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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Nur wo es blüht, summt es auch

25.08.2018

Burwinkel „Ich möchte als Nützling von der Welt gehen.“ Das ist ein starker Satz von Susanne Janßen. Ein starker Wunsch, ein Lebensziel. Die 36-Jährige sitzt in ihrer Küche und erzählt über einige Tassen Kaffee hinweg, wie sie diesen Satz meint, wie sie das Ideal einer nachhaltigen Landwirtschaft sucht und dieses Ideal leben will.

Es ist eine wirklich alte Küche, in der Susanne Janßen am Tisch sitzt. Burwinkel 20 lautet die Adresse, 1893 wurde der Hof erbaut. In vierter Generation führt die junge Frau den landwirtschaftlichen Betrieb, der ihr so viel bedeutet – weil er ihr Elternhaus ist, alle Kindheitserinnerungen in sich birgt, weil er der Ort ist, an dem ihre eigenen beiden Kinder aufwachsen und weil sie sich dort in die Natur verliebt hat. Und gleichzeitig ist der Hof auch der Ort, der für Susanne Janßen zur größten Herausforderung geworden ist, weil „wir die Natur kaputt machen“, wie die 36-Jährige sagt: „Ich bin Landwirt und fühle mich verantwortlich.“

Susanne Janßen ist studierte Psychologin und Landwirtschaftsmeisterin. Die Landwirtschaft sollte es beruflich immer schon werden, „mein Herz ging schon als Kind daran“. 2010 übernahm die Burwinkelerin die Verantwortung für den Milchviehbereich im Betrieb ihrer Eltern, 2011 nach dem Tod ihres Vaters den gesamten Betrieb. „Dann folgten harte, arbeitsreiche Jahre. Ich hatte Arbeitskräfte aus dem Ausland, meine Kinder waren immer mit dabei, auch im Melkstand.“ Es sei „eine Zeit des Funktionierens“ gewesen, den Hof aufzugeben, habe nie zur Debatte gestanden. Bei ihrer Arbeit brannten sich neue Eindrücke ihres Umfeldes in den Kopf von Susanne Janßen: „Da gab es weniger Wild, weniger Insekten, alles blühte weniger als in meiner Kindheit. Ich musste etwas ändern für mich, ich wusste nur nicht was.“ Also machte sich die Landwirtin auf die Suche nach Ideen und Informationen: „Bei der Landwirtschaftskammer und beim Beratungsring habe ich keine Hilfestellung bekommen. Also habe ich mich mit den Richtlinien von Naturschutzprogrammen beschäftigt.“ Am Ende dieses ersten Wegstücks stand die Aussaat von Blühstreifen, um Insekten ein Zuhause zu geben. Jedes Jahr wuchsen auf fünf bis zehn Hektar ihres Landes Sonnenblumen, Klee, Hafer, Phacelis, Rotklee und viele andere Pflanzen neben konventionell bewirtschafteten Getreidefeldern. „Dann stand ich da drin und habe festgestellt, wie laut es im Blühstreifen ist. Das war ein einziges Schwirren und Summen der Insekten. Und mit jedem Schritt rüber ins Getreidefeld wurde es leiser“, beschreibt Susanne Janßen ein Schlüsselerlebnis für ihre Entscheidung: „Ich wusste, der Weg ist richtig, aber ich musste weitergehen.“

Es folgte eine Phase der Orientierung und Informationsbeschaffung: Die Elsfletherin trieb sich auf Messen herum, besucht im In- und Ausland andere Höfe, die alternative Wege gehen. Vor drei Jahren entschied sie sich, für ihren Betrieb die Bio-Zertifizierung erlangen zu wollen, vor zwei Jahren ist sie gestartet: „In der Milchkrise bin ich aus der Milchviehhaltung ausgestiegen und habe auf Mutterkuhhaltung umgestellt. Dazu kamen die Saatgutvermehrung, Getreideanbau, Grünlandbau.“

Die Umstellung auf einen biologischen Betrieb war teuer, man müsse die ganze Zeit biologisch wirtschaften, könne aber noch nicht zu Bio-Preisen verkaufen. Um diese Entwicklung finanziell durchzuhalten, musste sie Betriebsflächen verkaufen. „Aber die Sache ist es mir wert“, sagt Susanne Janßen.

180 Kühe hält die Landwirtin. Für ihre Tiere ist die Bio-Zertifizierung abgeschlossen: „Damit sind jetzt höhere Preise erzielbar.“ Das Fleisch geht größtenteils in den Großhandel. Aber auch Wege der Direktvermarktung erschließt die 36-Jährige gerade: So lässt sie aus ihrem Biofleisch Wurstwaren herstellen, die sie über ihren Onlineshop verkaufen will: www.susisfarm.de heißt die Seite, auf der Susanne Janßen auch selbst gekochte Fruchtaufstriche – ohne Zucker und Gelierzucker – und andere vegetarische und vegane Produkte anbietet. Die Waren können an einem Standort in Oldenburg oder in Elsfleth abgeholt werden. Noch einfacher geht es über die Versandoption: „Den Onlineshop möchte ich ausbauen.“ Vielleicht kommen bald auch regionale Produkte anderer Produzenten dazu.

Auch lädt Susanne Janßen gerne zu Veranstaltungen und Vorträgen auf ihrem Hof ein: Sie will ihre Vorstellung einer nachhaltigen Landwirtschaft transportieren, will ihren Betrieb und ihr Konzept zeigen. Am Sonntag öffnet sie beispielsweise ab 14.30 Uhr ihren Garten, verkauft Kaffee und Kuchen. Ab 16 Uhr gibt es einen Vortrag und eine Verköstigung über Salate mit Modekräutern (3 Euro Kostenbeitrag). Die Zutaten kommen natürlich aus dem eigenen Garten.

Ideen, wie sie ihren Biohof weiterentwickeln kann, hat die passionierte Landwirtin noch viele. Das Ziel ist klar definiert: Als Nützling von der Welt gehen.

Anja Biewald Berne/Lemwerder / Redaktion Brake
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