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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Asbest: Zweite Krankheitswelle rollt an

04.02.2014

Rodenkirchen Wer ein Haus aus den 70er oder 80er Jahren renovieren will, muss sich vor Asbest hüten. Darauf weist Olaf Damerow hin, der für die Baustoffindustrie zuständige Branchensekretär der Baugewerkschaft im Bezirk Bremen und umzu. Er rechnet mit einer zweiten Welle von Asbesterkrankungen.

Die tückische Faser war jetzt das wichtigste Thema der Kreismitgliederversammlung der Industriegewerkschaft Bauen, Agrar, Umwelt (BAU) im Bier-Café Hülsmann. „Das tückische bei Asbest ist, dass die Krankheiten, die es verursacht, erst nach 30 Jahren ausbrechen können“, sagte der Kreisvorsitzende Bernd Bocklage. Noch immer wüssten viele Arbeiter und auch die meisten Hobby-Handwerker nichts von den großen Gefahren.

Seit 1993 verboten

Dabei wurde Asbest in den 70er und 80er Jahren in großen Mengen im Baugewerbe verarbeitet, erläuterte Bocklage. Auf Dächern, an Fassaden, in Farben und Dichtungsmaterial war bis zu dem bundesweiten Verbot im Jahre 1993 Asbest in manchmal großen Mengen enthalten.

Olaf Damerow, der in Berne wohnt, gab nach einem einführenden Kurzfilm den Anwesenden Gewerkschaftsmitgliedern einen Überblick über die Asbestgefahr und die Entsorgung. Der schwer krebserregende Stoff, der fast immer für den gefürchteten Rippenfellkrebs ursächlich ist, werde heute bei Sanierungen und Renovierungen in hohen Mengen freigesetzt. Der falsche Umgang auf den Baustellen und bei der Entsorgung habe zur Folge, dass die Asbestfasern durch die Luft transportiert werden und damit alle Menschen gefährden, nicht nur die Handwerker.

Es gebe keine flächendeckenden Kontrollen der Behörden zum korrekten Umgang mit asbestbelasteten Materialien, sagte Damerow. In der Wesermarsch wurde Asbest auch bei Verstärkungen von Bordsteinkanten und beim Bau des Kernkraftwerks Unterweser verbaut. Deshalb sei auch Vorsicht beim bevorstehenden Rückbau geboten.

Damerow verwies auf den Asbestatlas der Krankenkasse AOK und eine entsprechende Gefährdungskarte, in der die Wesermarsch aber nicht vorkomme. Estrich, Abwasserohre, Blumenkästen, Fußbodenbeläge, Magnesia-Estriche, Kleber, Florflex-Fliesen, Nachtspeicheröfen, Leichtbauplatten, PVC-Beläge, Dichtungen, Brandschutzklappen und vieles mehr enthalte Asbest. Heute sei es nur noch in geringen Mengen in einigen Baustoffen und Bremsbelägen zu finden.

Sehr hohe Dunkelziffer

Auch bei der Entsorgung des Stoffes sieht Damerow große Probleme, da viele Freizeit-Handwerker im privaten Bereich nicht wüssten, wie sie mit Asbest umzugehen hätten. „Es gibt kein Patentrezept für die Entsorgung“, machte der Referent deutlich. Da die Entsorgung sehr teuer ist, gingen auch Bauleiter mit dem Thema sträflich um und entsorgten oft nicht fachgerecht.

Jährlich gebe es bundesweit 4100 durch Asbest ausgelöste Erkrankungen, die Dunkelziffer sei wahrscheinlich sehr viel höher. Raucher haben ein 50-fach erhöhtes Risiko an Asbestose zu erkranken. Selbst in Zigarettenfiltern seien Asbestfasern enthalten. Und nicht nur die Bauarbeiter seien von der Asbestbelastung betroffen. Auch die Hausfrauen, die sich um ihre Schmutzwäsche kümmerten, seien dem Asbeststaub schutzlos ausgeliefert.

„2023 soll Deutschland asbestfrei sein“, blickte Olaf Damerow in die Zukunft. „Aber das Problem sind wir dann noch nicht los.“

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