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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Kernkraftwerk Unterweser: Bio-Dünger enthält zu viel Radioaktivität

24.10.2016

Kleinensiel Hobbygärtner, die Wert auf ein gutes Gewissen legen, investieren in Bio-Dünger. Dass so ein Sack mit dem Wachstumsförderer aber seine Tücken hat, zeigt beim Informationstag am Sonnabend die Freimessanlage in einem Lagergebäude gleich neben der Reaktorkuppel.

Kaum haben die Detektoren der Anlage den Inhalt des Plastiksacks geprüft, gibt der Computer draußen einen hässlichen Misston von sich: Der Dünger ist bei der Radioaktivitätsprüfung glatt durchgefallen! Was sich Hobbygärtner bedenkenlos auf Rasen und Gemüsebeete streuen, würde beim Rückbau des Kernkraftwerks Unterweser (KKU) nicht freigemessen, erläutern Ingo Schäfer und Stefan Tode das Resultat der Prüfung. Der Dünger verbliebe im Regelungsbereich des Atomgesetzes und müsste in ein Zwischenlager gebracht werden.

Schlimmer noch: Auch die anwesenden Politiker und Bürgermeister würden nicht freigemessen, denn auch sie strahlen zu viel Radioaktivität aus. Die Zuhörer lernen: Radioaktivität gibt‘s nicht nur im Atomkraftwerk, sondern überall. Sie entsteht natürlich, ist in der Luft, im Gestein, im Trinkwasser und im Essen enthalten.

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Nichtsdestoweniger ist Radioaktivität im Atomkraftwerk mit äußerster Vorsicht zu behandeln. Wie die Mitarbeiter mit dem Abbruch radioaktiv belasteter Teile umgehen wollen, machen Stefan Tode, Teilbereichsleiter Strahlenschutz, sein Stellvertreter Lars Wiese und Ingo Schäfer, stellvertretender Teilbereichsleiter Entsorgung, deutlich. Sie stellen die Freimessanlage vor, das Herzstück, und den Weg des Materials zu ihr.

 Am Beginn steht die Voruntersuchung. Die Radioaktivität eines Bauteils wird zunächst mobil dort gemessen, wo es eingebaut ist. Dann wird es per Gammaspektrometrie radiologisch charakterisiert, das heißt: Die Identität der Radionuklide wird festgestellt. Im KKU können 40 bis 50 verschiedene Nuklide vorkommen. Für Kobalt-60 gilt etwa ein anderer Grenzwert als für Cäsium-137. Durch die Messung wird festgelegt, welches Material in das Zwischen- und Endlager kommt und welches freigegeben wird.

 Schritt zwei ist die Vorbehandlung. Die Anlagenteile müssen nach dem Ausbau bei Bedarf erneut zerlegt und dann per Wasser-Hochdruckreiniger, Ultraschallbad oder Strahlverfahren mit Stahlkörnern von Radioaktivität, die an der Oberfläche haftet, befreit werden. Sollte das Stück danach immer noch radioaktiv belastet sein, wandert es ins Zwischenlager. Wenn nicht, folgt Schritt drei der Freigabe.

 Bei der Orientierungsmessung wird mit einem mobilen Messgerät festgestellt, ob das Stück den Kontrollbereich verlassen darf. Die Messung findet auf einem speziell dafür angefertigten Tisch statt, der bisher beim Rückbau des Kernkraftwerks Stade eingesetzt worden war.

 Dann folgt – der Name ist Programm – die Entscheidungsmessung. Sie findet in der 435 000 Euro teuren Freimessanlage statt, in der der Sack Dünger vor den Augen der Politiker die Prüfung nicht bestanden hat. 24 Detektoren messen in einer Kammer hinter 13 Zentimeter dicken Stahlwänden die Radioaktivität.Das Material wird entweder uneingeschränkt freigegeben, darf also nach Belieben weiterverwendet werden, eingeschränkt freigegeben – zur konventionellen Deponierung etwa in Käseburg oder zum Einschmelzen – oder nicht freigegeben. Dann kommt es ins Zwischenlager.

Das Unternehmen strebt jetzt an, das von 193 000 Tonnen Material aus dem Kontrollbereich 90 Prozent uneingeschränkt freigemessen werden – weniger als zunächst geplant. Gut fünf Prozent sollen zweckgerichtet freigemessen werden, knapp 5 Prozent kommen ins Zwischenlager.

 Die Freigabe – also die Entlassung aus dem Atomgesetz – nimmt der Strahlenschutzbeauftragte des KKU schriftlich vor, wenn die Bestätigung des Umweltministeriums dafür vorliegt.

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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