• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Güllefahren ist eine Wissenschaft für sich

31.01.2019

Butjadingen In den kommenden Tagen werden wieder mehr landwirtschaftliche Fahrzeuge mit Güllewagen unterwegs sein. Am 1. Februar endet die Sperrfrist zur Ausbringung von Düngemitteln. Peter, Claudia und Tristan Cornelius bewirtschaften einen Hof mit fast 150 Hektar Land, auf rund 30 Hektar baut die Familie Mais an. Dieser dient als Futter für die rund 200 Milchkühe und 170 Kälber und Rinder, die zum Hof gehören.

Das Futter für die Tiere wird im eigenen Betrieb produziert. Nur Kraftfutter kauft die Familie zu. Man gehe von vier Grasschnitten im Jahr aus, sagt Lena Frerichs, die bei den Kreislandvolkverbänden Friesland und Wesermarsch im Team „Grüne Buchführung“ tätig ist. Die von den Tieren produzierte Gülle wird auf den eigenen Flächen ausgebracht. „Es ist eine Kreislaufwirtschaft“, sagt Andrea Vogt, Pressesprecherin der Kreislandvolkverbände.

Güllekeller im Boden

Die Gülle wird im Betrieb der Familie Cornelius im Keller unterhalb der Ställe gelagert. Die Ställe sind mit einem sogenannten Spaltenboden ausgestattet. So kann die Gülle durch den Boden direkt ins Lager fallen, das eine Kapazität von rund 3000 Kubikmetern hat. Das entspreche einer Lagerkapazität von vier bis fünf Monaten, sagt Peter Cornelius. Doch es bestehe eine Sperrfrist von drei Monaten, in der die Landwirte nicht düngen dürfen, betont er. Diese Sperrfrist besteht für Grünland vom 1. November, bis zum 31. Januar. Bei Ackerland beginne die Sperrfrist bereits nach der Ernte der Hauptfrucht, sagt Lena Frerichs. Auf Antrag könne die Frist um zwei Wochen vorverlegt werden, berichtet Andrea Vogt. Deshalb sind einige Landwirte schon jetzt mit den Güllewagen unterwegs.

Düngemittel dürfen nur aufgebracht werden, wenn der Boden aufnahmefähig ist und die Pflanzen soweit entwickelt, dass sie die Nährstoffe aufnehmen können, sagt Lena Frerichs.

Mit dem Ausbringen der Gülle geht natürlich eine gewisse Geruchsbelastung einher. Diese lasse sich durch sogenannte Schleppschuhverteiler ein wenig reduzieren, sagt Peter Cornelius. Der Schleppschuhverteiler könne die Gülle in Reihen nahe am Boden aufbringen. Ab 2020 werde auf Ackerland nur noch diese bodennahe Methode erlaubt sein. Ab 2025 muss auch das Grünland bodennah gedüngt werden. Dadurch werde der Stickstoff- beziehungsweise Ammoniakeintrag in die Luft vermindert. Doch die Technik ist sehr teuer, weiß Andrea Vogt. Ein solches Schleppschuhfahrzeug schlage mit rund 130 000 Euro zu Buche. „Es ist ein Hightech-Gerät“, sagt sie.

In der Gülleverordnung ist geregelt, wann Gülle ausgebracht werden darf. Der Boden darf nicht zu stark gefroren sein, weil die Gülle dann nicht vom Boden aufgenommen wird. Es darf aber auch nicht zu nass sein, weil die Fahrzeuge sonst tiefe Spuren in den Boden fahren. „Es gibt nichts Schlimmeres, als Spuren im Land, weil da die Feuchtigkeit stehen bleibt“, sagt Claudia Cornelius. Dies zeigte sich zum Beispiel nach dem nassen Sommer 2017. Der Boden war so aufgeweicht, dass er nicht mit schweren Fahrzeugen befahren werden konnte. Landwirte konnten keine Gülle ausbringen. Ein Güllewagen, ein Fass, kann etwa 10 Kubikmeter Gülle fassen. Tristan und Peter Cornelius müssen also rund 300 Fässer fahren, um ein volles Güllelager zu leeren. Dafür benötigen sie rund vier bis fünf Tage. An manchen Tagen bleibt durch die Witterungsverhältnisse aber nur ein Zeitfenster von wenigen Stunden, sagt Claudia Cornelius.

Doch bevor ein Landwirt überhaupt Gülle ausbringen darf, wird eine sogenannte Düngebedarfsermittlung vorgenommen. Dabei werden die Nährstoffversorgung des Bodens und der Nährstoffbedarf der angebauten Pflanzen ermittelt. Die Werte werden für jeden einzelnen Schlag – also jede einzelne Weiden – errechnet. Dann wird festgelegt, wie viel Dünger jeweils aufgebracht werden darf.

So begrenze sich auch automatisch die Zahl der Tiere, die in einem Betrieb gehalten werden, sagt Peter Cornelius. Denn es sei wenig sinnvoll, mehr Tiere zu halten, als Gülle auf den Flächen ausgebracht werden kann. Reichen die eigenen Flächen nicht aus, muss der Landwirt die Gülle zum Beispiel an andere Betriebe abgeben. Der Landvolkverband vermittelt bei Bedarf zwischen den Landwirten, sagt Lena Frerichs. In der Wesermarsch gebe es aber kaum Überkapazitäten, anders als beispielsweise im Südoldenburger Land. Dort müssen Landwirte überschüssige Gülle oft an die Güllebank geben. Doch das sei sehr teuer, erzählt Lena Frerichs.

Bürokratischer Aufwand

All das werde natürlich dokumentiert. Und auf die Landwirte in der Wesermarsch kommen in den nächsten Jahren weitere Vorschriften zu. Ab 2023 müssen alle Betriebe mit mehr als 20 Hektar Land eine sogenannte Stoffstrombilanz führen. Das ist eine genaue Aufstellung darüber, was dem Betrieb an Stickstoff und Phosphor in Form von Futtermittel, Gülle, mineralischem Dünger und zugekauften Tieren zugeführt wird. Dem wird gegenübergestellt, was den Betrieb in Form von erzeugten Produkten wie Milch, Eier, Grassilage, oder Getreide verlässt, erklärt Andrea Vogt. Dabei werden Grenzwerte für Nährstoff-Überschüsse gesetzt.

Merle Ullrich Nordenham / Redaktion Nordenham
Rufen Sie mich an:
04731 9988 2202
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.