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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Wieder schließt ein Stück Brake

16.05.2019

Brake „Uns wird auch was fehlen, uns beiden“, erzählt Jürgen Schenk. Der Inhaber des Ladens für Tabakwaren und Zeitschriften in der Lindenstraße 1 wird das Geschäft schließen. 17 Jahre lang, seit dem 1. April 2002, steckte er sein Herzblut in den Laden. Doch nun ist Schluss: Am 29. Juni wird der letzte Öffnungstag sein.

„Ich bin jetzt 70 geworden, wenn ich mit meiner Frau noch Zeit verbringen möchte, muss es jetzt sein“, erläutert Schenk seine Beweggründe für die Geschäftsaufgabe. Außerdem lohne es sich nicht mehr so wie früher. „Als Aldi hier dicht gemacht hat, haben wir das ganz schön gemerkt“, so Schenk. Mit dem Weggang der LzO-Filiale aus der Innenstadt sei es noch schlechter geworden. Die Laufkundschaft bleibe seitdem aus, es kämen fast nur Stammkunden in den Tabakladen. Für diese tue es Schenk besonders leid, den Laden zu schließen.

Der Tabakladen ist ein Braker „Urgestein“: Bereits im Jahr 1890 eröffneten Johann Wilken und seine Frau das Geschäft, anschließend führte dessen Sohn Jülf es weiter. 2002 übernahm dann Schenk als Pächter. „Ich bin quasi von einem Tag auf den anderen eingestiegen“, erinnert er sich. Nach seiner Zeit bei der Bundesmarine habe er noch etwas anderes machen wollen, als untätig zu Hause zu sitzen, und der Laden war frei: „So ergab es sich ganz kurzfristig hier.“ Den Namen „Johann Wilken“, der außen am Gebäude prangt, habe er gelassen, „weil es ein Traditionsgeschäft ist“, den Namen Wilken kenne man.

„Den Laden kann man nicht alleine führen“, weiß Schenk, auch wenn der mittlerweile verstorbene Vorbesitzer Wilken immer sagte, „80 Prozent musst du selber machen“. Daher ist er dankbar, dass er in Gisela Uffmann von Anfang an Unterstützung hatte. Seit 21 Jahren arbeitet sie stundenweise in dem Laden an der Ecke. „Wir sind ein gutes Team geworden“, erzählt Schenk, es habe nie Streit gegeben. Natürlich kam es mal zu Unstimmigkeiten, „aber man muss die Augen und Ohren nicht immer zumachen, wenn jemand mal andere Vorschläge hat“, ist Schenk überzeugt.

Auch das Verhältnis zu den Nachbarn sei immer gut gewesen, mit den Vermietern, dem Ehepaar Wilken, sogar fast familiär. Jülf Wilken habe immer Ratschläge parat gehabt und ihn unterstützt, er sei auch mal eingesprungen, wenn Not am Mann war. Vor etwa fünf Jahren habe Schenk schon einmal überlegt aufzuhören, doch es habe sich eine Lösung gefunden.

Es gab auch unschöne Erlebnisse in der langen Zeit: Vor allem Einbrüche und Diebstähle gehörten dazu. „Es wurde bestimmt zehn Mal versucht, hier einzubrechen“, erzählt Schenk. Geschafft wurde es zweimal. Bei einem der Einbrüche vor etwa zwei Jahren wurden die Fenster mit Gullydeckeln eingeworfen, die Täter konnten aber gefasst werden. Danach habe er Sicherheitsglas einbauen lassen.

Was ihn aber mehr getroffen habe, sei der Diebstahl einer Stammkundin gewesen, erzählt Schenk. Jeden Donnerstag sei sie in den Laden gekommen, um ihre Zeitschrift zu kaufen. Eines Tages Tages merkte er, dass anschließend immer Zigaretten fehlten. „Das war enttäuschend, ein richtiger Vertrauensbruch.“

Das Verhältnis zu den Stammkunden sei trotzdem das, was ihm am meisten fehlen werde. „Man kennt ja fast von jedem die kleinen Wehwehchen, die wollen ja gerne mal schnacken“. Kundenservice werde bei ihm groß geschrieben: Er tut viel für seine Kunden, legt Zeitschriften zurück, bringt sie auch mal zu Hause vorbei. „Wenn man sieht, wie sehr sich die Leute darüber freuen, da hat sich das bezahlt gemacht.“

Bei Öffnungszeiten von montags bis samstags von 7 bis 12.30 Uhr und 14.30 bis 18 Uhr bleibt nicht viel Zeit für seinen Garten und andere Hobbys wie den Shanty-Chor oder das Theaterspielen. Auch längeren Urlaub könne man nicht machen, „da verlierst du deine Stammkunden“. Daher geht er mit einem lachenden und einem weinenden Auge, denn auf mehr Freizeit freut er sich. Ein neuer Pächter für die Räume wird noch gesucht.

Jana Budde Volontärin, 1. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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