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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Zuckerrübenanbau Und -ernte: Berner Unternehmen knackt fast die 700 000-Tonnen-Hürde

27.07.2019

Berne Wenn Hans-Georg Bothe einmal anfängt, über Zuckerrüben zu sprechen, lernt der Gesprächspartner eine ganze Menge. Sprechen ist dann eigentlich das falsche Verb. Referieren trifft es eher – vor allem aber schwärmen. Die Begeisterung für die Ackerfrucht und ihre Verarbeitung ist dann jedem Wort des 79-Jährigen zu entnehmen.

Der Berner ist von Haus aus Landwirt. Er ist aber auch gelernter Groß- und Außenhandelskaufmann. Vor allem aber ist er Spediteur und das seit 1974. Und bei der Zuckerrübe ist er all das zusammen. Gemeinsam mit seinem Sohn Bernd (56) führt er mittlerweile mehrere Firmen, die sich alle mit dem Transport der Kulturpflanze aus der Familie der Fuchsschwanzgewächse befassen – mittlerweile aber auch mit deren Anbau und Ernte.

Nachdem Hans-Georg Bothe 1991 seine Dienstleistung als Spediteur in den damals noch ganz neuen Bundesländern angeboten hat, ist dieser Zweig des Unternehmens stets gewachsen: Waren es Anfangs 40 000 Tonnen Rüben, die es „nur“ zu transportieren galt, nahm er im vergangenen Jahr fast die 700 000-Tonnen-Hürde.

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Einen Großteil – 360 000 Tonnen – davon lädt und reinigt die Bothe Agrar Logistik GmbH für die Nordzucker AG. In der rund viermonatigen Saison vom 10. September bis Mitte Januar werden 231 000 Tonnen von den Feldern Mecklenburgs ins Zuckerwerk Uelzen gebracht, 110 LKW-Ladungen täglich. 160 000 Tonnen kommen zwischen dem 5. September und Ende Dezember für die niederländische Suiker Unie hinzu, die in Anklam ein Werk betreibt.

Die Technik macht’s

Möglich machen solche Zahlen die Technik: „Wir waren die ersten, die sich entschlossen haben, in neue Technik zu investieren“, berichtet Hans-Georg Bothe nicht ohne Stolz. Und möglich macht es auch ein Deal mit der Schweiz: Für die Schweizer Zucker AG organisiert die Bothe Agrar Service zwischen 5. Oktober und 22. Dezember – die Dauer der Schweizer Rübenkampagne – Ankauf, Verzollung und Verkauf von 85 000 Tonnen Zuckerrüben pro Jahr. Sechs Ganzzüge mit jeweils 9 000 Tonnen Zuckerrüben verlassen in der Saison wöchentlich Wismar mit Ziel Frauenfeld in der Schweiz. Übrigens nicht mit der Deutschen Bahn: „Die wollte uns nicht.“

Doch nicht nur das Laden und Reinigen gehört zum Angebot der Berner: Im vergangenen Jahr haben sie ihre Dienstleistung ausgeweitet – als Anbauer für Nordzucker AG und Schweizer Zucker AG. Auf 1 500 Hektar hat die jüngste Unternehmenstochter, die LeRoTra (für Legen, Roden, Transportieren), Rüben ausgesät, auf 2 700 Hektar wird gerodet – macht weitere 85 000 Tonnen, die per LKW in den Hafen Wismar transportiert werden.

„Den Rübenanbau so zu organisieren, dass Landwirte für uns anbauen, das gibt es nicht ein zweites Mal“, betont Bernd Bothe. Und für Vater Hans-Georg ist das auch „ein riesiger Vertrauensbeweis“.

Der 79-Jährige schwört dabei auf ein ganz altes Erfolgsrezept: den persönlichen Kontakt zu Kunden und Unternehmen. Immer wieder ist er in den Monaten vor der Rübenernte in Mecklenburg-Vorpommern unterwegs, führt Gespräche mit Landwirten, schließt Verträge mit Fuhrunternehmen, plant akribisch die Ernte und den Transport – und löst Probleme. Für die großen Maschinen müssen Genehmigungen eingeholt werden, mitunter muss auch mal eine Ampel vorübergehend abgebaut werden. Und nicht zuletzt müssen die Standorte der Rübenmieten exakt abgesprochen werden, jedes Umlagern – etwa weil die Mieten zu breit sind oder der Abstand zur Straße von dem Ausleger der Rübenmaus nicht überbrückt werden kann – würde bares Geld kosten.

Die Grobplanung ist längst durch. Ab 15. Mai wissen die Bothes, wo die Anbauschläge sind. Was derzeit folgt, sind Details. Drei bis fünf Tage vor der Abfuhr wird gerodet. Überlader bringen die Rüben an den Rand der Felder, wo hunderte Meter lange Mieten gelegt werden. Anschließend nehmen Rübenmäuse mit zehn Metern Arbeitsbreite die Früchte auf, reinigen sie und verfrachten sie über einen 15 Meter langen Ausleger auf bereitstehende Lastwagen. Im Dezember werden noch verbliebene Mieten zudem mit Flies zum Schutz gegen Fröste abgedeckt.

Neben vier Rübenmäusen gehören mittlerweile drei Rübenroder (mit einer Kapazität von jeweils 100 Tonnen pro Stunde), drei Legemaschinen (mit einer Kapazität von jeweils fünf Hektar pro Stunde) und zwei Überlader zum unternehmenseigenen Fuhrpark. Weit mehr als eine Million Euro wurden allein in den letzten Jahren darin investiert.

Auf den großen Feldern Mecklenburg-Vorpommerns kann die Technik ihre Vorteile ausspielen. 3 500 Tonnen können mit ihr binnen 24 Stunden geladen und gereinigt werden, in fünf bis sieben Minuten ist ein Lastwagen mit 25 Tonnen befüllt.

Dabei hat die Digitalisierung auch den Rübentransport längst erfasst: Die Kommunikation zwischen Landwirt, Spediteur und Zuckerfabrik ist komplett papierlos. Im Idealfall muss der LKW-Fahrer nicht einmal aussteigen: Per App kann er stets sämtliche Daten abfragen – und übermitteln.

Haftet einer frisch geerntete Rübe noch ein Schmutzanteil von rund 20 Prozent an, sind es nach der Reinigung maximal acht Prozent – „wovon drei Prozent von der Zuckerfabrik pauschal für das Blatt berechnet werden“, berichtet Hans-Georg Bothe. Mit „kleinem Gerät“ erreichen Wettbewerber einen Schmutzanteil von 12 bis 14 Prozent. Warum jedes Prozent so wichtig ist? „Das Gewicht sparen wir uns beim Transport.“ Und der ist angesichts von 150 bis 160 Kilometern bis zur Zuckerfabrik eigentlich viel zu weit. Bis zum geschlossenen Zuckerwerk in Güstrow wären es nur 60 Kilometer.

Bis in die 1990er-Jahre hinein sei die Rübe übrigens überwiegend mit der Bahn transportiert worden, weiß Hans-Georg Bothe. In der Welle der Modernisierung der Zuckerwerke seien allerdings viele Neubauten ohne Gleisanschluss entstanden, die Bahn habe sich aus der Fläche zurückgezogen. Auch hier sieht der Spediteur angesichts einer drohenden CO2-Steuer Potenzial: Er arbeitet schon daran, einen weiteren Standort für den Bahntransport in die Schweiz zu reaktivieren.

Deutschland ist hinter Russland und Frankreich drittgrößter Zuckerrübenproduzent weltweit – allerdings spielt die Frucht nur in einer Handvoll Anbaugebieten bundesweit eine tragende Rolle. Und Mecklenburg-Vorpommern – wo rund sechs Prozent der landwirtschaftlichen Fläche mit Rüben bestellt werden – gehört nicht einmal zu den ganz großen. Dabei hat sie durchaus Kapazität, so Bothe – und Mecklenburg-Vorpommern könne mit Vorteilen beim Klima punkten. So seien die Pflanzen weniger anfällig und müssten auch weniger gewässert werden. Und: Die Bedeutung der Zuckerrüben ist international geringer als die des Zuckerrohrs. Planung und Logistik ruhen auf den Schultern von Hans-Georg und Bernd Bothe sowie zwei Mitarbeiterinnen in Berne. Auf den Maschinen kommt ein gutes Dutzend Saisonkräfte dazu. „Eine Riesenherausforderung“ sei die Organisation von Lastwagen, „damit wir täglich genügend Kapazitäten haben“. Immerhin: Er kann mit einem Rundum-sorglos-Paket und einer 24-stündigen Auslastung um die immer weniger werdenden Speditionen werben.

Markus Minten Leitung / Lokalredaktion
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