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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Zum Tag Der Arbeit Am 1. Mai: Warum Arbeitskampf auch heute noch wichtig ist

30.04.2018

Brake /Elsfleth Früher war der 1. Mai Kampftag. Wenn die Gewerkschaft zum Tag der Arbeit aufrief, war man dabei, dann ging der Arbeiter auf die Straße. So war es vielerorts – auch in Brake. Doch die Zeiten haben sich geändert. Wer an diesem Dienstag zur Maikundgebung auf den Braker Postplatz kommt, wird sich als bewusster Arbeitnehmer wehmütig auf alte Zeiten zurückbesinnen. Denn nur noch wenige lassen sich überzeugen. Das solidarische Miteinander, das „gemeinsam sind wir stark“, es war einmal.

Kundgebung auf dem Postplatz

Die Kundgebung auf dem Postplatz am Dienstag, 1. Mai, steht unter dem Motto „Solidarität, Vielfalt, Gerechtigkeit“. Die Mai-Rede hält Dominique Lembke (IG Metall Küste)

Beginn ist um 10.30 Uhr mit der Begrüßung durch Uwe Peglau (DGB-Ortsverbandsvorsitzender)

Ein Grußwort spricht Bürgermeister Michael Kurz

Für Musik sorgt die Band „NewInferno“

So jedenfalls sieht es Thilo Casper. Der 58-jährige Braker ist Betriebsratsvorsitzender von Omni-Pac in Elsfleth und stellvertretender Vorsitzender der Wesermarsch-Ortsgruppe der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie. „Ich habe den Eindruck, dass die Leute immer mehr zu Einzelkämpfern werden“, sagt er. „Sie verlieren den Blick fürs Ganze.“ Das Interesse, sich zu organisieren, habe nachgelassen. Vor 20 Jahren, so erinnert sich Thilo Casper, war zum 1. Mai in Brake ein großes Festzelt aufgebaut. Eine Blaskapelle spielte, ein Gottesdienst wurde gehalten. Und die Beteiligung sei groß gewesen. Heute hielten sich die meisten jungen Kollegen raus. „Das finde ich problematisch“, betont er. Die Gewerkschaft rufe heute fast vergebens.

Konsum im Vordergrund

Der Individualismus ist stärker denn je. Das wirkt sich negativ auf die Arbeiterbewegung aus. Den Arbeitnehmern gehe es besser, der Konsum würde bei vielen von ihnen im Vordergrund stehen, meint der Betriebsratsvorsitzende. „Es fehlt der ständige Blick auf das, was passiert“, beklagt er. Für den Arbeitgeber sei es daher wieder einfacher geworden, sich aus der Verantwortung zu stehlen. „Muss erst etwas passieren, damit die Menschen aufwachen?“, fragt Thilo Casper. Soziale- und arbeitsrechtliche Fragen stünden nach wie vor im Mittelpunkt. Errungene Erfolge würden allmählich jedoch in Frage gestellt. Es gelte, den Blick zu schärfen und vor allem die Jugend für die Gewerkschaftsarbeit zu gewinnen. Er möchte den Blick wieder auf das Wesentliche fixieren. Man sollte sich nach seinen Worten nämlich nicht die Frage stellen, was mit den Gewerkschaften erreicht worden ist, sondern vielmehr, wie sich die Arbeitswelt ohne die Gewerkschaften heute darstellen würde. Dann ginge den meisten Berufstätigen sicherlich ein Licht auf.

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Welt im Wandel

Das diesjährige Motto zum 1. Mai lautet „Solidarität, Vielfalt, Gerechtigkeit“. Thilo Casper stellt nicht in Abrede, dass Betriebe gewinnbringend geführt werden müssen. Die Welt verändert sich, doch die Produktionsgrundlagen wie Industrie 4.0 sollten nach seinen Worten nicht unterschätzt werden. „Der Kamerad Roboter ist ein gerngesehener Gast in den Unternehmen. Er ist immer da, nie krank. Wo bleibt die Belegschaft, was wird aus der Gesellschaft, wenn alles automatisiert ist?“ Thilo Casper fragt sich, wie lange der Mensch das „schneller, höher, weiter“ noch mitmachen kann. Die körperliche Arbeit schwinde immer mehr, die digitalisierte nehme rasant zu.

„Es braucht starke Gewerkschaften, um die Entwicklung in einem angemessenen Rahmen zu halten und den Ansprüchen der Menschen gerecht zu werden“, ist der Gewerkschaftsfunktionär überzeugt. Zudem müssen nach seinen Worten Fehlentwicklungen korrigiert werden. Er denkt dabei vor allem an die Punkte Leiharbeit, befristete Verträge und Mindestlohn. Dass es Vollzeitstellen gibt, die mit Hilfe von Hartz IV zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben aufgestockt werden müssen, hält er für einen Irrweg. „Wir produzieren Teile der Bevölkerung, die außen vor stehen“, betont Thilo Casper. Man müsse gegensteuern. Auch sei man in Deutschland auf dem Weg, mehr ehrenamtlich machen zu wollen, beispielsweise in der Altenpflege und bei der Betreuung von Flüchtlingen. Auch das sei der falsche Ansatz, den er als konzeptlos beschreibt. „Wir sind dabei, die stetigen Verbesserungen zu verlangsamen“, sagt er. Die Menschen müssten dagegenhalten.

Der Mensch zählt

Wer nach seinen Worten will, dass sich die Gesellschaft weiter solidarisch und fair entwickelt, der sollte darüber nachdenken, warum es den Menschen besser geht als früher. Sie sollten auch dazu animiert werden, ihre Rechte wahrzunehmen, damit das Leben besser wird. Denn nicht die Zahlen zählten, sondern der Mensch. Die Gesellschaft, in der jeder seinen Platz habe, müsse ehrlicher werden und dürfe sich nicht spalten lassen. „Es muss ein Miteinander geben“, betont Thilo Casper. Das Paritätische müsse erhalten bleiben und jeder so viel Geld verdienen, dass es zum Leben reiche. Dafür lohne es sich, am 1. Mai auf die Straße zu gehen und zu kämpfen.

Ulrich Schlüter Elsfleth / Redaktion Brake
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