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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Abschied vom Traumberuf

20.12.2017

Brake „Wenn die Silvesterraketen über Brake knallen, bin ich im Ruhestand.“ Auch wenn der Arbeitsvertrag noch bis Ende des Jahres läuft, endet die lange Arbeit von Dr. Peter Janka am St.-Bernhard-Hospital schon ein paar Tage früher. Sein Büro hat er schon ausgeräumt, bis Freitag wird er aber noch „dienstlichen Verpflichtungen nachgehen“, dann kann der 65-jährige Mediziner sich auf die Zeit danach vorbereiten: „Meinen Rentenausweis habe ich schon“, schmunzelt er. „In ein Loch fallen werde ich aber nicht.“

Nach Medizinstudium in Frankfurt und Assistenzarztstellen im Rhein-Main-Gebiet, verbrachte Janka drei Jahre als Oberarzt an der Klinik für Orthopädie und Traumatologie Hessisch-Lichtenau, bevor es ihn zum 1. April 1991 als Chefarzt an die Weser verschlug. Vor 14 Jahren wurde er zudem Ärztlicher Direktor am St.-Bernhard-Hospital.

Zwei Nachfolger für Dr. Peter Janka

Nachfolger von Dr. Peter Janka als Chefarzt wird ab 1. Januar Dr. Lars Heide. Er ist derzeit Leitender Arzt der Abteilung für Endoprothetik an der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie im Diakovere Friederikenstift Hannover.

Nachfolger von Dr. Peter Janka als Ärztlicher Direktor wird ab 1. Januar Dr. Jan Henrik Herrfurth. Er ist seit seinem Wechsel aus Oldenburg seit 2011 Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am St. Bernhard-Hospital.

„Eine spannende Stelle“, wie er noch heute findet. Kam der Mediziner doch auch in einer spannenden Zeit: 1986 waren die beiden Braker Krankenhäuser zusammengelegt worden. So konnte er in einem Neubau arbeiten und, nicht gebunden an Vorgaben, alles neu schaffen“. Orthopädie und Unfallchirurgie gab es nicht als eigenständigen Bereich. Es galt, eine aufwendige Logistik zu schaffen, ein Team zu formen sowie Verfahrensabläufe vor, während und nach Operationen zu entwickeln: „Was heute die Zertifizierung verlangt, haben wir damals schon gemacht. Das habe ich fein säuberlich auf Schreibmaschine getippt, Software gab es noch nicht.“

Tausende Operationen

Schon im ersten vollen Jahr wurden mehr als 100 künstliche Hüft- und Kniegelenke eingesetzt. Die Mindestmenge, um 2014 als Endo-Prothetik-Zentrum anerkannt zu werden. Mittlerweile sind es rund 300 im Jahr.

7800 künstliche Gelenke haben Janka und sein Team aus zwei Oberärzten, einem Funktionsoberarzt und vier Assistenzärzten mittlerweile eingesetzt, Hüfte und Knie liegen mit 7600 weit vorne. Aber auch rund 200 Schulter-, Ellbogen- und Sprunggelenke sind in Brake mittlerweile „erneuert“ worden. An einen komplexen Fall erinnert sich der 65-Jährige dabei besonders: Aufgrund eines äußerst seltenen Tumors mussten einem Patienten in einer Sechs-Stunden-OP Schulter- und Ellbogengelenk sowie Oberarmknochen durch Prothesen ersetzt werden. „Das war in der Literatur zuvor nur viermal beschrieben.“

Neben solch geplanten Operationen ist die Klinik auch eine der größten von der Berufsgenossenschaft anerkannten Durchgangsarztpraxen. Fast 3000 Arbeitsunfälle werden es Ende des Jahres sein, die dort behandelt werden.

All das wird fortgesetzt werden, betont Maxi Krahl, am St. Bernhard für Öffentlichkeitsarbeit zuständig. „Dr. Janka hat das Haus groß und bekannt gemacht. Es ist schon eine Ära, die nun zu Ende geht.“ Auch künftig werde man für Arbeitsunfälle 24 Stunden am Tag tätig sein. Und das sei längst nicht mehr die Regel, ergänzt Janka.

Überhaupt ist es dem scheidenden Chefarzt ein Bedürfnis, dem Arbeitgeber zu danken. Ob zunächst als Stiftung oder zuletzt als gemeinnützige Gesellschaft „hat man uns immer in Ruhe arbeiten lassen“. Trotz aller Zwänge zur Wirtschaftlichkeit (Janka) sei das Patientenwohl dank des kirchlichen Trägers primäres Ziel geblieben. „Und das St.-Bernhard-Hospital steht derzeit wirtschaftlich sehr gut dar“, freut sich Janka, ein geordnetes Haus zu verlassen. „Finanziell so ausgezeichnet, wie seit drei Jahrzehnten nicht.“ Und dann schwingt bei aller Freude auf den Ruhestand auch etwas Wehmut mit: „Ich bedauere es sehr, dass ich davon nicht mehr profitieren kann.“

Cello wird hervorgeholt

Für Janka, der eigentlich Internist werden wollte, und „eher zufällig zur Chirurgie gekommen ist“, ist Arzt nach wie vor ein Traumberuf. Bei allem Druck und ständig forderndem Verhalten der Patienten. „Das belastet schon. Gerade als Chirurg wird man schnell vom Arzt zum Täter.“ Und auch wenn sich die Rahmenbedingungen stark geändert hätten. In denen sieht er auch einen Hauptgrund für das Nachwuchsproblem im medizinischen Bereich.

Die Entwicklung wird er künftig mit der gebotenen Distanz verfolgen: Im Ruhestand wird er seinen Hobbys Lesen und Reisen nachgehen, und auch das Cellospielen wieder intensivieren, für das in den letzten Jahrzehnten zu wenig Zeit war.

Markus Minten
Redaktionsleitung Brake
Redaktion Brake
Tel:
04401 9988 2301
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