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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

„Das ist peinlich für den Landkreis“

10.08.2013

Nordenham Der Deutsche Tierschutzbund erwartet von allen Kommunen in Deutschland, dass sie ihrer Pflicht zur Versorgung von Fundtieren nachkommen und die Kosten nicht auf ehrenamtlich tätige Tierschützer abwälzen. Das hat der aus Elsfleth stammende Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder, am Freitag in Nordenham in einem Gespräch mit der NWZ  deutlich gemacht.

Gemäß Fundrecht seien Städte und Gemeinden verpflichtet, Fundtiere mindestens sechs Monate zu versorgen. Der Tierschutzbund fordere eine darüber hinaus gehende Versorgung: bis die Tiere vermittelt werden. Die Praxis sei dagegen, so Thomas Schröder, bundesweit „völlig durcheinander; einige zahlen nur 28 Tage“. Kommunen erstatteten privaten Tierheimen und Tierschutzvereinen, welche die Versorgung übernehmen, durchschnittlich nur etwa 20 Prozent der Kosten.

„Wir bekommen noch weniger erstattet und das ist von Kommune zu Kommune unterschiedlich“, sagt Rosemarie Westphal, Vorsitzende des Tierschutzvereins Wesermarsch. Besonders gut klappe die Zusammenarbeit mit den Gemeinden Jade und Ovelgönne und der Stadt Elsfleth.

„Bundesweit ist ehrenamtlicher Tierschutz der Ausputzer für das Versagen der Kommunen, die sich billig aus ihrer Pflichtaufgabe herausgekauft haben“, kritisiert Thomas Schröder.

„Nicht hinnehmbar“

Der Präsident des Tierschutzbundes fügt hinzu: „Es ist peinlich für den Landkreis, dass er kein Tierheim für die gesamte Wesermarsch unterhält.“ Die Stadt Brake verschicke Fundtiere an ein privates Tierheim in Ganderkesee. Das städtische Nordenhamer Tierheim reiche nicht für den Bedarf im Landkreis. Und der Tierschutzverein müsse kämpfen, um ausreichend Pflegeplätze unterhalten zu können. „Auf Dauer ist das nicht mehr hinnehmbar.“

IN  Elsfleth GeboreN

Der Deutsche Tierschutzbund ist 1881 als Dachorganisation der Tierschutzvereine und Tierheime in Deutschland gegründet worden. Ihm gehören heute 753 Tierschutzvereine in 16 Landesverbänden mit insgesamt mehr als 800 000 Mitgliedern an.

Thomas Schröder (48) ist im Oktober 2011 für vier Jahre zum Präsidenten gewählt worden. Er wohnt heute in Köln. Geboren worden und aufgewachsen ist er in Elsfleth. Aus Verbundenheit mit seiner Heimat ist er vor dreieinhalb Jahren Mitglied des Tierschutzvereins Wesermarsch geworden. Nach kaufmännischer Ausbildung und Studium hat der Kommunikationswirt viele Jahre als Büroleiter für die damalige Bundestagsabgeordnete Margitta Terborg (SPD) aus Nordenham gearbeitet. Anschließend war er Pressesprecher und ab 2004 Bundesgeschäftsführer des Tierschutzbundes.

Der Tierschutzverein Wesermarsch leistet laut Thomas Schröder im Bundesvergleich überdurchschnittlich gute Arbeit. Das zeige auch der Anstieg der Mitgliederzahl von 80 im Jahr 2007 auf heute nahezu 340.

Laut Rosemarie Westphal versorgt der Tierschutzverein Wesermarsch ständig 50 bis 60 Tiere – vor allem Katzen.

Mit Blick auf die Landratswahl am 22. September sagt der Tierschutzpräsident: „Wer auch immer neuer Landrat wird: Er muss die Frage beantworten, wie er praktischen Tierschutz in der Wesermarsch stärkt.“

Darüber hinaus appelliert Thomas Schröder an alle Kommunalpolitiker, für eine flächendeckende Kastrationspflicht von Katzen zu sorgen. Eine Verordnung wie sie Nordenham, Lemwerder und Ovelgönne bereits in Kraft gesetzt haben, sei überall nötig. „Jede privat gehaltene Katze, die frei läuft und nicht kas-triert ist, trägt zum Leid von Streunerkatzen bei.“

Grenzen erreicht

Rosemarie Westphal berichtet, dass der Tierschutzverein auch diesbezüglich an die Grenzen seiner Möglichkeiten gekommen sei. Alleine in diesem Jahr habe der Verein bereits 130 Tiere kastrieren lassen. Kosten pro Tier: etwa 100 Euro. Nur für 50 Katzen habe der Verein Fördermittel des Landes bekommen. Die Kosten für die übrigen 80 Katzen, müssten durch Mitgliedsbeiträge, Spenden und Unterstützung des Tierschutzbundes aufgebracht werden.

Weitere zentrale Forderung des Tierschutzbundes: Ein Bundestierschutzgesetz, das auch die landwirtschaftliche Tierhaltung – auch in der Wesermarsch – angeht. Thomas Schröder: „Tiere werden in Haltungssysteme hineinmanipuliert. Wir brauchen die Umkehr zu Haltungssystemen, die an die Bedürfnisse der Tiere angepasst werden.“ Beim Milchvieh gehe es um Turbokühe und Manipulationen wie gestutzte Hörner bei Kälbern.

Zur Bundestagswahl sagt Thomas Schröder: „Wer nicht für ein neues Tierschutzgesetz und für die Verbandsklage anerkannter Tierschutzverbände eintritt, ist für Tierfreunde nicht wählbar.“

Horst Lohe
Nordenham
Redaktion Nordenham
Tel:
04731 9988 2206

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