Wesermarsch - Die Corona-Pandemie hat den Amateursport in den vergangenen Monaten zum Stillstand gebracht. Die Sportteams bereiteten sich gewissenhaft auf die Spielzeit 2020/2021 vor. Aber die Saison endete nach wenigen Spielen. Einige Mannschaften warteten sogar vergeblich auf ein Pflichtspiel – und mit Spielerinnen und Spielern genau dieser Teams haben wir uns unterhalten. Sie schildern ihre Reaktionen auf die Entwicklungen des vergangenen Jahres. Sie alle verdeutlichen, wie hoch der Stellenwert des Sports für Menschen sein kann. Und sie eint die Sehnsucht nach der baldigen Rückkehr dessen, was mal selbstverständlich war.
Wir haben uns mit Hannah Uhlhorn verabredet. An einem Tag, als die Außenanlagen der Gaststätten noch geschlossen sind. Als an Mannschaftssport nicht zu denken ist. Hannah Uhlhorn spielt im dritten Team der Volleyballerinnen des SV Nordenham. Eigentlich hätten die Spielerinnen aus der Wesermarsch in dieser Saison in der Bezirksklasse um Punkt gekämpft. Eigentlich.
Was wir vorher nicht wussten: Hannah wohnt mit ihrer Mitspielerin Hanna Schwuchow in einer WG in Oldenburg. Nach wenigen Minuten erzählt auch sie, wie sie die vergangenen Monate erlebt und was sie gefühlt hat. Die beiden ergänzen sich. Teamplayer. Volleyballerinnen durch und durch. Ganz am Ende des Gesprächs erinnert Hanna Schwuchow ihre Mitbewohnerin an den gemeinsamen Kalender, der in der Wohnung hängt. „Traurig. Letztes Jahr haben wir noch überall die Punktspiele eingetragen. Und vor zwei Monaten gucke ich auf den Kalender und denke: Was ist denn hier los? Alles ist ausgefallen. Hannah, du hast das mit so einem Elan eingetragen. Es ist traurig. Es fehlt einfach irgendwas, worauf man sich freut, und wenn es nur ein Punktspiel am Wochenende ist.“
Hannah Uhlhorn..
.. über die Reaktionen des Teams auf das vorzeitige Ende der Saison.
„Wir haben bis August noch draußen auf dem Sportplatz der Halle Mitte trainiert.“ Als die Nachricht kam, dass die Saison ausfällt, sei die Enttäuschung groß gewesen. „Wir waren vor der Saison schon bei ein paar Spielen der ersten und zweiten Frauen. Da haben wir richtig Blut geleckt und hatten uns mega drauf gefreut und waren schon echt traurig, weil die Saison wirklich erst kurz vor Beginn abgesagt wurde.“ Bis auf zwei Vorbereitungsspiele mussten die Nordenhamerinnen auf sämtliche Wettkämpfe verzichten. Niemand habe während der Freundschaftspartien geahnt, wie sich die Situation entwickele, sagt sie.
Ihre Mitspielerin Hanna Schwuchow schüttelt den Kopf, wenn sie zurückdenkt. Sie habe nie damit gerechnet, dass das letzte Testspiel auch das vorerst letzte Teamtreffen werden sollte. „Da ging noch alles. Da war alles noch voll normal“, sagt Hannah Uhlhorn. „Alle haben noch irgendwie geglaubt, zumindest noch die Hälfte der Saison zu spielen.“ Doch daraus wurde nichts. Die Reaktionen: Enttäuschung: ja. Ärger: nein. „Wir sind alle alt genug, dass wir das verstanden haben.“
... über das Training unter den Vorgaben zur Eindämmung der Corona-Pandemie.
„Wir sind ein Team, dass sich gerne abgeklatscht. Es war schon komisch, dass man sich voneinander fernhalten musste“, sagt Hannah Uhlhorn. Zumal viele Spielerinnen im Team befreundet seien, sagt Hanna Schwuchow. Sie erzählt, dass es schwer gewesen sei, sich an alle Regeln zu halten. „Ich glaube, blocken durften wir gar nicht“, sagt sie und lacht. „Ja gut, ich blocke eh nicht, aber für die Leute, die blocken, ist das ja schon ein Reflex.“ Außerdem habe man sich nicht „so richtig wohl gefühlt, wenn 15 Leute beim Training waren“. Dass Training im Freien habe dagegen Spaß gemacht, sagt Hannah Uhlhorn „Wir waren alle froh, dass wir uns überhaupt mal wieder bewegen durften.“
...über die Zeit ohne Training.
Trainerin Lyndzey Mowatt habe sofort ein Online-Training angeboten, erzählt Hannah Uhlhorn. „Und da machen einige mit“, sagt sie. „Aber ich bin nicht so der Typ, der zu Hause Workouts macht. Ich jogge – mal mehr, mal weniger.“ Das Team hat auch an Laufchallenges teilgenommen. „Hanna und ich machen vorm Fernseher ab und zu mal auch einen Dance-Workout. So ganz ohne Sport geht es halt nicht.“ Ihre Mitbewohnerin ist ehrlich. „Ich glaube, man ist froh, wenn man sich in diesem Trott überhaupt zu etwas motiviert. Früher habe ich so oft Sport gemacht, und jetzt bin ich froh, wenn ich mal eine halbe Stunde spazieren gehe. Dann fühle ich mich schon toll. Schlimm.“
Die Beachsaison
Hanna Schwuchow vermisst es, einfach mal wieder etwas mit jemandem zusammen zu machen, „und nicht darüber nachdenken, ob ich die Person jetzt berühren darf“. Hannah Uhlhorn ergänzt: „Oder auch mal nach dem Spiel zur Trainerin nach Hause zu fahren und mal ein Bier zu trinken. Oder bei den Rodenkircher Jungs zuzugucken, um mal einen Sekt zu trinken.“ Sie hofft, dass im Sommer Beachvolleyball am Nordenhamer Strand möglich ist. Im vergangenen Jahr habe sie dort viel gespielt – auch mit anderen Leuten, nicht nur mit dem eigenen Team. „Das liebe ich.“ Sie freut sich auch auf das Beachturnier am Strand.
Auch eine Beach-Saison wäre in ihrem Sinne. „Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass wir eine ganze Saison auf die Beine stellen können. Aber cool wäre das natürlich schon. Wir sind ja auch immer beim Turnier auf Borkum dabei.“ Hanna Schwuchow lacht, als sie sich an das bisher letzte Turnier auf der Insel erinnert. „Eigentlich haben wir uns geschworen, dass wir da nie wieder hinfahren. Es war so windig, dass alle Zelte abgebaut werden mussten. Es war schrecklich. Aber nach Corona sind wir wieder für alles bereit.“ Die Pandemie hat Einstellungen verändert.
Der Neustart
Wenn Hannah Uhlhorn und Hanna Schwuchow über das Thema Neustart oder die kommende Saison sprechen, halten sie sich mit Prognosen über das Wann und das Wie bewusst zurück. Die Erfahrungen des vorigen Jahres seien lehrreich gewesen, sagen sie. „Weil alles auf einmal wieder funktioniert hat, dachte man, vielleicht geht’s doch“, sagt Hanna Schwuchow. „Und dann wurde wieder alles abgesagt. Deswegen ist es besser, die Erwartungen niedrig zu halten.“ Wenn die Nachricht käme, dass es losgehen könnte, würden sie unterschiedlich reagieren.
Hannah Uhlhorn: „Wir würden uns mega freuen.“
Hanna Schwuchow: „Ich glaube, ich wäre jetzt ein wenig überfordert. Ich weiß gar nicht mehr, ob ich jetzt zum Training könnte. Jedes Wochenende wieder ein Punktspiel? Kannst du dir das gerade vorstellen?“
Hannah Uhlhorn: „ Schon. Wir haben ja nichts zu tun.
Hanna Schwuchow: „Doch natürlich. Irgendwie hat man doch jedes Wochenende irgendwas.“
Hannah Uhlhorn: „Na ja. Wir kochen abends.“
Hanna Schwuchow: „Ich sehe das anders. Ich glaube schon, dass das wieder eine Umstellung ist.“
Hannah Uhlhorn hat eben noch im Homeoffice gearbeitet. Das gemeinsame Kochen sei in den vergangenen Monaten oftmals das Highlight des Tages gewesen, erzählt sie. „Im Homeoffice bist du halt nur zu Hause. Dann machst du dir was zu essen. Das war’s auch schon.“ Noch mal kurz rausgehen – dann wird gekocht. „Meist Ofengemüse. Oder Lasagne.“
Hanna Schwuchow sagt, dass es am Anfang super gewesen sei. „So langsam ist es traurig.“ Dann lacht sie laut, während Hannah Uhlhorn, daran erinnert, dass auch ein Harry-Potter-Abend zu den Wochen-Höhepunkten zähle.
Hanna Schwuchow hält kurz inne. Dann spricht sie über ihre Trainerin. „Ich glaube, auch für Lyndzey war das voll frustrierend. Trainerin – das ist ihr Ding. Onlinetraining ist nicht das gleiche. Dann macht man halt nur ein paar Bauch-Übungen.“ Hannah Uhlhorn lacht. „Die man nicht mal sieht. Weil man so viel kocht. Das ist ein Teufelskreis.“

