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Rathaus: Die doppelte Brunßen-Ära endet

11.08.2010

NORDENHAM Wer 46 Jahre seinem Arbeitgeber treu gewesen ist und dann in großer Zufriedenheit seinen Ruhestand antritt, muss in seinem Berufsleben alles richtig gemacht haben. „Ich habe nicht einen Tag bereut“, blickt Manfred Brunßen auf seine lange Dienstzeit bei der Stadt Nordenham zurück. Nicht anders ergeht es seiner Frau Heidi, die auch schon 40 Jahre bei der Stadtverwaltung tätig ist. Die beiden angehenden Pensionäre verabschieden sich mit einem guten Gefühl aus dem Rathaus. Und das auch noch an ein- und demselben Tag: Am 1. Oktober endet bei der Stadt Nordenham offiziell die doppelte Brunßen-Ära.

3800 Anschläge

Manfred Brunßen (63) ist gebürtiger Sarver. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in Ellwürden und Atens. Als er sich nach der Mittelschule für einen Beruf entscheiden musste, folgte er dem Rat seines Vaters. Weil er mit 16 schon ausgezeichnet mit der Schreibmaschine umgehen konnte und Steno beherrschte, empfahl Brunßen Senior seinem Sprössling eine Ausbildung bei der Stadtverwaltung. Unter Stadtdirektor Arthur Böhme begann er am 1. April 1964 eine Rathauskarriere als Verwaltungslehrling. Mit seinen damaligen Schreibmaschinenkünsten – 3800 Anschläge in zehn Minuten – schaffte Manfred Brunßen einen vorderen Platz bei den Stadtmeisterschaften des Stenografenvereins. „Das verlernt man nicht“, sagt er.

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1967 wurde Manfred Brunßen von der Stadt übernommen, musste aber kurz darauf seinen Wehrdienst in Hamburg-Wentorf antreten. Und da bestand für einen Moment die Gefahr, dass der heimatverbundene Nordenhamer der Unterweserstadt auf Dauer den Rücken gekehrt hätte. Da er ein hervorragender Handballer war, wollte die Luftwaffe ihn am Standort Hamburg halten. Aber Manfred Brunßen zog es zurück in die Wesermarsch. Vor allem wegen der Liebe zu seiner Heidi, die damals noch Hoffmann mit Nachnamen hieß.

Da die beiden sportbegeisterte Menschen sind, ist es kein Wunder, dass sich beim Volleyballspielen kennengelernt hatten. „Wir waren übereinander gefallen“, erzählt Heidi Brunßen (59) und weiß auch noch das genaue Datum: 11. Februar 1967.

Nach der Bundeswehrzeit nahm Manfred Brunßen bei der Stadt das Angebot an, die Beamtenlaufbahn einzuschlagen. Als frischgebackener Inspektor bekam er 1975 von Stadtdirektor Friedrich Knöppler den Auftrag, ein Sportamt aufzubauen.

„Das war eine schöne Herausforderung“, blickt Manfred Brunßen auf seine ersten Amtsleitererfahrungen zurück. Es sollten noch mehr werden: Später war er Chef des Rechnungsprüfungsamtes, des Ordnungsamtes und des Hauptamtes. 2005 wurde Manfred Brunßen zum Allgemeinen Vertreter des Bürgermeisters ernannt und übte somit den wichtigen Job des „Innenministers“ aus.

Rückblickend ist er dankbar, einen Beruf mit „vielfältigen und spannenden Aufgaben“ ergriffen zu haben. Auch das eigenverantwortliche Gestalten und die Zusammenarbeit mit dem Rat haben ihm großen Spaß gemacht. Einziger Schatten ist die Ära des Bürgermeisters Dr. Georg Raffetseder von 2003 bis 2007. „Das war eine schwierige Zeit“, sagt Manfred Brunßen, der nach Raffetseders Absetzung für ein Jahr der kommissarische Chef im Rathaus war.

Große Schweden-Fans

Mit seiner Frau Heidi hat Manfred Brunßen viele Gemeinsamkeiten: Beide lieben ihre Heimatstadt – da besonders den Weserstrand –, unternehmen gerne Touren mit dem Rad und sind große Schweden-Fans. Auch ihre Zugehörigkeit zur SPD haben sie gemeinsam, wenngleich Manfred Brunßen im Gegensatz zu seiner Frau nie für ein politisches Amt kandidierte. Heide Brunßen gehört seit 2001 dem Kreistag an, in den sie als Neuling mit einem sehr guten Wahlergebnis eingezogen war. Ob sie 2011 wieder antritt, weiß sie noch nicht.

Im Rathaus hatte die gebürtige Grebswarderin 1970 als Stadtangestellte angefangen. Nachdem Heidi Brunßen in verschiedenen Ämtern und zwischendurch auch als freigestelltes Personalsratsmitglied tätig gewesen war, übernahm sie 1987 ihre jetzige Aufgabe in der Rentenversicherungsstelle. „Sie ist das Sozialamt in Person“, beschreibt Manfred Brunßen die Hilfsbereitschaft seiner Frau.

Während Manfred Brunßen sein Büro schon ausgeräumt und seine letzten Urlaubstage genommen hat, verabschiedet sich seine Frau Ende August aus dem Rathaus. „Ich gehe als zufriedener Mensch“ sagt Manfred Brunßen. Seine Frau nickt.

Norbert Hartfil Redaktionsleitung Nordenham / Redaktion Nordenham
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