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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

4 Schiffe tragen meinen Namen

07.03.2012

BERNE Mindestens einmal am Tag geht Hilde Meyer (82) an die Elsflether Kaje und lässt sich den Wind um die Nase wehen. Dann erinnert sie sich an ihre Fahrenszeit, den arbeitsreichsten, aber auch spannendsten Abschnitt in ihrem Leben.

Dabei war die Binnenschifffahrt der gebürtigen Bernerin keineswegs in die Wiege gelegt. Ihre Eltern betrieben eine Klempnerei am Breithof. Auch ihr inzwischen verstorbener Mann, der Schiffszimmermann Heinz Meyer, hatte nur mittelbar mit Schiffen zu tun – bis er sich als Angestellter der Bremer Vulkan-Werft anfangs der 50er Jahre in eine alte Barkasse verguckte. Kurz nachdem er seine Hilde, geborene Lange, geheiratet hatte und mit ihr nach Ranzenbüttel gezogen war, kaufte er den Kahn, der fahruntüchtig hinterm Warflether Deich lag.

Aber mit der Hilfe von Verwandten wurde aus der Barkasse bald ein flottes Fahrgastschiff mit Namen „Hilde“. An Wochenenden und Feiertagen liefen die Meyers mit bis zu 30 Ausflüglern oft zu Fahrten nach Bremerhaven, Worpswede oder ins Bremer Umland aus. Wie viel so eine Tour kostete, weiß Hilde Meyer heute nicht mehr so genau. „Vielleicht so zwei Mark“, schätzt sie.

Schiffskauf in Holland

Den endgültigen Schritt in die Selbstständigkeit wagte Heinz Meyer Mitte der 50er Jahre, als er in Rotterdamm ein kleines Binnenschiff kaufte. Genau untersucht hatte er das Fahrzeug nicht, was sich später rächen sollte. Erst kurz vor dem Ablegen erfuhr Meyer, dass das Ruder Richtungsverkehrt arbeitete. „Mein Mann musste dreimal vor der Schleuse manövrieren, bevor er sicher fahren konnte.“

Matrosin Hilde war nie am Steuer. Während ihr Mann das Schiff Tag und Nacht fuhr, erledigte sie alle anderen Arbeiten an und unter Deck. So musste alle zwei Stunden Kraftstoff gepumpt werden, sonst fiel der Motor aus. Oft waren die Meyers mit Kohlefracht zwischen dem Ruhrgebiet und der Wesermarsch unterwegs. Manchmal nahmen sie die Kinder Rita und Anke mit. Auf dem Mittellandkanal passierte es einmal, dass die „Hilde“ von Schleppern angeblinkt wurde. Hilde hatte nach der Reinigung und Befüllung der Fahrtlaternen versehentlich die Lichter für „Schleppverband“ gesetzt.

Dann passierte das Unglück, dass der „Hilde“ den Todesstoß gab. Das mit Langeisen beladene Schiff hatte nach einem Ausweichmanöver kurz vor Stolzenau Grundberührung; das Schiff soff im Stolzenauer Hafen ab.

Drei Tage und drei Nächte bekam der Kapitän keinen Schlaf. Nachdem die Feuerwehr das Fahrzeug gelenzt hatte, flickte er sein Fahrzeug von innen mit einer großen Specksaite und von außen mit dem Lecksegel.

„Boden war ein Sieb“

So kam die „Hilde“ auf die Slipanlage einer Warflether Werft. Da stellte sich ihr schwerster Mangel heraus: „Der Unterboden war wie ein Sieb“, erinnert sich Hilde Meyer. Innerhalb weniger Wochen und mit der Hilfe vieler Verwandter bauten die Meyers aus der alten eine neue „Hilde“, die noch bis Anfang der 60er Jahre fuhr.

Als die Heinz Meyer 1964 seine letzte „Hilde“ in Papenburg kaufte, endete die Fahrenszeit von Hilde Meyer, die sich nun mehr um die Kinder kümmern musste.

Die letzte „Hilde“, ein 67 Meter langes 1000-Tonnen-Schiff, fuhr noch bis 1976, bevor Kapitän Heinz Meyer sie in Brake verschrotten ließ.

Jan Lehmann

freigestellter Betriebsratsvorsitzender der Nordwest-Zeitung/ Politikredaktion
Tel:
0441 9988 9800

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