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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

„Jetzt ist die ganze Solidarität gefordert“

25.07.2017

Kleinensiel Damit hatte niemand ernsthaft gerechnet: Das Zukunftspaket für die noch rund 2000 Beschäftigten beim Atomkraftwerke-Betreiber PreussenElektra ist gescheitert. Davon sind auch 178 verbliebenen Stamm-Beschäftigten beim Kernkraftwerk Unterweser (KKU) betroffen. Jetzt muss neu verhandelt werden, aber eins ist klar: Mehr Geld wird PreussenElektra nicht in das Paket einzahlen können.

Der Verhandlungskommission gehört auch Wilfried Müchler an, Vorsitzender des KKU-Betriebsrats und des PreussenElektra-Gesamtbetriebsrats. Er sagt: „Für uns sind die Sicherung der Beschäftigung und ein angemessener Sozialplan das Entscheidende.“

Längere Arbeitszeiten

Dass die Arbeitsbedingungen angesichts des Atomausstiegs nicht gleich bleiben können, war allen Beteiligten bei den Verhandlungen klar, die im vergangenen Oktober begonnen hatten. PreussenElektra (PEL) setzte in den Gesprächen eine Senkung seiner Personalkosten um 20 Prozent durch. Zwar bleiben die Grundgehälter unverändert, nicht aber Zuschläge, Zulagen und andere betriebliche Leistungen. Zusätzlich wurde die Wochenarbeitszeit um zwei Stunden angehoben.

Im Gegenzug garantiert PreussenElektra die Weiterbeschäftigung im vereinbarten Rahmen bis 2026. Im vereinbarten Rahmen bedeutet: Die Zahl der Beschäftigen geht bis 2026 auf 1000 zurück – und nicht noch stärker. Für den Nachbetrieb und den Rückbau sollen so viele Eigenkräfte und so wenige günstigere Fremdkräfte wie möglich eingesetzt werden. Das Paket ist bis 2026 befristet, weil bis dann alle acht Kernkraftwerke von PreussenElektra im Rückbau sein werden oder diesen abgeschlossen haben. Derzeit erzeugen noch drei PEL-Kraftwerke Strom. Insgesamt hat die Eon-Tochter ihre Kosten bis 2040 durchkalkuliert, denn bis dann sollen alle unternehmenseigenen Kernkraftwerke abgebaut sein.

Gehaltsverzicht war bisher für Beschäftigte von Kernkraftwerken kaum ein Thema. Deshalb mochte die Tarifkommission der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) dem Zukunftspaket nicht einfach so zustimmen und beschloss, die Mitglieder direkt zu befragen. Das Ergebnis fiel ernüchternd aus: Eine knappe Mehrheit sagte nein.

Damit können Verdi und die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) das Paket nicht unterschreiben.

Müchler vermutet, dass die Nein-Stimmen vor allem aus den drei Kraftwerken kommen, die noch am Netz sind – Brokdorf, Grohnde und Isar II. Für deren Mitarbeiter hat sich durch den 2011 beschlossenen Atomausstieg noch nichts geändert – anders als für die Beschäftigen der abgeschalteten Kraftwerke wie Kleinensiel. Wie die Verdi-Abstimmung in seinem Standort ausgegangen ist, weiß Müchler nicht. Seiner Einschätzung nach hat die Mehrzahl der KKU-Beschäftigten die vereinbarten Einschränkungen akzeptiert, damit die Arbeitsplätze im beschlossenen Rahmen erhalten bleiben.

Pikant an der Situation ist, dass der Organisationsgrad in Kernkraftwerken deutlich unter dem anderer Industriebetriebe liegt. 700 der gut 2000 PEL-Mitarbeiter gehören Verdi und der IG BCE an, im KKU sind es etwa 78 der 178 Beschäftigten, sagt Wilfried Müchler.

PreussenElektra droht

Auch die PreussenElektra-Geschäftsleitung hat das Verdi-Votum kalt erwischt. Für die Neuverhandlungen hat sie eine Drohkulisse aufgebaut: Wenn Verdi nicht geschmeidiger wird, will PreussenElektra aus der Tarifgemeinschaft Energie austreten. Diese Drohung beeindruckt Wilfried Müchler durchaus: „Der Tarifgemeinschaft gehören etwa 40 Unternehmen in unterschiedlichen wirtschaftlichen Situationen an. PreussenElektra gehört zu den Unternehmen, die in der Zukunft kein Geld verdienen. Wenn die Gewerkschaften also mit diesem Unternehmen allein verhandeln müssten, wäre es für sie sehr schwierig, für die Arbeitnehmer Verbesserungen durchzusetzen.“

Für Wilfried Müchler und den Gesamtbetriebsrat ist die jetzige Lage ein Spagat, bei dem sowohl die Interessen der Beschäftigten in den Kraftwerken berücksichtigt werden müssen, die noch Strom erzeugen, als auch die der Mitarbeiter in den abgeschalteten Anlagen, die Sorge um ihre Zukunft haben. „Da ist die ganze Solidarität gefordert – bis an den Anschlag“, sagt Müchler.

Und weil PreussenElektra nicht mehr Geld in das Zukunftspaket geben könne – wofür Wilfried Müchler auch Verständnis hat –, gehe es jetzt darum, herauszufinden, was die Gewerkschaftsmitglieder an der Vereinbarung am meisten stört und diesen Punkt zu bereinigen.

Henning Bielefeld
Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham
Redaktion Nordenham
Tel:
04731 9988 2203

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