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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Küstenschützer mit 600 Helfern

26.09.2018

Burhave /Tettenserhörne Bei der schweren Sturmflut 1962 schrammte die Wesermarsch nur knapp an einer Katastrophe vorbei. Die Küstenschützer schauten sich andernorts um, was sie besser machen könnten. In Schleswig-Holstein stießen sie nicht nur auf eine besondere Methode zur Sicherung der Deiche, sondern auch auf einen jungen Mann, der sich bereit erklärte, gleich hunderte Helfer mit in die Wesermarsch zu bringen: Friedrich Wilhelm wurde der erste Deichschäfer Butjadingens. Am 22. August ist er verstorben. Er wurde 80 Jahre alt.

Die Schafe auf den Deichen der Wesermarsch sind keineswegs nur Touristen-Deko, sie üben eine wichtige Funktion aus. Die Tiere halten die Grasnarbe nicht nur kurz, sie trampeln sie auch fest. Das kannte man in der Wesermarsch bis 1962 nicht; die Deiche wurden gemäht – damit hatte es sich. In Schleswig-Holstein dagegen hatte man bereits herausgefunden, dass sich Schafe als wertvolle Helfer im Küstenschutz einsetzen lassen.

Friedrich Wilhelm wurde am 1. August 1938 in Marne geboren. Er entstammt einer Fischerfamilie. Doch Fische waren, wie er selbst einmal sagte, nicht sein Ding. Und so erlernte Friedrich Wilhelm in Dithmarschen von der Pike auf den Beruf des Schäfers, wurde sogar Schäfermeister.

Kein leichter Start

Werner Mengers, der damalige Vorsteher des II. Oldenburgischen Deichbands, erkundigte sich in Schleswig-Holstein, ob man nicht einen geeigneten Deichschäfer für die Wesermarsch wüsste. Man empfahl ihm Friedrich Wilhelm. Und weil der in Dithmarschen als Schäfer nur mit Mühe sein Auskommen hatte, nahm er das Angebot gerne an, Deichschäfer in der Wesermarsch, genauer: in Butjadingen zu werden. Seine eigene Herde brachte er mit.

Die Deichband hatte einen Bauernhof in Tettenserhörne direkt an der Grenze zum Nordenhamer Stadtgebiet gekauft. Am 11. April 1963 begann dort Friedrich Wilhelms Pachtvertrag. Noch im selben Jahr wurde der erste, 40 Meter lange Stall gebaut, ein Jahr später folgte das Wohnhaus. Für Friedrich Wilhelm und seine aus Blexerwisch stammende Frau Aenne – die beiden heirateten 1966 – sollte es für viele Jahre ihr Zuhause werden.

Einen leichten Start hatte der Deichschäfer indes nicht. Die Wesermarsch war seinerzeit alles andere als Schaf-Land. Und es dauerte eine ganze Weile, ehe sich die Butjenter an Lammfleisch heranwagten. Friedrich Wilhelm kämpfte mit Absatz-Problemen, hielt, um über die Runden zu kommen zusätzlich 400 Gänse, deren Federn er verkaufte. Doch die Gänse gefielen auch Füchsen. Der Schutz des Bestandes hätte auf Dauer so viel Aufwand erfordert, dass Friedrich Wilhelm diesen Zweig seines Betriebs wieder aufgab. Zum Glück lief es inzwischen mit den Schafen gut; zudem hatte seine Frau einige Milchkühe mit in die Ehe gebracht, um die sich sich kümmerte.

Tägliche Kontrolltouren

Die Deichschäferei in Tettenserhörne umfasste bis zu 600 Schafe. Friedrich Wilhelm fuhr jeden Morgen und jeden Abend die rund zehn Kilometer Deichlinie, für die er zuständig war, ab, um zu gucken, ob mit seinen Tieren alles in Ordnung ist. „Das hatte er sich einfach so angewöhnt“, blickt Aenne Wilhelm heute zurück.

Das Paar hat vier Töchter; keine von ihnen hatte Interesse, die Deichschäferei weiterzuführen. So übergab Friedrich Wilhelm Im November 2002 den Betrieb daher an einen Nachfolger, der auch seine Herde kaufte. Die Wilhelms zogen in ein Haus in Burhave.

Als Friedrich Wilhelm nach Butjadingen kam, um die erste Deichschäferei im gesamten Landkreis zu betreiben, war er ein Pionier. Dass die Wesermarsch heute als schafreichste Gegend in ganz Weser-Ems gilt, ist auch sein Verdienst.

Detlef Glückselig Butjadingen / Redaktion Nordenham
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