Wie geht es den Kleingartenvereinen in Nordenham?

Dieter BollesIch kann nur über die beiden Nordenhamer Vereine sprechen, die Mitglied im Kreisverband sind. Dem Verein Achtern Diek in Blexen geht es finanziell und personell nicht gut. Beim Verein Blüh auf läuft es. Die Mitgliederzahl ist in den letzten Jahren stabil geblieben. Aber die Zahlungsmoral mancher Parzellen-Pächter lässt zu wünschen übrig.

Herr Klee, Ihr Verein Achtern Diek befindet sich im Umbruch. Wie sind die Aussichten für eine gute neue Entwicklung?

Axel KleeWenn wir ehrlich sind, stehen die Chancen nicht besser als 50 zu 50. Der neue Vorstand ist froh, dass der städtische Bauhof und die Stadt uns gut zur Seite stehen. Aber seit sieben Monaten warten wir auf die Pacht von sieben Kleingärtnern. Eigentlich ist es schon fünf Minuten nach zwölf, um unsere Existenz als Verein zu sichern.

Die Stadt hat geholfen, verwilderte leerstehende Parzellen zu räumen, hat dafür Container und Minibagger zur Verfügung gestellt. Wieviele Parzellen sind auf Vordermann gebracht worden?

Axel KleeSeit Amtsantritt des neuen Vorstandes im Oktober haben wir vier Lauben komplett entsorgt. Zuvor waren acht von damals 62 Parzellen entrümpelt worden. Von guten Bekannten haben wir einen großen Schredder bekommen und konnten auch viel Wildwuchs in unserer Anlage beseitigen.

Wieviele Parzellen müssen noch geräumt werden, damit die angestrebte Gesundschrumpfung komplett wird?

Axel KleeAcht Parzellen.

Wie zuversichtlich sind Sie, dass das gelingt?

Axel KleeDie Chancen stehen 50 zu 50. Durch die säumigen Pächter fehlt uns eine nicht unbeträchtliche Summe. Es ist uns aber gelungen, unsere Pachtzahlungen an die Stadt als Eigentümer der Flächen für 2017 aufzubringen. Jetzt sind wir dabei, unsere Altschulden beim Kreisverband in Höhe von 3000 Euro abzutragen.

Dieter BollesSolche Probleme haben alle Kleingartenvereine. Die Vorstände müssen in Vorleistung treten auch für Versicherungsbeiträge, Strom- und Wasserkosten. Wenn dann die Mitglieder mit ihrer Zahlungsmoral hinten an bleiben, kann das den ganzen Verein in eine Schieflage bringen.

Woran hapert es darüber hinaus?

Dieter BollesZu wenige Mitglieder beteiligen sich an der Gemeinschaftsarbeit, also an der Pflege der Gemeinschaftsanlagen.

Axel KleeDas ist leider auch bei uns ein Problem. Wir haben eine kleine eingeschworene Gruppe von acht Leuten, darunter vier Vorstandsmitglieder, die sich redlich bemühen, aber die Arbeit auf Dauer nicht alleine schaffen können.

Fehlt es auch an neuen jungen Kleingartenfreunden oder gibt es kein Nachwuchsproblem?

Axel KleeErfreulicherweise ist bei uns so langsam der Trend zu erkennen, das wir wieder junge Familien ansprechen. Als ich vor vier Jahren einen Garten gepachtet habe, machten Familien mit insgesamt drei Kindern mit, heute sind es Familien mit insgesamt 10 bis 12 Kindern.

Dieter BollesIn früheren Jahren hatte der Verein Achtern Diek oft erste Preise bei Wettbewerben der Stadt alleine wegen der vorbildlichen Jugendarbeit gewonnen. Die Schreberjugend hatte in Blexen sogar einen eigenen Garten.

Wie können die Perspektiven für Kleingartenvereine in Nordenham verbessert werden?

Dieter BollesVorab muss festgestellt werden, dass wir zwei Vereine zuviel haben. Ein Zusammenschluss unter den acht Vereinen in Nordenham würde allen helfen.

Dann kommt es auf das äußere Erscheinungsbild an. Die Anlagen müssen sauber und schmuck sein. Ein reges Vereinsleben ist auch wichtig. Beim Verein Blüh auf gehören dazu auch Ostereiersuchen, Pfingstbaumsetzen und Sommerfest mit Musik.

Zudem ist aus meiner Sicht das Bundeskleingartengesetz ein alter Zopf, der abgeschnitten werden sollte. Die Vorschriften für die Größe der Lauben und den Anteil von jeweils etwa einem Drittel Gemüsegarten, Obstanbau und Erholungsbereich sind nicht mehr zeitgemäß. Wir Kleingärtner brauchen heute mehr Freiraum für individuelle Gestaltungen.

Axel KleeAuch das Image muss besser werden. Kleingärtner sind keineswegs spießig. Und die Vorstände von Kleingartenvereinen sind keine Kommando-Zentralen.