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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Alles dreht sich um vier Ecken

22.07.2019

Brake Jeder kennt sie, viele nutzen sie – aber immer weniger sammeln sie: die Briefmarke. Früher ein gängiges Hobby von klein auf, trifft man heute kaum noch auf passionierte Philatelisten. Doch es gibt sie noch, auch hier in Brake. Jeden ersten Montag im Monat treffen sich die Briefmarkenfreunde Brake in der Begegnungsstätte zum Tauschabend. Wie läuft so ein Abend ab? Wird wirklich Marke gegen Marke getauscht? Wie lange begeistern sich die Sammler schon für die kleinen rechteckigen Klebezeichen? Was definiert den Wert einer Marke?

Schon bald nach dem Eintreffen der Sammler ist einer der großen Tische im Kaminzimmer der Begu übersät mit Alben, Tütchen voller Briefmarken, Karten, Katalogen und Pinzetten. Dort findet sich ein Album voller Schiffe, hier eins mit der Geschichte des Deutschen Roten Kreuzes. „Es gibt unwahrscheinlich viele Möglichkeiten, sich zu spezialisieren, je nach Interesse“, erklärt mir Axel Danne, der seit etwa zehn Jahren Mitglied im Verein ist. Die Mitglieder sammeln Unterschiedliches, was gut sei, dann könne man sich vieles geben, erzählt er mir. Fünf Mitglieder sind heute da und haben ihre Schätze ausgepackt, eins fehlt – insgesamt sind sie nur noch zu sechst. Doch diese sind umso passionierter bei der Sache, die meisten sammeln – mit Unterbrechungen – seit ihrer Kindheit oder Jugend. Das spürt man, als sie eine Diskussion über eine bestimmte Marke anfangen. Hier ist Leidenschaft, Begeisterung, aber auch Fachkenntnis im Raum. Fachsimpeln gehört hier dazu.

Im Wesentlichen ließen sich vier unterschiedliche Arten der Postwertzeichen ausmachen: Das seien zuerst die postfrischen und die postfrischen mit „Falz“ – diese wurde vor allem früher von Sammlern angebracht, um die Marken sicher einkleben zu können, als es noch keine Alben in der heutigen Form gab. Dann gebe es natürlich die gestempelten und nicht zuletzt solche mit „Gefälligkeitsstempel“. Diese werden abgestempelt, damit sie wertvoller sind, aber nicht postalisch befördert. Ein Kenner sieht allerdings den Unterschied. Was den Wert noch entscheidend mitbestimmt, ist die Auflage.

Das wichtigste Werkzeug des Philatelisten? Die Pinzette. Denn auf der Rückseite einer Marke darf kein Fingerabdruck sein. Weiteres Arbeitsutensil: die Michel-Kataloge. Diese listen den Wert von Briefmarken auf und dienen den Sammlern so als Grundlage für ihre Käufe und Täusche. Diese tätigen sie auf Tauschbörsen und Flohmärkten, bei Händlern und bei den Tauschabenden, auf Aktionen und im Internet.

Den Anspruch zu erfüllen, möglichst vollständige Sammlungen zu haben, wird allerdings heutzutage immer schwieriger. Wurden im Jahr 1949 noch etwa zwölf neue Briefmarken pro Jahr herausgegeben, so seien es heute eher 75. „Seit 2000 werden es immer mehr Marken, für Sammler wird es immer teurer“, so Danne. Daher sammelt er selbst nur Marken bis ins Jahr 2000. Und deswegen tauscht man heute kaum noch eins zu eins, Marke gegen Marke. Das wäre viel zu zeitintensiv. Auch Händler bieten mittlerweile häufig ganze Kartons voller Marken an. Da kaufe man mehr oder weniger „blind“ und hoffe, dass was Gutes dabei ist.

Der Verein existiert bereits seit 1911, erzählt der Vorsitzende Gero Wieker. Zu guten Zeiten hatte man 20 Mitglieder, darunter auch junge Leute. Jetzt fehlt der Nachwuchs. Die Zusammentreffen werden überall immer kleiner, der Internethandel größer. Es kommt aber dennoch immer wieder vor, dass Gäste zu den Tauschabenden kommen.

Auch heute findet sich ein Gast ein: Eine Dame, die einige Alben ihres verstorbenen Mannes verkaufen möchte. Axel Danne erzählt, dass dies häufiger vorkomme. Viele seien dann enttäuscht, wenn man ihnen ein Angebot macht, das die Erwartungen nicht erfüllt. Aber so ist es bei allen der fünf anwesenden Sammler: Die Freude überwiegt den Geldwert der Sammlungen, „den großen Wurf“ hat noch keiner der Freunde gemacht. Doch man hoffe natürlich immer, so Axel Danne, „dass man mal ein Schnäppchen macht“, das dann viel wert ist. Das sei aber selten wie ein Lottogewinn, ergänzt Konrad Wefer.

Was fasziniert die Sammler an ihrem Hobby? „Man freut sich, wenn man ’ne Sammlung zusammen hat“, meint Werner Ahrens. Tineke Maleszka findet es einfach schön, ihr Papa hatte schon Briefmarken, dann „hab‘ ich weiter gesammelt“ – ein Hobby über Generationen hinweg.

Die Sammler freuen sich immer über Gäste, nur der Tauschabend im August fällt aus.

Jana Budde Volontärin, 1. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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