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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Das meinen unsere Leser zum Klinik-Streit

02.02.2019

Leser der NWZ wissen, dass ich für die Gemeinde Stadland Hausärzte suche. Die wenigen Mediziner, die vorsichtiges Interesse gezeigt haben, fragten natürlich nach der Struktur der Krankenhausversorgung in der Region. Wenn ich ohne Schönmalerei bleiben wollte, müsste ich Folgendes antworten:

Im Kreis Wesermarsch bestehen zwei Kliniken mit jeweils zu wenig Betten für eine wirtschaftliche Arbeit, die sich in heftiger Konkurrenz befinden. Die von einem Privatkonzern geführte ist zwar baulich hochmodern und verkehrstechnisch praktisch gelegen, baut aber aktuell eine wichtige Abteilung nach der anderen ab. Außerdem stellen sich ständig neue Chef- und Oberärzte vor.

Die andere mit einem kirchlichen Träger arbeitet heftig an baulicher Modernisierung, ist sogar wirtschaftlich noch ziemlich gesund. Sie verweigert aber seit Jahren eine Kooperation mit der anderen Klinik. Zudem ist sie verkehrstechnisch unglücklich inmitten der Kreisstadt eingeklemmt. Es kann geschehen, dass Patienten, die eigentlich nur zehn Minuten Anfahrtszeit benötigen, zusätzlich eine Viertelstunde lang einen Parkplatz suchen und schließlich in einer öffentlichen Straße unerlaubt parken. Die Polizei und die Stadt sind barmherzig und bestrafen nur die schwersten Sünden, wenn sie denn überhaupt kontrollieren.

Dass inzwischen beide Kliniken in der Bevölkerung ihren guten Ruf mehr und mehr verspielen, ob das berechtigt ist oder nicht, macht mir die Arztsuche nicht leichter. Ich frage: Wann endlich wird der unsägliche Konkurrenzkampf zwischen der nun doch als Klinik betriebenen „Weserphilharmonie“ in Esenshamm und dem Braker Innenstadthospital beendet und zum Wohl der Bevölkerung eine Lösung gefunden?

Gerhard Roos

Wieder einmal zeigt sich: Entgegen allen ethischen Grundsätzen ist der Mensch zum Mittel einer Geschäftsidee, nämlich Geld zu verdienen, benutzt worden. Unsere abendländische (Leit-)Kultur stellt das Wohlergehen des Menschen in den Mittelpunkt. Dazu zählt auch, körperliches und seelisches Leiden, wenn nicht zu verhindern, so doch zu lindern. Wenn Klinikverbände in heutiger Form das nicht vermögen, muss der Staat dieser Aufgabe nachkommen und Zulassungen nur unter der Voraussetzung erteilen, dass er (der Staat) an entscheidender Stelle Einfluss nehmen kann.

Helios sollte die alleinentscheidende Führungsgewalt beschnitten, oder unter Umständen entzogen werden. Nicht nur für Esenshamm.

Hans-Dieter Werner

Ich bin entsetzt von der Tatsache, dass die Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Nordenham geschlossen wird. Es macht Angst, dass es bei der Gesundheit in der Regel nur um Profit und schwarze Zahlen geht.

Ich wohne in Elsfleth und habe meine Kinder in Brake zur Welt gebracht. Ich frage mich, wie soll es in Zukunft weitergehen. Da muss man sich vielleicht überlegen, wenn man eine Familie plant, dass man sich besser einen Wohnort sucht, wo es das Problem nicht gibt.

Die nächste Frage ist ja, wie geht es mit der Wesermarsch-Klinik weiter. Ist das vielleicht erst der Anfang? Ich würde mir sehr wünschen, dass die Abteilung nicht geschlossen wird.

Gertrud Nieß

Die Schließung der Geburtshilfe schadet auf jeden Fall dem Helios-Standort in Nordenham. Wie man hört, ist die Station für Geriatrie bereits geschlossen. Und an der Intensivstation wird auch „geknabbert“. Solches zeigt, dass es mit dem neuen, bunten Nordenhamer Krankenhaus bergab geht.

Man muss daran erinnern, dass die Hebammen schon über lange Zeit auf ihre Probleme mit der neuen, teuren Haftpflichtversicherung hingewiesen haben. Da haben der Bund, das Land oder der Kreis es versäumt, diesem Berufsstand finanziell zu helfen.

Deshalb jetzt die Forderung an die Politik um Geld für die Hebammen, damit sie weiter hier arbeiten können. Wir haben in Esenshamm so schöne, neue Räume für die Geburtshilfe, die einen guten Ruf genoss.

Gesundheitshilfe und Pflege sollte über Profit stehen. Um etwas Geld zu bekommen, könnten ein paar neue Panzer weniger gebaut und vor allem die „Gorch Fock“ in den Hochofen gefahren werden.

Klaus Wilhelm

Helios ist ein rein profitorientierter Konzern. In der Stadt Schleswig wurden sogar schon einmal Ratten im Foyer fotografiert. Was nicht dem unmittelbaren Profit dient, wird bei denen ganz offensichtlich nicht gemacht.

Schuld an der kompletten Pflege-Misere sind aber letztlich die Politiker, die es für einen guten Gedanken hielten, das Pflegewesen weitestgehend zu privatisieren. Denn das war in letzter Konsequenz eine kriminelle Idee.

Werner Lorenzen-Pranger

Ich verfolge seit vielen Jahren die Geschichte um das Krankenhaus Nordenham. Es ist eine traurige Geschichte. Die ganze Ursache sind politische Fehlentscheidungen. Weil die SPD in Nordenham und im Landkreis Wesermarsch eine Monopolstellung hat, ist vor gut 35 Jahren die Wesermarsch-Klinik in Nordenham gebaut worden – ein Symbolbau für Nordenham. Es sollte damals ein Krankenhaus zentral für die Wesermarsch im Raum Rodenkirchen gebaut werden mit Auflösung der Krankenhäuser in Brake. Nein, die SPD wollte ein eigenes in Nordenham!

Hat Nordenham eigentlich genügend Einzugsbereich für ein Krankenhaus? Eckwarderhörne, Tossens, Burhave, Nordenham. Die Schweier fahren vielleicht schon nach Varel. Darum auch die Minuszahlen?

Vor einigen Wochen war schon einmal ein Bericht über das Krankenhaus in Esenshamm mit einer Stellungnahme der Leiterin zur finanziellen Lage. Ihre erschreckende Erkenntnis: Wenn sich die Zahlen nicht bald ändern, wird sich die Leitung dies ich nicht lange ansehen. Das bedeutet für eine Aktiengesellschaft die Schließung. Ende Nordenham. Ich hoffe, so weit kommt es nicht.

PS: Ich war des Öfteren in der Wesermarsch-Klinik als Patient. Medizinisch wurde ich gut versorgt. Die Krankenschwestern und das Personal waren immer nett und hilfsbereit.

Jürgen Gräfe

Die Schließung der über den Landkreis hinaus hoch angesehenen Geburtshilfe in Nordenham ist eine Katastrophe für den Landkreis Wesermarsch (und nicht nur für den Klinikstandort Nordenham)!

Schnelle Erreichbarkeit und Verfügbarkeit von Geburtshilfe und Hebammenversorgung sind unverzichtbare Grundvoraussetzungen für Familien. Da eine Klinik in einem Landkreis, der im Norden und Osten von Wasser begrenzt wird, natürlicherweise einen kleineren Einzugsbereich besitzt, müssen politische Rahmenbedingungen geschaffen werden, die die Grundversorgung der Menschen sicherstellen, auch wenn es keine 500 Geburten pro Jahr gibt.

Erst vor wenigen Wochen hat Frau Bernhold, die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, im Familienausschuss der Gemeinde Butjadingen die besonders starke Abwanderung von Frauen aus der Wesermarsch beklagt. Eine Wesermarsch ohne Geburtshilfe – das macht den Wohnstandort in Zeiten des Fachkräftemangels deutlich unattraktiver. Wenn eine Frau aus Langwarden zukünftig nicht mehr in Esenshamm entbinden kann, sondern nach Reinkenheide muss, dann ist das fast eine Verdoppelung der Fahrzeit. Erfahrungsgemäß muss es bei Geburten auch mal schnell gehen.

Ich habe überhaupt kein Verständnis, wenn die Landesregierung jetzt offenbar Fördergelder für das Krankenhaus in Brake bewilligt und der Standort Nordenham geschwächt wird. Da sind unsere an der Regierungskoalition in Hannover beteiligten Landtagsabgeordneten Thümler und Logemann gefordert. Aber auch von unserem Landrat wünschte ich mir mehr Einsatz für alle Einwohner der Wesermarsch.

Uta Meiners

Was ist, wenn ein Baby stirbt weil mal wieder der Tunnel gesperrt ist oder die Fähre nicht fährt? Was ist, wenn die Mutter stirbt, weil es nicht schnell genug ging? Was ist, wenn man kilometerweit weg mehrere Kinder hat, die versorgt werden müssen ?

Wieso dürfen Kliniken einfach so etwas entscheiden statt Hebammen zu fördern und unterstützen? Unmöglich! Überall stecken Gelder, aber um unseren Nachwuchs kümmert sich keiner. Darüber sollten die Politiker nachdenken. Keine Hebammen, keine Kinder. Keine Kinder, keine Steuergelder...

Martina Logemann

Man kann das Thema „Schließung der Geburtshilfe und Gynäkologie“ in seiner ganzen Dramatik darstellen, aber eines wird sich nicht ändern: Die Geburtshilfe rechnet sich erst ab 1000 Geburten jährlich im Belegsystem. Alles andere bedeutet einen Verlust für die Klinik.

Es gibt viele gute Gründe, warum die Geburtshilfe für die ganze Wesermarsch wichtig ist. Aber für Helios steht nun einmal nicht die Nähe zum Menschen und der Region im Mittelpunkt, sondern die Bilanz.

Um neue Hebammen nach Nordenham zu holen, bedarf es leider mehr als eines schönen neuen Kreißsaals und eines nettes Hebammen-und Ärzteteams. Ab 2020 ist der Beruf Hebamme ein Studium, ein Teil der Hebammen studiert jetzt bereits. Da die Vergütung für angestellte Hebammen aber niedrig ist, streben viele akademisch ausgebildete Hebammen andere Beschäftigungsformen an, die ein höheres Einkommen und mehr persönliche Möglichkeiten bieten. Beleggeburten sind zum Beispiel aber nur in einem größeren Team bei hohen Geburtenraten finanziell attraktiv, da laut Gesetz eine Hebamme maximal nur zwei Frauen parallel betreuen darf. Praktisch bedeutet das: Wenn eine Frau sich im Kreißsaal befindet, eine weitere zum CTG kommt, darf die anwesende Hebamme keine weitere Frau betreuen und muss eine Kollegin aus der Rufbereitschaft anfordern. Diese kommt natürlich nicht nur für ein CTG, sondern kann dann in großen Systemen oftmals eine andere Kollegin ablösen oder andere Aufgaben wahrnehmen. Dies ist in Nordenham bei der geringen Geburtenzahl nicht möglich. Die Hebammen hier sind angestellt. Damit sind die freien Stellen unattraktiv für junge Akademikerinnen.

Der Fachkräftemangel insgesamt wird hier in der Region dazu führen, dass immer mehr Leistungen nicht angeboten werden können. In den Schulen fehlen Lehrer, es mangelt an Ärzten, Sozialpädagogen, Erziehern usw. Wer will in der Wesermarsch bleiben oder gar hierher ziehen? Junge Menschen und Familien bestimmt nicht!

Jetzt ist die Politik gefragt, um ein gutes Versorgungssystem sicherzustellen, Ressourcen zu erschließen und Ideen zu entwickeln. Wir brauchen auch zukünftig eine flächendeckende Hebammenbetreuung und kurze Anfahrtswege zur Entbindung, auch wenn dies Geld kostet und sich für Helios nicht rechnet. Junge Familien und Kinder sind unsere Zukunft, in die man investieren muss!

Ich habe selbst vier Kinder in Nordenham bekommen und die Vorzüge einer Geburt in einem kleinen Haus sehr genossen, ebenso die vielen Angebote und Hilfen der Hebammen. Es wäre ein trauriges Zeichen für die ganze Region, wenn dies zukünftig nicht mehr möglich sein sollte.

Michaela Schwarting

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