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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Deichbruch bedeutet Ruin

29.03.2019

Butjadingen Manfred Ostendorf beschönigte nichts. 450 landwirtschaftliche Betrieb gebe es in der Wesermarsch. Brechen die Deiche seien sie allesamt ruiniert, sagte er. Auf eine Hochwasserkatastrophe seien nur die wenigsten der Landwirte vorbereitet, so der Geschäftsführer des Kreislandvolkverbands.

Das erfuhren Vertreter von fünf Nordsee-Anrainerstaaten, die sich zurzeit im Rahmen des Projekts Frames in Oldenburg und in der Wesermarsch aufhalten.

Frames ist ein von der EU gefördertes Projekt, bei dem sich Fachleute aus Deutschland und den Niederlanden sowie aus Großbritannien, Belgien und Dänemark über die verschiedene Aspekte des Themas Hochwasserschutz austauschen. Ihr Ziel ist es, in der europäischen Küstenregion das Hochwasserrisikomanagement zu optimieren.

Bauern kaum vorbereitet

Federführend auf deutscher Seite sind die Jade Hochschule (Oldenburg) mit Dr. Helge Bormann und Jenny Kubschell sowie das Vareler Büro Küste und Raum mit dem gebürtigen Waddenser Dr. Frank Ahlhorn. Die Butjadinger hatten mit Frames bereits in Form einer Umfrage Bekanntschaft gemacht, mit der die Initiatoren herausfinden wollten, wie groß das Bewusstsein der Menschen für die Gefahr einer Hochwasserkatastrophe ist und wie gut sie auf ein solches Ereignis vorbereitet sind. Immerhin 280 der ausgegebenen Fragebögen kamen zurück. Somit sei das Ergebnis repräsentativ, so Frank Ahlhorn.

Die 24 Fragen des 16 Seiten umfassenden Katalogs hatten auch 30 Landwirte ausgefüllt. Die Hälfte von ihnen hat laut Frank Ahlhorn angegeben, auf eine Hochwasserkatastrophe vorbereitet zu sein. Dass diese Quote für die gesamte Wesermarsch gilt, bezweifelte indes am Donnerstag bei einem Termin auf dem Hof Iggewarden Manfred Ostendorf.

Ein öffentlicher

findet am Samstag, 4. Mai, in der Zeit von 10 bis 16 Uhr in der Küstenschutzhalle des II. Oldenburgischen Deichbands in Augusthausen statt. Der Hochwasserschutztag ist eine Veranstaltung des von der EU geförderten Frames-Projektes, an dem Fachleute von fünf Nordsee-Anrainerstaaten beteiligt sind. In der Küstenschutzhalle werden sich am 4. Mai alle in den Hochwasserschutz eingebundenen Hilfsorganisationen, Institutionen und Behörden vorstellen. Es gibt Vorführungen und Infostände, außerdem Vorträge und Diskussionsrunden zu den Themenblöcken Klimawandel und Hochwasserschutz sowie Eigenvorsorge in der Landwirtschaft.

Die rund 30 Teilnehmer des aktuellen „Frames“-Treffens waren Mittwochabend in Oldenburg, wo sie auch untergebracht sind, zusammengekommen, um einige organisatorische Fragen zu klären. Am Donnerstag ging es auf Exkursion. In Wapelersiel erfuhren die Teilnehmer zunächst etwas über das Entwässerungsmanagement in der Wesermarsch, anschließend besichtigten sie die Küstenschutzhalle in Augustgroden. Dann ging es nach Iggewarden.

Nachdem als Vertreter der Gemeindeverwaltung Bauamtsleiter Axel Linneweber die Frames-Teilnehmer begrüßt und Frank Ahlhorn die Ergebnisse der Butjadingen-Umfrage vorgestellt hatte, war Manfred Ostendorf an der Reihe. Der Geschäftsführer des Landvolkverbands berichtete, dass es im Landkreis 450 landwirtschaftliche Betriebe mit rund 120 000 Kühen gebe. Für sie alle würde es den Ruin bedeuten, wenn bei einer Sturmflut die Deiche brächen.

Denn, so Manfred Ostendorf, keine deutsche Versicherung zahle bei Schäden durch Salzwasser. Und ein Deichbruch würde zu Schäden führen, von denen sich keiner der Betriebe je wieder erholen könnte.

Massiv wären die Schäden schon deshalb, weil moderne landwirtschaftliche Betriebe viel Technik einsetzten und diese fast immer in Bodenhöhe installiert sei. Nur zehn Prozent der 450 Betriebe verfügen laut Manfred Ostendorf über ein Notstromaggregat, mit sie sich selbst versorgen könnten, wenn das öffentliche Stromnetz zusammenbricht. Immerhin: Die Tendenz ist steigend. „Weil wir viel über das Thema reden und unsere Leute dafür sensibilisieren“, sagt Manfred Ostendorf.

Ziel: Sensibilisieren

Zu sensibilisieren und nicht zuletzt vor dem Hintergrund des Klimawandels Lösungen – auch für die Landwirtschaft – Lösungen zu finden, das ist das Ziel von Frames. Daran hat naturgemäß auch der Landvolkverband Interesse. Aktuell blieb Manfred Ostendorf nur die Bitte an die Verantwortlichen, „so lange es geht, die Deiche zu ertüchtigen, um eine Katastrophe abzuwenden.“

Die Exkursion am Donnerstag endete in der Feuerwache in Nordenham, in der sich Hilfsorganisationen und andere Institutionen vorstellten. Diesen Freitag steht ein Arbeitstreffen in der Kaskade in Diekmannshausen auf dem Programm, bei dem sich die Frames-Teilnehmer in Projektgruppen über verschiedene Fragestellungen Gedanken machen werden.

Detlef Glückselig Butjadingen / Redaktion Nordenham
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