• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Früher wurde hier Kohle geschaufelt

23.03.2019

Atens Gisela Aits-Knöll kann sich noch gut daran erinnern, wie sie als Kind im Laden mitgeholfen hat. Sie hat Streusalz und Futtermittel abgepackt oder Kartoffeln verkauft. „Ich habe zwar geflucht, wenn mich mein Vater frühmorgens geweckt hat. Aber ich habe das trotzdem immer gern gemacht“, erzählt die 64-Jährige. Ihr Vater war Aitel Aits. Gemeinsam mit seinem Bruder Alfred hatte er an der Bahnhofstraße 120 ein Geschäft für Kohle, Dünge- und Futtermittel. Aber irgendwann ging der Kohlehandel immer mehr zurück. Das Kohlelager an der Bahnhofstraße wurde nicht mehr benötigt, zumal die Gebrüder Aits noch ein weiteres an der Grünfelder Straße hatten.

Und so kamen die geschäftstüchtigen Brüder auf eine Idee. Sie fragten sich, was in Nordenham fehlt. Gästezimmer lautete die Antwort. So entstand, dort wo einst das schwarze Gold geschaufelt wurde, ein Hotel. Am 15. April jährt sich die Eröffnung des Gästehauses Aits garni, heute Hotel Aits garni, zum 50. Mal.

Mindestens so spannend, wie dem Vater bei der Arbeit zu helfen, war für Gisela Aits-Knöll der große Umbau und anschließend die Arbeit im Hotel. Dass das Gästehaus von Anfang an gut gebucht wurde, hatte damit zu tun, dass sich Nordenham immer mehr zu einer Industriestadt entwickelte. Es wurden Gästezimmer für Monteure benötigt. Und bis heute lebt das Hotel in erster Linie von den Arbeitskräften, die für vorübergehende Einsätze in Nordenham ein Dach über dem Kopf benötigen.

Start mit acht Zimmern

Im Hotel Aits bekamen sie mehr als ein Dach über dem Kopf – viel mehr. Wie Gisela Aits-Knöll erzählt, war das Hotel bei der Eröffnung auf dem allerneusten Stand. Es gab sechs Einzel- und zwei Doppelzimmer. Jedes Zimmer hatte Dusche und WC, einige sogar eine Badewanne. Das war damals alles andere als selbstverständlich. Außerdem gab’s in jedem Zimmer ein Telefon mit direktem Amtsanschluss. Auch das konnten seinerzeit die wenigsten Gästehäuser bieten.

Inzwischen sind die Telefone aus den Zimmern verschwunden. „Sie werden nicht mehr gebraucht, weil heutzutage niemand ohne Handy unterwegs ist“, sagt Daniela Pump, die seit 2014 Pächterin des Hotels ist. Dafür sind W-Lan und Flachbildfernseher in jedem Zimmer eine Selbstverständlichkeit. Nach mehreren Erweiterungen verfügt das Hotel heute über 8 Doppel- und 13 Einzelzimmer.

Auf der Höhe der Zeit zu sein – das war den Hotelbetreibern und -besitzern schon immer wichtig. Manchmal waren sie ihr sogar ein bisschen voraus. Dass sich Hotelgäste bei den Getränken im Gemeinschaftsraum selbst bedienen können, war 1969 hochmodern und setzte viel Vertrauen voraus. Aber ihre Gäste missbrauchten es nicht. Stolz ist Gisela Aits-Knöll noch heute auf eine ganz besondere Auszeichnung. 1976 wurde das Hotel mit der Silbermedaille im Landeswettbewerb des Hotel- und Gaststättenverbandes Niedersachsen ausgezeichnet.

Es gibt Stammgäste, die seit vielen Jahren immer wieder kommen. Und manchmal entwickeln sich dadurch sogar Freundschaften. Gisela Aits-Knöll, erinnert sich daran, als sich der Chef eines großen Industrieunternehmens, der das Nordenhamer Werk besuchen wollte, samt Fahrer angekündigt hatten. Plötzlich standen zwei Männer im Foyer, der eine mit Jeans und Pulli, der andere mit schwarzem Anzug. Wie selbstverständlich seien sie davon ausgegangen, dass es sich bei dem förmlich gekleideten Mann um den Chef handelte, erzählt Gisela Aits-Knöll. Es war allerdings genau andersherum. Nachdem dieses Missverständnis aus der Welt war, checkten die beiden zum ersten Mal ein und anschließend immer wieder, weil ihnen die familiäre Atmosphäre so gut gefiel. „Für uns war das Hotel immer auch eine Herzensangelegenheit“, betont Gisela Aits-Knöll, die seit dem Tod ihrer Mutter gemeinsam mit ihrem Bruder Johannes Eigentümerin ist.

Seit 1983 verpachtet

Bis 1983 hat die Familie Aits dass Hotel geführt. Anschließend übernahm die Familie Lütjens den Betrieb. Bevor Daniela Pump einstieg, hatte Waltraut Scholz das Hotel 25 Jahre als Pächterin betrieben. Wie viele Gäste in dieser Zeit in dem Haus an der Bahnhofstraße untergekommen sind, kann Gisela Aits-Knöll unmöglich sagen. Aber es waren auch einige Prominente dabei. Die 64-Jährige kann sich zum Beispiel an den englischen Sänger Albert Hammond erinnern, der vor allem in den 70er-Jahren einige große Hits hatte.

Noch heute wird das Hotel gerne für Künstler gebucht, die in der Friedeburg oder in der Jahnhalle auftreten. Und seit der Schließung der Nordenhamer Jugendherberge übernachten hier auch einige Musiker, die im Sommer beim Fonsstock-Festival zu hören sind. Nicht nur diese Gäste genießen am Morgen das Frühstücksbüfett, das für Gisela Aits-Knöll schon seit langer Zeit das Aushängeschild des Hauses ist. Daniela Pump will diese Tradition weiterführen. Die gelernte Hotelfachfrau hatte sich vor fünf Jahren mit dem Schritt in die Selbstständigkeit einen Traum erfüllt.

Jens Milde Nordenham / Redaktion Nordenham
Rufen Sie mich an:
04731 9988 2205
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.