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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Das letzte Schiff heißt „Ruhestand“

26.11.2011

ELSFLETH Ein „Kapitän“ geht von Bord und hinterlässt ein, für die Zukunft gut gerüstetes „Schiff“: Im Kreise von rund 300 Gästen nahm Kurt Wiechmann am Freitagmorgen nach 53-jähriger Tätigkeit, zuletzt als Geschäftsführer des Elsflether Traditionsunternehmens, Abschied von der Elsflether Werft.

Am frühen Morgen stand die Belegschaft Spalier und die Mitarbeiter dankten dem sichtlich bewegten Chef mit Rosen in den Werftfarben Blau und Rot.

Für den scheidenden Werftchef war die Abschiedsfeier im Festzelt ein guter Beweggrund, Rückschau zu halten und langjährigen Weggenossen, Mitarbeitern, der Inhaberin Brigitte Rohden und insbesondere seiner Ehefrau Gisela, sowie seinem Sohn und Nachfolger Klaus Wiechmann großen Dank auszusprechen.

Sein Durchsetzungsvermögen habe er bereits bei seinem Antritt auf der Elsflether Werft im Jahr 1958 unter Beweis stellen können, so Wiechmann. Damals habe ihn die Geschäftsführung als Auszubildenden im Schiffbau einstellen wollen. Wiechmann: „Ich wollte aber Maschinenbauer werden und habe mich mit diesen Wunsch gegenüber der Werftleitung behauptet.“

Weiter erinnerte sich Wiechmann an den „schwarzen Freitag“ im Mai 1996. Infolge der Insolvenz der Werft war allen Mitarbeitern mitgeteilt worden, dass sie ab dem nächsten Montag keinen Arbeitsplatz mehr hätten und zu Hause bleiben müssten. Wiechmann: „Zufällig wurde ich am gleichen Tag von Brigitte Rohden angerufen.“

Brigitte Rohden (Rohden Seebefrachtung Hamburg) hatte Vertrauen in das Unternehmen und zögerte nicht, zu helfen. Die Hamburger Reederin kaufte kurzerhand das Elsflether Unternehmen und stellte Kurt Wiechmann als Geschäftsführer ein.

Wiechmann: „Die Anfangszeit war nicht immer leicht, aber ich hatte mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern immer faire, loyale und zuverlässige Partner an meiner Seite.“ Seinem Sohn und Nachfolger wünschte Wiechmann ein Gespür dafür, die richtigen Entscheidungen im richtigen Moment zu treffen.

Klaus Wiechmann und Vorstandsmitglied Marcus Reinberg dankten dem scheidenden Werftchef im Namen der Belegschaft und überreichten ihm eine Ehrenplakette.

Reinberg: „Kurt Wiechmann hat immer mit unglaublichem Geschick erkannt, welche Segel gesetzt werden mussten, jetzt steuert er ein Schiff namens Ruhestand an – diese neue Route wird er neben seiner Frau sicher nicht als alleiniger Kapitän abstimmen können.“

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