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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Gegen erdrückende Neubauten

05.01.2019

Atens Auf einen zwölf Meter hohen Wohnblock in der direkten Nachbarschaft können die meisten Menschen gut verzichten. Besonders dann, wenn der Neubau auf der grünen Wiese entsteht, die Aussicht versperrt und lange Schatten wirft. Für Heinz Mölders gibt es aber noch einen weiteren Grund, sich über ein Bauvorhaben am Siegener Weg aufzuregen. Er ist der Auffassung, dass der „massive Klotz“ nicht in das historische Umfeld in Atens passt. Mit dieser Meinung steht er nicht alleine da. Der 69-jährige Bundesbahn-Pensionär hat mit mehreren Mitstreitern die „Interessengemeinschaft Historisches Stadtbild Nordenham“ ins Leben gerufen. Die Gruppe setzt sich dafür ein, dass der Erhalt schöner und ortsbildprägender Altbauten einen höheren Stellenwert in der Stadtplanung bekommt.

Aus Düsseldorf

„In den letzten Jahren hat zunehmend eine Bebauung stattgefunden, die das historische Stadtbild Nordenhams zerstört“, sagt Birgit Schellhorn-Nick. Sie wohnt gegenüber von Heinz Mölders an der Westseite der Oldenburger Straße. 2013 hatte sich Birgit Schellhorn-Nick dort mit ihrem – mittlerweile verstorbenen – Mann niedergelassen. Bei der Suche nach einem „ruhigen Alterssitz“ fernab ihrer bisherigen Heimatstadt Düsseldorf waren sie in Atens fündig geworden und kauften das Haus, in dem sich früher die Zahnarztpraxis Mohr befunden hatte.

Alle Vorschriften eingehalten

Baudezernentin Ellen Köncke verweist darauf, dass die Stadt Nordenham bei der Aufstellung des Bebauungsplans für den Siegener Weg und bei der Baugenehmigung alle gesetzlichen Vorschriften eingehalten habe. Bei der öffentlichen Auslegung hätten die Anwohner ihre Bedenken vortragen können. Aber das sei nicht geschehen. Über das Bebauungsplanverfahren habe die Stadt Nordenham in Zeitungsinseraten und online informiert. Eine direkte Benachrichtigung der Anlieger per Anschreiben sei nicht üblich.

Der Vorwurf der Interessengemeinschaft, die Stadt Nordenham habe in dem Bebauungsplanverfahren die Denkmalschutzbelange nicht ausreichend berücksichtigt, ist laut Ellen Köncke unbegründet. Die Stadt Nordenham habe sich sogar selbst überprüft und dabei vom Landesamt für Denkmalpflege bestätigt bekommen, dass weder die Atenser Wurt noch das kleine Reetdachhaus an der Oldenburger Straße 7 schützenswerte Denkmale sind.

Für die Kritik an der zulässigen Gebäudehöhe von zwölf Metern äußert die Dezernentin Verständnis. Rückblickend wäre es womöglich sinnvoller gewesen, die Höhe geringer anzusetzen. Aber das ändere nichts an der Rechtmäßigkeit des Vorgangs.

„Nordenham hat sich seitdem sehr verändert“, findet die 61-Jährige, „leider nicht unbedingt zum Positiven.“ Historische Gebäude werden ihrer Meinung nach nicht genügend geschützt. Als Beispiele führt Birgit Schellhorn-Nick den Abriss der Alten Post, den Zustand der Villa Eilers und die „erdrückende Bebauung“ im Umfeld des früheren Möbelhauses Strenge an.

Heinz Mölders und Birgit Schellhorn-Nick haben die Interessengemeinschaft gegründet und Unterschriften gesammelt, um die „Bürger für das wichtige Thema Stadtentwicklung mehr zu sensibilisieren“. Dabei stellen sie nicht in Frage, dass der Wohnungsbau aus städtebaulichen und wirtschaftlichen Erfordernissen möglich sein muss. Aber dabei dürfe es nicht nur ein „entweder oder“ geben, sondern ein „sowohl als auch“ sollte das Ziel sein.

Die Interessengemeinschaft spricht sich dafür aus, Gebäude mit städtebaulicher, sozialgeschichtlicher oder künstlerischer Bedeutung stärker zu berücksichtigen, auch wenn sie nicht die offiziellen Kriterien eines Baudenkmals erfüllen. Dafür wäre die Einführung eines kommunalen Erhaltungsregisters eine denkbare Maßnahme.

Zudem wünscht sich die Interessengemeinschaft, dass die Stadt Nordenham bei der Bauleitplanung den Bedürfnissen der Anwohner mehr Bedeutung beimisst. Die Verwaltung sollte sich nicht allein auf die Rechtspositionen berufen: „Es muss nicht ja alles, was baurechtlich machbar ist, realisiert werden.“

Genau darüber ärgern sich Heinz Mölders und Birgit Schellhorn-Nick im Fall des Neubauprojekts am Siegener Weg, der parallel zur Oldenburger Straße verläuft. Den Investor, der das Haus auf der Grundlage einer gültigen Baugenehmigung errichten lässt, kritisieren sie nicht. Aber der Stadt Nordenham werfen sie vor, mit zwölf Metern eine zu hohe und nicht in das Umfeld passende Bebauung erlaubt zu haben. Zudem beklagt sich Heinz Mölders darüber, als unmittelbar betroffener Anwohner „nur durch Zufall“ von dem Vorhaben erfahren zu haben. Da sei es schon zu spät gewesen, um Einwendungen im Zuge des Bebauungsplanverfahrens vorzubringen.

In Alarmbereitschaft

Der neue Bebauungsplan Nr. 71 versetzt Heinz Mölders, der seit 2014 in dem ehemaligen, mit viel Aufwand sanierten Lückemeyer-Haus lebt, und weitere Anwohner in Alarmbereitschaft, weil er auch für ein Nachbargrundstück gilt, auf dem sich ein altes Reetdachhaus befindet. Sie haben die Sorge, dass dieses Haus eines Tages abgerissen und – zulässigerweise – durch einen ebenfalls zwölf Meter hohen Neubau ersetzt wird. Um das zu verhindern, hat die Interessengemeinschaft eine Änderung des Bebauungsplans beantragt. Heinz Mölders und seine Mitstreiter wollen erreichen, dass auf dem Areal nur eine eingeschossige Bebauung zugelassen und ein größerer Abstand zu den Nachbargrundstücken festgelegt wird.

Norbert Hartfil Redaktionsleitung Nordenham / Redaktion Nordenham
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