweder in der neuen entsprechenden Klasse zu boßeln oder die Mannschaftsstärke zu reduzieren und weiter unter der Regie des Kreisverbands Ammerland mit zwölf, acht oder vier Werfern pro Mannschaft in den untergeordneten Klassen zu werfen. Ob die Einteilung auf dem Papier in Ordnung war, ob Mannschaften zu hoch angesiedelt waren und ihre Leistung zu schwach war, wird sich ja ergeben. Dieses regelt sich auf den Straßen bei den Wettkämpfen.“
Frank Bölts, Stadland
„Ich würde eine Glaskugel benötigen. Ich bin überzeugt, dass unsere Boßelwarte sich sehr viele Gedanken gemacht haben und eine bestmögliche Lösung ausgearbeitet haben. Nach der Reform wird es vermutlich noch zwei Jahre dauern, bis sich ein ausgeglichenes Leistungsniveau in den Ligen eingependelt hat. Wenn Mannschaften in einer Liga mit ausgeglichenem Leistungsniveau werfen wollen, müssen sie auch weitere Anfahrten in Kauf nehmen.“
Jürgen Frers, Waterkant
„In den Vereinen auf Kreisebene herrschen noch große Verunsicherung und Skepsis. Nach wie vor würden sich die Verantwortlichen unserer Vereine gegen einen Zusammenschluss aussprechen. Einige Argumente oder Gründe sind in der Historie zu finden. Sie sind auch sehr von Emotionen geprägt. Etliche Aktive verzichten ungern auf die gewachsene, intensive Verbundenheit mit dem Kreis Ammerland. Die Argumente wie neue sportliche Herausforderungen, neue Gegner und fremde Straßen zählen dann leider nicht viel – beziehungsweise finden kaum Beachtung.
Es gibt Überlegungen, die 16er-Mannschaften zu teilen. Das Argument: Sehr viele ältere Werfer möchten die Verantwortung in einer Fahrgemeinschaft mit jugendlichen Mannschaftskameraden nicht übernehmen, die durch einen sehr viel längeren Anfahrtsweg bei Auswärtskämpfen unweigerlich gegeben ist.
Unser Vorstand plädiert jedenfalls einstimmig dafür, dass es die Reform im nächsten Jahr nur geben darf, wenn diese Saison ordnungsgemäß bis zum letzten Spieltag durchgeführt werden kann. Die Umsetzung der Reform nach einem Saisonabbruch lehnen wir ab.“
Siegfried Hodel, Butjadingen
„Diese Maßnahme ist notwendig, um alle Boßler des Landesverbandes zufriedenzustellen. Die Ausweitung der Strecken ist noch akzeptabel. Es kommt auch mal frisches Blut in die Boßel-Landschaft.“
Harald Albers, Spielleiter Nord/West
„Die Reform ist wegen der ständig sinkenden Anzahl von 16er-Mannschaften notwendig. Der Bezirk Nord/West konnte vor sieben Jahren bei der Einführung der Bezirke Nord/West und Süd/Ost unter dem Dach des Landesverbands von der Zusammenlegung des Spielbetriebes der Kreisverbände Jeverland, Wilhelmshaven und Friesische Wehde profitieren. In der ersten gemeinsamen Saison hatten wir noch 22 Mannschaften am Start, in der aktuellen Saison sind es nur noch zwölf. Das sportliche Gefälle bei zuletzt nur zwei Spielklassen war schon sehr deutlich. Durch die Zusammenlegung hoffen wir, diesen Trend zu stoppen. Dazu kommt, dass immer weniger Vereine Jugendmannschaften haben. Der Vorteil der Reform ist ein konstanter Spielbetrieb.“
Abbo Gerdes, Wilhelmshaven
„Es machte keinen Sinn, die alte Ligen-Aufteilung aufrechtzuerhalten. Bei den Frauen hat es ja auch super geklappt. Sie sind seit geraumer Zeit sehr zufrieden. Ich bin überzeugt, dass auch in den nächsten Jahren die Achter-Gruppen der Männer zusammengelegt werden – parallel zu den 16er-Gruppen. Wir müssen den Boßelsport attraktiver gestalten. Für die kleinen Vereine wird es interessanter, andere Mannschaften und Strecken kennenzulernen, damit diese ihre jungen, guten Werfer nicht an große Vereine verlieren.“
