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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

„Eigene Firma bewusst loslassen“

06.03.2019

Brake Eine offene Kommunikation mit klaren Absprachen zwischen allen Beteiligten ist das Geheimnis einer erfolgreichen Unternehmensnachfolge. Das klingt einfach und scheint dennoch die größte Herausforderung zu sein. „Ich lade Sie ein, sich dem schwierigen Thema zu stellen“, waren daher die Eingangsworte von Nils Koerber, der auf Einladung der Wirtschaftsförderung Wesermarsch GmbH zum Thema Unternehmensnachfolge bei Erfolgreich am Markt referierte. Der Vortrag machte deutlich, dass jede Nachfolge nur individuell gelingen kann.

Persönlich betroffen

Gastgeber und Veranstaltungsort war die Landessparkasse zu Oldenburg in Brake. Der Neubau gab einen großzügigen Rahmen, um den über 80 Personen Platz zum Netzwerken zu geben. Gleich zu Beginn lenkte Nils Koerber den Blick auf die persönliche Betroffenheit des Firmeninhabers, der sein Unternehmen in verantwortungsbewusste Hände weitergeben möchte: Die Bindung des Unternehmers an den Betrieb beruhe nicht nur auf dem Verdienst für den Lebensunterhalt, sondern speise sich vor allem aus den gelebten Werten und dem sinnstiftenden Handeln. Die Nachfolge zu regeln heißt ganz konkret, den Betrieb, den man über Jahre aufgebaut hat, bewusst innerlich wieder loslassen zu können. Damit das klappt, braucht es eine Neuorientierung, womöglich endlich seinen Traum zu leben, statt weiterhin nur zu träumen?

Eigene Erwartungen

Überlege man eine Nachfolge innerhalb der Familie, müsse man die eigenen Erwartungen offen aussprechen und der Wahrnehmung der Kinder Raum geben. Denn sind die Kinder den Anforderungen eines Unternehmens überhaupt gewachsen? Und wenn mehrere Kinder da sind, wer könnte der Richtige sein, um dem Betrieb eine Zukunft zu geben, wie eine gerechte Lösung finden? „Geben Sie Ihren Kindern und auch sich selbst die Freiheit, die Übernahme nur freiwillig zu machen“, empfahl Nils Koerber, der auch auf eigene, negative Erfahrungen aus seiner Familiengeschichte verweisen konnte.

Große Herausforderung

Dass eine Unternehmensnachfolge grundsätzlich eine Herausforderung darstellt, erklärte der Nachfolgespezialist mit dem Verweis auf die unterschiedlichen Rollen, die nun einmal da seien: mal sei man Vater, dann wieder Geschäftsführer, der mit seinen Kindern spräche, die aber womöglich ebenfalls als Geschäftsführer autorisiert seien und doch immer noch Tochter oder Sohn blieben. Dieser Rollen-Mix führe schnell zu Problemen, weil sich die Sach- und Emotionsebene vermischten. „In dieser Situation ist Kommunikation miteinander sehr wichtig, damit die Erwartungen klar sind“, betonte der Referent und verwies auf die größten Fehler: nämlich das Thema Nachfolge vor sich herzuschieben, weil auch Angst vor der Kommunikation da ist, sich gar für unersetzlich zu halten oder sich ausschließlich auf seine Kinder als Nachfolger zu fokussieren. „Verabschieden Sie sich davon, dass jemand die Firma so führt wie Sie es tun“, so Nils Koerber.

Gleiche Auffassungen

Wenn Familienmitglieder zusammenarbeiteten, müssten daher gleiche Auffassungen geschaffen werden, wie beispielsweise die Firma geführt wird – Verantwortung geht vor Freiheit und Freude im Privaten –, wer für welche Aufgabenbereiche zuständig ist, und das es verbindliche Zeitpläne sowie schriftliche Absprachen gibt. „Wenn Sie regelmäßig den Austausch miteinander suchen, vermeiden Sie einen der großen Fehler“, schloss Nils Koerber seinen Vortrag vor dem interessiert lauschenden Publikum ab.

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