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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Die Erkenntnisse stets erweitern

25.01.2010

KLEINENSIEL Vor die Wahl gestellt, würde er eine Teilnahme an einem Raumflug der Russen favorisieren. Deren Systeme seien simpel, aber unheimlich robust. Trotz erheblich mehr Flugstunden im Weltall, hätten die Russen zudem weitaus weniger Tote zu beklagen als die Amerikaner, überraschte Dr. Ulf Merbold die rund 270 Gäste des traditionellen Neujahrsempfang am Sonnabendmorgen im Kernkraftwerk Unterweser.

„Wissenschaft im Weltall“ lautete der Thema des Vortrages des 69-jährigen Physikers und Astronauten, der bei drei Flügen 1983 mit dem Space-Shuttle „Columbia“, 1992 mit dem Space-Shuttle „Discovery“ und 1994 in der russischen Raumstation „Mir“ insgesamt 50 Tage im Weltall verbrachte und dabei etliche wissenschaftliche Experimente absolvierte.

Jedem, der nach einem Weltallbesuch wieder die erste Nacht auf der Erde verbringt, sollte im Dunkeln nichts wagen, denn der Gleichgewichtssinn sei noch gestört. „Man glaubt, man habe drei Flaschen Bordeaux-Wein über den Durst getrunken“, berichtete der heute noch als Berater für die Europäische Weltraumorganisation (ESA) tätige pensionierte Astronaut.

Anschauliche Darstellung

Seinen Vortrag über die Bedeutung des Weltraums für die Wissenschaft sowie über den Sinn und Zweck der Raumfahrt, lockerte Ulf Merbold immer wieder mit Anekdoten auf und machte damit das Leben jenseits der Erde anschaulich. Die Zuhörer erfuhren, wie kompliziert es beim Startvorgang zugeht, wie in totaler Schwerelosigkeit Kaffee zubereitet werden kann und wie auch der Gang zur Toilette zum Abenteuer wird.

Doch der 69-Jährige fand auch ernste Worte unter anderem zum Thema „Klimawandel“, der auch anhand von Bildern aus dem All nicht mehr zu leugnen sei. Insgesamt sei er mit einer „veränderten Wahrnehmung der Erde“ von seinen Missionen zurückgekehrt. „Auch weil wir wenig wissen, sollten wir lieber konservativ und vorsichtiger mit unserem Planeten umgehen“, sagte Ulf Merbold.

Für ihn ist die bemannte Raumfahrt die Fortsetzung der Entdeckungsreisen, die unsere Vorfahren unternommen haben. Marco Polo, Christoph Columbus und Vasco da Gama seien dorthin gegangen, wo vorher noch niemand war. Durch ihre dabei gewonnenen neuen Erkenntnisse und Einsichten habe die Gesellschaft stets dazugelernt.

Denkanstöße erwartet

Er sei kein Hellseher, aber einen Erkenntniszugewinn und Denkanstöße erwartet Ulf Merbold auch von einem bemannten Flug zum Mars, der in diesem Jahrhundert erfolgen werde. Er könnte beispielsweise eine Antwort auf die Frage geben, ob es auf dem Mars Wasser gab und was damit passiert ist. Daraus könnten wichtige Rückschlüsse für die Erde gezogen werden, denn in einigen Regionen unseres Planeten sei der Rückzug des Wassers bereits ein großes Problem.

Ulf Merbold fordert deshalb auch ein verstärktes europäisches Engagement in der Raumfahrt. Die gemeinsame Arbeit in und an der internationalen Raumstation ISS habe schon viele neue Erkenntnisse und technologische Fortschritte gebracht. Europa sollten seinen Reichtum nicht verwalten, sondern aktiv werden.

Dass uns die Raumfahrt übermäßig viel Geld koste, sei ein Vorurteil, das in den Medien immer wieder vorgebracht werde. Im derzeitigen Bundeshaushalt stehen circa 800 Millionen Euro für Weltraumprojekte zur Verfügung – das seit minimal. Solange die Europäische Union die Hälfte ihres Budgets (über 100 Milliarden Euro) für Agrarsubventionen ausgibt, dürfe man über die Kosten der Raumfahrt nicht lamentieren, so Ulf Merbold.

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