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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Mähen bis kurz vor der Wasserkante

03.08.2018

Augustgroden Durch das Vordeichsgelände am östlichen Jadebusen fließt ein gut zwei Meter breiter Strom, den hier alle den Wredegraben nennen. Seitdem das Domänenamt ihn 1986 anlegen ließ, bildete er eine unüberwindliche Grenze für Landwirte: Bis hierher durften sie mähen – und nicht weiter. Jetzt, zum ersten Mal seit 32 Jahren, dürfen sie es doch.

Grund ist die anhaltende Dürre, die schon historische Ausmaße angenommen hat, und die daraus folgende Futtermittelknappheit. Die zwölf Bauern, die rund 250 Hektar Land jenseits den Augustgrodendeichs gepachtet haben, dürfen jetzt weitere gut 40 Hektar auf der anderen Seite des Wredegrabens mähen.

Dafür ist Hergen Hülstede dankbar. Er ist Sprecher der Nutzergemeinschaft, obwohl er selbst kein Land in dem betreffenden Gebiet hat. Aber als ehrenamtlicher Deichgeschworener und Jagdpächter kennt der Deichband-Mitarbeiter die Gegend wie seine Westentasche. Er hatte sich, zusammen mit dem Deichband-Vorsteher Burchard Wulff, beim Domänenamt, dem die Flächen gehören, und der Nationalparkverwaltung für diese Ausnahmegenehmigung eingesetzt.

Ornithologen prüfen

Bisher lief es so, dass die Landwirte nur bis zum Wredegraben mähen dürfen – und das auch nur einmal im Jahr. Der Zeitpunkt ist variabel und richtet sich nach den Bedürfnissen der brütenden Vögel, erläutert Hergen Hülstede. Zum 1. Juli, zum 15. Juli und zum 1. August untersucht ein Ornithologe die Flächen, und wo er keinen brütenden Vogel mehr antrifft, darf der Bauer mähen. Die Flächen werden nicht etwa insgesamt freigegeben, sondern Stück für Stück. Wegen der großen Wärme schon im Frühling ging das Brutgeschäft in diesem Jahr früh los, berichtet Hergen Hülstede. Doch der Wachtelkönig ließ sich wie immer Zeit, so dass die letzte Fläche erst jetzt freigegeben werden konnte.

Genauso war es diesmal jenseits des Wredegrabens, schildert Peter Südbeck, der Leiter der Nationalparkverwaltung. Auch dort gaben Ornithologen nur Flächen frei, auf denen nicht mehr gebrütet wurde. Tabu blieben die letzten paar Meter vor der Wasserkante und die Erdaufbaugebiete, frühere Pütten, die für den Deichbau nach der Sturmflut 1962 ausgebaggert worden und dann nach und nach wieder zugeschlickt waren. Gerade diese Flächen seien besonders naturnah, weil sich die Pflanzenwelt dort relativ frisch angesiedelt habe, erläutert Peter Südbeck.

Ganz anders die freigegebenen Flächen. Sie sind seit 1986 nicht mehr gemäht worden. Dafür sieht das frisch gemähte Gras sogar noch ziemlich gut aus, findet Hergen Hülstede. Aber insgesamt sei der Nährwert hier wesentlich geringer als auf den anderen Salzwiesen. „Dieses Gras ist nichts für Milchkühe, sondern nur etwas für das Jungvieh zum Durchkauen“, sagt er. Dennoch sei auch dieser Schnitt eine große Hilfe für die Landwirte.

Extrem schlechte Ernte

Denn die stehen in diesem Jahr nur im übertragenen Sinn im Regen. Tatsächlich war lediglich der erste Schnitt relativ gut, die beiden folgenden blieben weit hinter der gewohnten Qualität und Quantität zurück, schildert Hergen Hülstede.

Und er fragt sich, ob Dürresommer wie diese künftig häufiger vorkommen und ob die Pächter auf dem Außengroden dann öfter eine Ausnahmegenehmigung zum Mähen brauchen. Schon jetzt fragen einige der zwölf Pächter nach der Erlaubnis für einen zweiten Schnitt hinter dem Deich.

Dazu wollen seine Fachleute die Notlage der Landwirte und die Situation der Flächen überprüfen, sagt Peter Südbeck. Denn es sei ja die Grundidee des Unesco-Biosphärenreservats Niedersächsisches Wattenmeer, „gemeinsam mit den Beteiligten nachhaltige Lösungen für Landnutzungsfragen zu finden.“ Wörtlich sagte Peter Südbeck: „Wir beenden die Diskussion nicht, das ist nicht unser Stil.“

Der Diplombiologe stellt aber auch unmissverständlich klar, dass es nur um Ausnahmegenehmigungen für nachgewiesene Notsituationen gehen kann und nicht etwa um generelle Freigaben für häufigeres und ausgedehnteres Mähen hinter dem Deich: „Das ist mit unserem Status als Weltnaturerbe nicht zu vereinbaren.“

Denn damit werde der letzte Rest einer einst sehr viel größeren Salzwiesen-Landschaft geschützt, die durch Besiedlung verloren gegangen sei. Es handele sich um den wertvollen Lebensraum der atlantischen Salzwiese mit salztoleranten Pflanzen am Meer-Land-Übergang, sagt Peter Südbeck: „Genau dafür haben wir den Nationalpark 1986 doch gegründet.“

Henning Bielefeld
Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham
Redaktion Nordenham
Tel:
04731 9988 2203

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