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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

„Gemeinde Butjadingen hängt sich ab“

16.03.2019

Butjadingen Die gut drei Dutzend Zuhörer, die am Donnerstagabend in den Rathaussaal gekommen waren, erlebten keine Überraschung. Die Mehrheitsgruppe im Gemeinderat ließ im Planungsausschuss ihren Worten Taten folgen und erstickte im Keim einen möglichen Beitritt Butjadingen zu einem Unesco-Biosphärenreservat.

Ein bisschen war es wie ein Déjà-vu-Erlebnis. Bereits im Jahr 2016 hatte es um das Thema in Butjadingen eine Debatte gegeben. Sie war zäh und hatte sich über Wochen hingezogen. Diesmal ging alles ganz schnell.

Am späten Montagabend hatte die aus CDU, FDP und Unabhängigen bestehende Mehrheitsgruppe in einer Pressemitteilung dem Thema Biosphärenreservat eine Absage erteilt. Am Donnerstagabend im Planungsausschuss stimmten die Vertreter der Gruppen gegen die Beschlussempfehlung der Verwaltung, dass die Gemeinde gegenüber der Nationalparkverwaltung ihr Interesse bekundet, an der Ausgestaltung von Entwicklungszonen mitzuwirken.

Das nämlich sei nur ein „verschlungener Weg“, um ein klares Ziel, eben ein Biosphärenreservat, zu erreichen, führte in einem leidenschaftlichen Plädoyer CDU-Ratsfrau und Bäuerin Claudia Cornelius aus. Ebenso leidenschaftlich bat auf der anderen Seite Grünen-Ratsherr Jürgen Sprickerhof, nicht schon im Vorfeld Möglichkeiten zu verbauen, die sich für Butjadingen mit einem Biosphärenreservat ergeben könnten.

Bürgermeisterin Ina Korter betonte, dass es vor drei Jahren um eine konkrete Kooperationsvereinbarung mit der Nationalparkverwaltung gegangen sei. Jetzt sei lediglich über eine Interessensbekundung zu entscheiden – nämlich über das Interesse daran, zusammen mit anderen Küstenkommunen Handlungsfelder festzulegen, „die im Hinblick auf die Zukunftsfähigkeit der Region von besonderer Bedeutung sind“.

17 Kommunen sagen Ja

Ina Korter verschwieg dabei nicht, dass die zu entwickelnden Zielvorstellungen, Maßnahmen und Projekte die Grundlage für die Neubeantragung eines Biosphärenreservats darstellen sollen. Sie ließ aber auch nicht unerwähnt, dass bereits 17 Küstenkommunen ihr Interesse an einer Mitwirkung bekundet hätten. „Nur wer sich an einem Prozess beteiligt, kann ihn auch mitbestimmen“, sagte die Bürgermeisterin.

Chance nicht verbauen

Jürgen Sprickerhof fand es „sehr schade“, dass seitens der Landwirtschaft keinerlei Gesprächsbereitschaft über das Thema bestehe und Argumente nicht zur Kenntnis genommen würden. Der Grünen-Ratsherr kritisierte auch die Mehrheitsgruppe, der er vorwarf, die Interessen lediglich einer Berufsgruppe, nämlich die der Landwirte, zu vertreten.

2016 hatte ein möglicher Wertverlust, den landwirtschaftliche Flächen in einem Biosphärenreservat erführen, den Ausschlag für die Ablehnung eines Beitritts gegeben. Jürgen Sprickerhof wunderte sich darüber, dass dieser Aspekt nun in einem gemeinsamen Positionspapier mehrerer Landvolkverbände nicht mal erwähnt werde. Der Grünen-Ratsherr plädierte dringend dafür, die Möglichkeit der Mitgestaltung zu nutzen. „Die Gemeinde hängt sich ab, wenn sie nicht mitmacht. Das kann nicht das Ziel sein“, sagte Jürgen Sprickerhof.

Claudia Cornelius würde vielleicht nicht im Rat sitzen, wenn sie sich 2016 nicht so vehement gegen einen Beitritt Butjadingens zu einem Biosphärenreservat engagiert hätte – das Thema brachte sie in die Politik. An ihrer Haltung von damals hat sich nichts geändert.

Den Befürwortern des Biosphärenreservats warf die CDU-Ratsfrau vor, „nicht richtig informiert“ und „genau so ahnungslos wie vor drei Jahren“ zu sein. Auf die Aussagen des niedersächsischen Umweltminister Olaf Lies (SPD) in einem NWZ-Interview, dass alles freiwillig sei und dass es keine Einschränkungen für die Landwirtschaft geben werde, wolle sie nicht bauen, so Claudia Cornelius; ihre Recherchen hätten etwas anderes ergeben.

Ina Korter hatte gesagt, dass als ein Ziel beispielsweise die Förderung der Direktvermarktung von regionalen Produkten herausgearbeitet werden könnte. „Das können wir komplett vergessen“, sagte dazu Claudia Cornelius.

Am Ende stimmten Grünen-Ratsherr Jürgen Sprickerhof und SPD-Ratsherr Felix Frerich für die von der Verwaltung empfohlene Interessenbekundung, die fünf Vertreter der Mehrheitsgruppe dagegen.

Detlef Glückselig Butjadingen / Redaktion Nordenham
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