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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Mit 4000 Volt gegen den Wolf

13.06.2019

Berne Beim 2. Workshop „Wolfsabwehr“ in der Deichschäferei von Dieter Voigt in Huntebrück gingen jetzt Experten der Frage nach, welche realistischen Optionen es für den Fortbestand der Koppelschafhaltung gibt. „Wenn ich alle Zäune nachrüsten muss, ist das ein Projekt von 15 Jahren“, sagte Dieter Voigt zu Beginn und führte mit seiner Feststellung gleich ins Thema ein.

Ausgehend von der Fragestellung und der Erkenntnis, dass die Verhältnisse auf jedem Betrieb anders sind, wurden in der Deichschäferei an der Schlüter Straße 11 in Berne auch technische Möglichkeiten zur Optimierung von Zäunen vorgestellt. In Niedersachsen müssten die fest installierten Zäune mindestens 120 Zentimeter hoch und mit einem 30 Zentimeter Untergrabenschutz versehen sein, damit der Schafzüchter einen Wolfsriss entschädigt bekäme, merkte Schafzuchtberater Michael Gertenbach vom Landesschafzuchtverband Weser-Ems an. „Mobile Zäune auf 120 Zentimeter zu bringen, ist nicht so einfach. Das ist eine echte Herausforderung. An vielen Stellen funktionier das nicht“, betonte der Schafzuchtberater. Elektrozäune mit einer Höhe von 90 Zentimetern stellten ebenfalls einen Grundschutz dar. Der Abstand der Drähte dürfe maximal 20 Zentimeter betragen, sagte er.

Die Zahl der Nutztierrisse ist laut Michael Gertenbach angestiegen. Im Umkreis von 25 Kilometern um Huntebrück gab es nach seinen Worten bislang 54 Schafsrisse durch den Wolf. Auch sechs Rinder seien gerissen worden. „Für uns in Weser-Ems ist das absolut brisant. Wir können überall in Niedersachsen Nutztierrisse erwarten“, so Michael Gertenbach. Ein aktueller Wolfs-Hotspot seien Nienburg und die Lüneburger Heide.

Wer seine Herden vor Wolfsangriffen schützt, erhält eine Förderung. Gefordert wird ein 1,20 Meter hoher Zaun mit einer Reihe von fünf Drähten. Es werde aber keine Ersatzbeschaffung für bereis geförderte Maßnahmen bewilligt, so Michael Gertenbach. Das Fördergeld betrage bis zu 30 000 Euro im Jahr.

Und wer einen Schafsriss zu beklagen hat, kann auf Entschädigung hoffen. Wenn noch kein Grundschutz vorhanden sei, reiche ein Zweizeiler des Grundstückseigentümers an das Wolfsbüro, und man bekäme die Tiere entschädigt, sagte der Schafzuchtberater. Aber: „Die Flut der Anträge geht durch die Decke.“ Aktuell lägen dem Wolfsbüro 260 Anträge vor. Viele seien jedoch nicht vollständig. Die Bearbeitung ziehe sich hin und betrage sechs bis acht Monate.

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Herden besser schützen

Über hütesichere Elektrozäune informierte sodann Günter Herkert, technischer Leiter eines Herstellers. Was helfe, sei „richtig Power auf dem Zaun“. Für die Wolfsabwehr seien mindestes 4000 Volt erforderlich. Der Strom ist nach seinen Worten nicht gefährlich für den Menschen, schrecke aber den Wolf ab. Und der Draht sei dabei das beste Material, um Strom zu transportieren. Es gibt nach seinen Worten aber ein großes Problem: Auch andere Tiere seien betroffen. „Wo bereits Risse waren und ein Zaun errichtet wurde, gibt es keine Übergriffe mehr“, so Günter Herkert. Ein Elektrozaun dürfe aber nur von einem Elektrozaungerät versorgt werden, merkte er an. Die Kosten für einen Elektrozaun bezifferte er auf 2,50 bis 5 Euro pro Meter.

Kritisch äußerte sich Burchard Wulff, Vorsteher des II. Oldenburgischen Deichbandes, zu den Maßnahmen, ganze Flächen einzuzäunen. Die Zäune zu unterhalten, abgesehen von den Kosten, sei sehr aufwendig. Durch Sturmfluten würde Zäune auch immer wieder zerstört. Und dann gebe es noch Probleme mit dem Treibsel, das abgefahren werden müsste. Eine wolfssichere Einzäunung sei mehr oder weniger wohl nicht zu leisten bei einer Deichstrecke von rund 140 Kilometern im Verbandsgebiet. Um die auf den Deichen weidenden Schafe vor Wölfen zu schätzen, seien gut und gerne 280 Kilometer an Zäunen erforderlich.

Er habe die Faxen dicke, sagte Dieter Voigt. „Wir können an den Deichen keine Wolfsrudel bilden lassen“, betonte er. Möglichkeiten, die es gebe, sollten ausgeschöpft werden. „Kleinbetriebe haben es schwer“, stellte er fest.

Ulrich Schlüter Elsfleth / Redaktion Brake
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