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46 Millionen Euro für „Seute Deern“
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Aktualisiert vor 40 Minuten.

Bremerhavener Wahrzeichen
46 Millionen Euro für „Seute Deern“

NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Wenn die Rente nicht reicht

11.10.2019

Brake /Nordenham Die „Fliege“ ist Fred Memengas Markenzeichen. Meistens legt er seinen Krawattenbinder an, wenn er wieder für die Tafel auf Spendentour geht. „Wir benötigen jährlich 24.000 Euro, um den Betrieb, der nur auf Spenden fußt, aufrecht zu erhalten“, sagt der 82-jährige Nordenhamer. Für dieses Jahr sei der Etat zwar gesichert. Dass es aber immer schwieriger werde, Gelder für die Tafel einzuwerben, und auch Lebensmittel nicht mehr wie früher in der Fülle zur Verfügung stünden, um sie an Bedürftige auszugeben, merkt er betrübt an.

Die Tafel lebt nur von Spenden. In der Wesermarsch sind es laut Fred Memenga etwa 1400 bis 1500 Menschen, die von der Tafel mit Lebensmittel versorgt würden. Davon suchen bis zu 450 Leute regelmäßig die Braker Tafel auf, deren Ausgabe sich am Kiebitzring befindet. „Die Tafel ist nicht mehr wegzudenken“, betont Fred Memenga. Denn auch immer mehr Leute mit kleiner Rente sowie Alleinerziehende kämen zu den Ausgabestellen in der Wesermarsch. „Wir haben noch immer einen reich gedeckten Tisch“, weiß Fred Memenga.

Bei dem Hunger in der Welt könnte es sich die Gesellschaft nicht leisten, dass Lebensmittel weggeworfen werden, so der 82-Jährige, der die Nordenhamer Tafel im Jahr 2004 gegründet hat. 2007 wurden dann die Tafeln in Brake, Rodenkirchen und Burhave eröffnet, die auch von Nordenham aus versorgt werden. Fred Memenga ist allerdings in Sorge, dass es bald nicht mehr reichen könnte. „Die Lebensmittel sind teuer und die Logistik wird besser. Die Märkte können immer weniger abgeben“, gibt er zu bedenken.

32 Geschäfte in der Wesermarsch würden zurzeit von Mitarbeitern der Tafel angefahren, 3500 Kilogramm an Lebensmitteln wöchentlich ausgegeben. Lebensmittel gebe es von den Betrieben mittlerweile nur noch auf Lieferschein, die zur Kontrolle aufbewahrt werden müssten, damit nachzuvollziehen sei, woher sie kämen.

Dabei reichen die Gaben an Lebensmitteln, die in der Wesermarsch gesammelt werden, längst nicht mehr aus. Die Mitarbeiter der Bremer und Bremerhavener Tafel rufen meistens einmal im Monat an, wenn wieder einmal ein Container im Hafen geleert werden muss, weil er nicht mehr gekühlt werden kann. Dann schlägt die Stunde für die ehrenamtlichen Helfer der Nordenhamer Tafel. Sie fahren mit einem der beiden vorhandenen Transporter los, mit denen im Monat rund 5000 Kilometer zurückgelegt werden, um das Auto vollzuladen. „Wir können uns aber nicht darauf verlassen, dass wir benachrichtigt werden“, schränkt Fred Memenga ein.

Doch nicht alles, was der Tafel gespendet wird, darf auch an Bedürftige ausgegeben werden. Frisches Obst und Gemüse werden in der Nordenhamer Zentrale sortiert und verteilt, Konserven kommen noch dazu. Mit diesen Lebensmitteln gibt es normalerweise keine Probleme. „Uns wird auch viel Kuchen und fertig gekochtes Essen angeboten. Das dürfen wir jedoch nicht annehmen“, erwähnt Fred Memenga.

Überwacht wird die Tafel vom Veterinäramt. Die Mitarbeiter würden akribisch darauf achten, dass alle Bestimmungen und Hygiene-Vorschriften eingehalten würden, so Fred Memenga. Zum einen sei es das Haltbarkeitsdatum, worauf zu achten ist. Zum anderen das Verbrauchsdatum, das keinen Tag überschritten werden dürfe.

Und die bürokratischen Hürden nehmen zu. „Auch die Etikettierung der Lebensmittel muss korrekt sein“, so der Tafelgründer. Als Beispiel nennt er die Bremer Tafel, die einmal Salami-Endstücke angeboten hatte. Diese waren in Containern verpackt, konnten wegen falscher Etikettierung aber nicht ausgeliefert werden. 15 randvoll gefüllte Kisten brachten die Tafel-Mitarbeiter nach Nordenham und mussten die frisch produzierten Salami-Endstücke wegen fehlerhafter Beschriftung leider entsorgen. „Wir haben mit tränenden Augen dagestanden“, erinnert sich Fred Memenga.

Rund 40 ehrenamtliche Mitarbeiter, Ein-Euro-Kräfte und die beiden fest angestellten Tafel-Mitarbeiter Dorette Wittje (55) und Denis Smith (45) sorgen für einen reibungslosen Ablauf. Nur wer bedürftig ist, erhält auch seinen Tafel-Ausweis, der zur Ausgabe berechtigt. Der Hartz-IV-Schein oder der Rentenbescheid, aus dem die Bedürftigkeit ersichtlich sei, müssten vorgelegt werden, so Dorette Wittje. Bei der Rente liege die Grenze bei 920 Euro. Wer darüber liege, könne nicht zur Tafel kommen. „Wir sind mitten in der Bevölkerung“, das sei traurig genug, sagt Fred Memenga – und begibt sich wieder auf den Weg.

Ulrich Schlüter Elsfleth / Redaktion Brake
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